Donald Trump würde dieses Buch lieben
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„100 Dinge, die jeder Golfer wissen muss“ - Frauen in High Heels und Minis erwünscht. Saufen, Rauchen und Chauvi-Sprüche sind beim Golf Kulturgut. Dieses Buch disqualifiziert sich selbst.

Verzweiflung und Golf - nicht nur das Spiel selbst, auch Golfbücher können einen zur Verzweiflung bringen.
Verzweiflung beim Golf. Hier Chris Smith. Nicht nur das Spiel selbst, auch Golfbücher können Anlass zur Verzweiflung sein. (Foto: Getty)

„100 Dinge, die jeder Golfer wissen muss“, ist das vierte Buch Kurt Werner Zimmermanns zum Thema Golf. Und es liest sich wie ein schlechter Horrorfilm. Meistens ahnt man, was kommt und manchmal überrascht es doch mit schrecklichen Wendungen. Das Buch ist ein Autounfall in Zeitlupe - Zeile für Zeile zerdrückt sich die Knautschzone bis die Airbags auslösen und das Ding gegen die Wand fliegt.

Zimmermann ist Journalist. Der 67-jährige Schweizer schrieb unter anderem für die Weltwoche, die SonntagsZeitung und für das Wirtschaftsmagazin Bilanz. Er war bis März 2019 Chefredakteur des Schweizer Journalist. Erschienen ist das Buch im Juni 2019 als Hardcover und E-Book im Stiebner Verlag, Grünwald.

Wie der Titel bereits vermuten lässt, unterteilt sich das Buch in 100 Kapitel. Diese bringen es zusammen auf 159 Seiten. Es handelt es sich um eine lose Aneinanderreihung von Fun-Fact und Anekdötchen, die süffig geschrieben sind.

In seiner Schreibtechnik offenbart sich das Können des Autors, im Inhalt zeigt sich jedoch, dass er, anders als der Titel verspricht nicht für „jeden Golfer“ schreibt. Nicht jeder Golfer hält Martin Schulz für einen „linkspopulistischen Opportunisten“ (S. 128), nicht jeder Golfer denkt, dass er mit „Grünen“ im Flight erstmal darüber diskutieren muss, ob es „nicht besser Golfbällinnen und Golfbälle heißt“ (S. 128). Dem Autor liegt viel daran, dass Golfplatz und Klubhaus „etwas Sympathisch-Antiquiertes“ haben und als moralische „Schonzonen“ erhalten bleiben. Auch wenn „Gutmenschen aller Art und Feministinnen aller Art“ (S. 78) dies verdammungswürdig finden würden.

Der Autor hält sich jedenfalls selbst nicht an sein Konzept der moralischen Schonzone-Golfanlage. Er weitet sie in das vorliegende Buch und damit weit über das 19. Loch hinaus aus. Nicht nur wenn es um die Fragen geht „Warum ist Golf doch anders als Sex?“ (Kap. 13), „Warum sind Golfwitze oft so anzüglich?“ (Kap. 46), „Darf ich mich auf dem Golfplatz betrinken?“ (Kap. 16) oder „Passt Rauchen auf dem Golfplatz dazu?“ (Kap. 48), sondern auch an überraschend abwegigen Stellen wird es sehr zotig.



An den bereits unzählige Male verwursteten Fun-Facts des Golfs kann kaum etwas verdorben werden. Ja, Ben Hogen hatte den perfekten Schwung (Kap. 56) und ja, Lee Travino hatte die besten Sprüche (Kap. 17). Der Autor fasst sie erneut zusammen.

Nicht ganz so genau mit Fakten nimmt es der Autor jedoch auf weniger ausgetretenen Pfaden: In Kapitel 79 „Dürfen Sozialisten Golf spielen?“ vertauscht er die Sozialdemokratie mit der „Utopie des Sozialismus“ (S. 127), um seine zuvor bereits angelegte Abgrenzung zu „Roten“ und „Grünen“, „Gutmenschen“ und „Feministinnen“ auszubauen. Zu wem genau die Genannten abgegrenzt werden bleibt undeutlich. Zum Autor? Oder glaubt dieser etwa, „Golfer an sich“ seien ein Gegensatz zu den Genannten?

Auch das Kapitel 58 „Gehören wir Golfer zur Elite?“ baut auf problematischer Argumentation auf. „In Deutschland sind es 0,8 Prozent [der Bevölkerung, die Golf spielen], Tendenz eher sinkend, weil sehr wenige der sehr vielen Immigranten ein Golfhandicap haben“ (S. 95). Dieser Satz ist absurd. Immigration hat wenig bis nichts mit der Entwicklung des deutschen Golfmarkts zu tun. Außer, dass eine Prozentzahl der Golfer im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung sinkt. Schaut man sich die absoluten Zahlen an, war nach dem kleinen aber konstanten Wachstum der letzten Jahre, die Zahl der Golfer in Deutschland 2018 zum ersten Mal rückläufig, um sich 2019 wieder zu stabilisieren.

Nach der Lektüre bleibt kein fader, sondern ein bitterer Nachgeschmack, weil die Gefahr besteht, dass das vom Autor offenbarte Menschen- und Weltbild in irgendeiner Weise auf unseren geliebten Sport abfärbt. Dass neutrale Nicht-Golfer durch die Lektüre abgeschreckt und kritische Mitmenschen Bestätigung für ihre Vorurteile finden.



Die Schlussfolgerung des Autors zur Frage wie nützlich Golfbücher seien – „Sie können sich also den Kauf eines Golfbuchs ersparen“ (S. 138) – gilt zuvorderst für sein eigenes Buch.

Wir empfehlen die Lektüre nicht und verweisen gerne auf die Leseliste Michael Basches: Die Front 9, der besten Golfbücher und die Back 9, der besten Golfbücher“.

„100 Dinge, die jeder Golfer wissen muss“ von Kurt Werner Zimmermann ist im Stiebner Verlag erschienen und für 14,90 Euro bei Amazon erhältlich.



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