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Wie Topgolf, TrackMan, Foresight und Co. den Golfsport revolutionieren

Tracking-Systeme wie TrackMan, Toptracer und Co. können das persönliche Golfspiel und die Sportart als Ganzes weiterentwickeln.

Topgolf, TrackMan und Co. sorgen für frischen Wind in der Golfindustrie. (Foto: Getty)
Topgolf, TrackMan und Co. sorgen für frischen Wind in der Golfindustrie. (Foto: Getty)

Training mit Schlag-Analyse-Systemen und neuere Driving-Range-Formate haben eines gemeinsam: Das Tracking-System. Dabei ist es grundsätzlich erst einmal egal, um welches System es sich dabei handelt. Jedes System kann das persönliche Golfspiel verbessern und, fest installiert in einer Driving Range, eine neue Variante des Golfsports etablieren.

Für das persönliche Training sind diverse Produkte auf dem Markt. Die Systeme von Foresight Sports und Topgolf vertrauen beispielsweise auf kamerabasierte Infrarot-Technik, während TrackMan und FlightScope den Doppler-Effekt der Radartechnik nutzen, um Schlaganalysen zu erbringen. Die PGA hat sich entschieden die TopTracer-Technologie, die auch auf den Event-Driving-Ranges von Topgolf zum Einsatz kommt, auf ihrer Tour einzusetzen, während alle Stadien des amerikanischen Profi-Baseballs mit der Radartechnik von TrackMan ausgestattet sind. Zu weiteren Vertretern der TrackMan-Technologie gehören die deutschen Profis Martin Kaymer und Bernhard Langer.



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Für das Coaching ein klarer Vorteil

Für das persönliche Coaching sind dabei die Daten des Schlägerblatts im Treffmoment entscheidend: Schlägerkopfgeschwindigkeit, Kraftübertragung auf den Ball (Smash-Faktor), Schlagflächenstellung, horizontaler und vertikaler Eintreffwinkel und so weiter. Dass die Systeme im persönlichen Training hilfreich sind, steht mittlerweile außer Frage. Auch, dass mit dieser Technik schnell erkannt werden kann, ob ein neues Schlägermodel für den betreffenden Spielertypus geeignet ist, kann nur ein Vorteil sein. Die Meinungen gehen soweit, dass ab einem bestimmten Level die Verbesserung der Schlaglänge allein mit Hilfe eines Trackers zu erreichen ist.



Dabei können die Tracking-Produkte – fest installiert auf einer Driving Range – eine neue Variante des Golfs etablieren, von der mittel- und langfristig auch der klassische Clubgolf profitieren kann. In den USA schreiben moderne Driving Range-Konzepte seit Längerem bemerkenswerte Zahlen. Und auch die in Deutschland bisher einzigartige Golf Lounge in Hamburg ist ein Erfolgskonzept.



Für den Golfsport als Ganzes zukunftsweisend

Selbstverständlich kann man die Anlagen und ihre Technik zum Schlagtraining nutzen. Insbesondere die Stadtnähe und die langen Öffnungszeiten sind hier große Vorteile. Das Format steht in der Tradition des Golfsports, hat aber gesellschaftlich, atmosphärisch und ästhetisch ganz andere Schwerpunkte. Neben dem sportlichen Wettkampf steht Geselligkeit im Vordergrund. Die Driving Range als Sportsbar: „Caddies“ bringen Getränke und etwas zu Essen. Bei Musik finden Motto-Partys statt oder ein DJ legt auf. Es wird getanzt und eben auch gegolft. Da der Umsatz zu einem großen Teil durch den Verzehr vor Ort erwirtschaftet wird, nennen amerikanische Journalisten das Konzept teilweise „Eater-tainment“.

Vor allem bei jüngeren Menschen kommt das Konzept gut an. „Seitdem wir 2018 mit TrackMan die Golf- und Gamingwelt verknüpfen, sprechen wir eine ganz neue und jüngere Zielgruppe an“, erklärt Verena Frobusch, Geschäftsführerin der Golf Lounge in Hamburg. Gaming bedeutet unter anderem, dass jeder Spieler drei Versuche pro Runde hat, um Ziele zu treffen, dabei gibt es höhere Punktzahlen für weiter entfernte Ziele (Bullseye), um so weit es geht zu driven, dabei gewinnt der längste Schlag (Hit it!) oder um seinen Ball so nah wie möglich an eine Flagge zu spielen (Capture the Flag). Die Schläge werden auf Monitoren und über eine App nachvollziehbar sichtbar und von einem Top-Analyse-Tool bewertet.



Durchschnittlich hat die Golf Lounge in Hamburg täglich 200 bis 250 Besucher. Die Anteile der Nutzer mit und ohne Golferfahrung sind gleichmäßig verteilt, schätzt die Geschäftsführerin. „Genaue Zahlen können wir nicht liefern, weil die Erhebung unserem Konzept widersprechen würde. Bei uns bekommt man keinen Fragebogen, sondern einen Schläger in die Hand. Die einzige Frage die danach zählt ist: ‚Was willst du trinken?‘ Unser Motto: Keep it simple!“, so Frobusch.

TopGolf: 45.605 Besucher am Tag – 70 Prozent der Golfer unter 34 Jahren

Dass dieses Konzept Erfolg verspricht und enormes Entwicklungspotential hat, wird bei einem Blick nach Übersee sehr deutlich. Topgolf ist bisher der Marktführer in den USA. 2018 besuchten durchschnittlich 45.609 Personen die 49 Topgolf-Anlagen (ca. 877 pro Anlage) pro Tag. 70 Prozent der Besucher sind dabei unter 34 Jahren alt. Dort geben 51 Prozent der Besucher an, sonst kein Golf zu spielen und nur acht Prozent der Besucher spielen 25 und mehr Runden klassisches Golf im Jahr.



Tom Leverton, CEO von Topgolf, kam schon vor Jahren zu der Erkenntnis, die sich in Hamburg seit letztem Jahr nachvollziehen lässt: „Wir sehen eine komplett neue Gruppe, die mit Golf in Kontakt kommt, die normalerweise nicht mal in die Nähe eines Platzes gehen würde. Wir haben die Hürden des Einstiegs abgeschafft“, erklärte Leverton.

Topgolf gilt als Erfinder des Konzepts. Aus Langeweile von zwei Brüdern in den 1990ern auf einer klassischen Driving Range erdacht, eröffnete die erste Range dieser Art 2000 bei London. 2004 verkauften die Engländer ihre Lizenz an einen amerikanischen Investor. Er übernahm das Konzept und fokussierte sich auf den US-amerikanischen Markt. Zwischen 2013 und 2014 verdoppelte sich die Zahl der Topgolf-Ranges nahezu. Heute gibt es 52 Anlagen weltweit, davon drei in London und 49 in den USA. Zehn weitere sind bereits geplant. Durchschnittlich beläuft sich das Investitionsvolumen des Franchisenehmers auf 18 Millionen Dollar pro Range. Eine Anlage in Austin (Texas) wurde bereits für 15 Millionen realisiert, während sich der Betreiber in Las Vegas seine Anlage 50 Millionen Dollar kosten ließ.



Doch Drive Shack will mit sehr ähnlichem Konzept für Konkurrenz auf dem amerikanischen Markt sorgen. Das Unternehmen ist bisher als Betreiber konventioneller Golfplätze bekannt und betreibt seit April 2018 eine „Eater-tainment-Range“ in Orlando, wird aber im höheren dreistelligen Millionenbereich in den Ausbau ihrer Ranges investieren. Das Vermögen von Drive Shack beläuft sich auf rund 100 Millionen Dollar, zusätzlich verkauft das Unternehmen momentan mehrere Golf-Anlagen in ihrem Besitz und erwartet Einnahmen von 175 Millionen Dollar.

Finanzielle Unterstützung erhält Drive Shack zudem von TaylorMade. Um das Vorhaben umzusetzen konnte man zudem Ken May, den ehemaligen CEO von TopGolf, für Drive Shack gewinnen. Der Grund für diese Verrenkungen liegt in den Zahlen: 82.000 Besucher golften in den ersten sechs Monaten im Drive Shack, Orlando. Technisch haben sich die Verantwortlichen für die Tracking-Systeme von Foresight Sports entschieden.





Von den amerikanischen Zahlen ist die Golf Lounge in Hamburg zwar noch weit entfernt aber sie ist ein Vorreiter dieses Golf-Konzepts in Deutschland und gleichzeitig eine mögliche Antwort auf dringliche Probleme des Golfsports in Deutschland: die Altersstruktur, Bindung neuer Spieler und Auslastung der Golfplätze. Belastbare Zahlen darüber, wie viele Besucher, die auf diesen Driving Ranges in den Sport hineinschnuppern, letztlich den Schritt auf den Platz wagen, gibt es noch keine. Auch wenn es nur ein kleiner Teil ist, wäre dem Golf geholfen und die Betreiber werden – angesichts der genannten Zahlen – immer noch ihren Schnitt machen.

Die Betreiber der Golf Lounge in Hamburg haben noch keine Ambitionen für eine Expansion. „Von uns gibt es keine Pläne in diese Richtung. Aber wir verstehen uns durchaus als Blaupause für ein Golfkonzept, dass auch in Deutschland funktioniert“, so CEO Frobusch und fügt an: „Das wäre vielleicht eine Aufgabe für den DGV.“

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