Cows, Cans and Caddies im Mittleren Westen der USA
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Cows, Cans and Caddies im Mittleren Westen der USA

Jürgen Linnenbürger hat die schönsten und spektakulärsten "Public Courses" in Wisconsin besucht. Ein Reisebericht.

Links: Eine der beliebtesten Biersorten Wisconsins. Rechts: Caddies, die auf den Plätzen Pflicht sind. (Fotos: Jürgen Linnenbürger)
Links: Eine der beliebtesten Biersorten Wisconsins. Rechts: Caddies, die auf den Plätzen Pflicht sind. (Fotos: Jürgen Linnenbürger)

In den meisten Bundesstaaten der USA sind die bekanntesten Plätze Privatclubs und für Greenfee-Spieler nicht zugänglich. Anders ist dies in Wisconsin, wo neun der zehn Spitzenplätze ‚Public Courses‘ sind.

Deshalb entscheiden wir uns für einen Trip in den Badger State, den Dachsstaat. Wisconsin wird auch ‚America’s Dairyland’ genannt, denn dessen Käseproduktion nimmt in den USA die erste, die Milchproduktion hinter Kalifornien die zweite Position ein. Am häufigsten begegenen wir den ‚Spotted Cows‘ jedoch nicht auf Weiden sondern auf Bierdosen. Diese Sorte Bier wird nur in Wisconsin produziert und verkauft.

Unser Non-Stop-Flug führt uns von Frankfurt nach Chicago. Der Flughafen O’Hare liegt ca. 25 km nordwestlich der drittgrößten Stadt der USA. Die ‚Windy City‘ am Lake Michigan in Illinois ist der ideale Ausgangspunkt für unsere Golf-Ralley. Von hier starten wir in Richtung Nordwesten.

Verträumte Hauptstadt mit imposantem Kapitol

In Madison, der Hauptstadt Wisconsins, legen wir einen Zwischenstopp ein. Mit ca. 250.000 Einwohnern ist sie hinter Milwaukee die zweitgrößte Stadt des Bundesstaates. Besonders gut gefallen uns das State Capitol-Gebäude, das Uni-Gelände sowie die Haupt-Einkaufsstraße State Street.

State Capitol in Wisconsin's Hauptstadt Madison. (Foto: Jürgen Linnenbürger)

State Capitol in Wisconsin's Hauptstadt Madison. (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Nach vier Stunden entspannter Autofahrt durch das leicht hügelige Farmland erreichen wir das ‚Sand Valley Resort‘. Es liegt in ‚the middle of nowhere‘ in dem kleinen Örtchen Rome und ist das jüngste Projekt des Chicagoer Unternehmers Mike Keiser. Ihm zu verdanken sind auch die weltbekannten Resorts ‚Bandon Dunes‘ in Oregon, ‚Barnbougle‘ in Tasmanien und ‚Cabot Links‘ in Nova Scotia im Osten Kanadas.



Viel Spaß im größten Sandkasten Wisconsins

Wo sich ursprünglich ein prähistorischer Gletschersee befand, ist zwischen Wäldern und teils riesigen Sanddünen ein einzigartiges, ungewöhnliches Golf-Resort enormen Ausmaßes entstanden. Zwei spektakuläre 18 Loch-Plätze sowie ein außergewöhnlicher Par 3-Platz begeistern. Die Plätze sind äußerst hügelig und bieten immer wieder großartige Aussichten über das weite Gelände.

Das von Ben Crenshaw und Bill Coore entwickelte Lay-Out des ‚Sand Valley Course’ ( 2017 eröffnet) ist ebenso eindrucksvoll wie das des ‚Mammoth Dunes Course‘ (2018), für das der Schotte David McLay Kidd verantwortlich zeichnet.

Wasser gibt es ebenso wenig wie out of bounds. Man hat reichlich Platz und kann (fast) von überall weiterspielen. Das Schlägeraufsetzen im Sand wird nicht bestraft. Das Spielen auf den Plätzen soll Spaß machen. Hier wünscht man sich kein schönes Spiel sondern ‚have fun’. Gefragt sind nicht die längsten Drives, sondern die richtige Spielstrategie und Schlägerwahl. Diese sollen belohnt werden und Pars und Birdies ermöglichen.

Der ‚Sand Valley Course‘ ist der sportlich anspruchsvollere Platz, da etliche Fairways schmaler und die Grüns teilweise enorm buckelig sind. Auf dem ‚Mammoth‘ ist alles größer. Die Fairways haben zum Teil mehrere Landezonen und variieren ständig in ihrer Breite.

Bunker des Mammoth Dunes Courses im Sand Valley Resort. (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Bunker des Mammoth Dunes Courses im Sand Valley Resort. (Foto: Jürgen Linnenbürger)



Riesige waste areas und Bunker fallen in dem offenen Gelände ebenso ins Auge wie die ondulierten Grüns riesigen Ausmaßes. Das bekannteste hat die Form eines Bumerangs.

Boomerang Green auf dem Mammoth Dunes Course. (Foto: Sand Valley Resort)

Boomerang Green auf dem Mammoth Dunes Course. (Foto: Sand Valley Resort)

‚Sand Valley‘ (Par 72) wurde von Golf Digest und Golf Magazine als ‚Best new golf course - 2017‘ in den USA ausgezeichnet. Golf Magazine sieht den ‚Mammoth Course‘ (Par 73) als ‚Best new course of 2018‘. In 2019 rangieren sie bereits an den Positionen 18 bzw. 27 unter ‚America’s 100 Greatest Public Courses‘.

Die 17 Löcher des ebenfalls von Cranshaw/Coore designten Par 3-Platzes ‚The Sandbox‘ sind zwischen 40 - 140 yards lang und äußerst beliebt. Nicht nur auf ihm zocken die Buddies der vielen männlichen Golfergruppen um das eine oder andere Bier. Am ersten Tee findet man in einem ausgedienten Kanu diverse Getränke, die man eisgekühlt mit auf die Runde nehmen kann. Hochprozentiges Zielwasser wird ebenfalls am Start verkauft.

Die Hauptgebäude des Resorts sind von schlichter Eleganz und an die rauhe Landschaft angepasst. Sie bestehen ebenso wie die rustikalen Lodges und Cottages bis auf die Dächer aus Holz. Die funktional, modern eingerichteten Zimmer bieten viel Platz, bequeme Betten und große Bäder.

Hauptgebäude des Sand Valley Resorts. (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Hauptgebäude des Sand Valley Resorts. (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Destination Kohler - eine Welt für sich

Unser zweites Ziel ist eines der renommiertesten Golf-Resorts der USA. Die Community ‚Destination Kohler‘, liegt etwa eine Stunde nördlich von Milwaukee in der Nähe der Stadt Sheboygan. Herb (Herbert) Kohler Jr., Unternehmer und mehrfacher Millardär, ist der Enkel von John Michael Kohler, der 1854 im Alter von 10 Jahren aus Österreich in die USA immigierte. 1873 gründete dieser eine Fabrik, die Ursprung für die heutige Unternehmensgruppe mit ca. 38.000 Mitarbeitern weltweit ist.

Herb entwickelte einen Ort mit Wohnhäusern, Shops, Galerien und mehreren Hotels, von denen ‚The American Club‘ hervorzuheben ist. Es ist das einzige ‚Forbes Five-Star‘ und ‚AAA Five Diamond Resort-Hotel‘ im Mittleren Westen. Und er ließ vier Spitzen-Golfplätze bauen. Sein Ziel: das weltweit beste Golfresort mit 72 Löchern zu sein.

Martin Kaymer’s erster Major-Sieg

2010 haben wir einen der Resort-Plätze, aktuell die Nummer Drei unter ‚ America’s 100 Best Greatest Public Courses‘ in den USA (Golf Digest), bereits im TV bewundern können. Martin Kaymer gewann auf dem ’Whistling Straits Course’ im Stechen gegen Bubba Watson mit der PGA Championship spektakulär seinen ersten Major-Titel und die begehrte Wanamaker-Throphy.

Mehr als 1.100 Bunker auf dem Whistling Straits Course. (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Mehr als 1.100 Bunker auf dem Whistling Straits Course. (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Die Sandhindernisse nehmen auf dem 1998 eröffneten Par 72 Platz eine besondere Rolle ein. Mit mehr als 1.100 ist er der Bunker-Weltmeister. Sechs verschiedene Abschläge stehen zur Auswahl. Spielerisch und mental ist er eine echte Herausforderung.

Neben 2010 wurden hier die PGA Championship auch schon 2004 und 2015 sowie 2007 die U.S. Senior Open 2007 durchgeführt. In 2020 steht der Platz wieder im Mittelpunkt der Golf-Welt, wenn die USA im Ryder Cup auf Europa treffen. Das Merchandising im Pro Shop läuft bereits auf Hochtouren.

Das weitläufige Terrain sieht völlig natürlich und unbearbeitet aus. Doch der Schein trügt. Der äußerst hügelige Platz ist auf einem ehemaligen, total flachen Militär-Flughafengelände entstanden.

Insbesondere die Bahnen, die am Lake Michigan durch die hohe Dünenlandschaft verlaufen, faszinieren uns. Auch von den meisten anderen Löchern blicken wir auf den See. Es geht ständig bergauf und -ab. Viele Fairways sind hügelig und schräg. Trifft man sie nicht, benötigt man viel Glück, um aus dem Rough oder den riesigen Bunkerlandschaften wieder ins Spiel zurückzukommen. Auch die ondulierten Grüns haben es in sich.

Par 3 entlang des Lake Michigan. (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Par 3 entlang des Lake Michigan. (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Die Aussicht von der Terrasse des Clubhauses auf die 18. Bahn ist faszinierend.

Blick über das geteilte Fairway der 18. Bahn. (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Blick über das geteilte Fairway der 18. Bahn. (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Auch die drei anderen, ebenfalls von Pete Dye gestalteten Championship-Plätze des Resorts, sind hoch gerankt. Whistling Straits/The Irish nimmt in den USA aktuell Position 43, Blackwolf Run/The River Nr. 15 und Blackwolf Run/Meadow Valleys Nr. 57 unter den Public Courses ein.

Tradition trifft auf Eleganz

‚The American Club‘ begegnen wir mit Respekt. 1918 wurde das Gebäude ursprünglich als Unterkunft für Arbeiter der auch noch heute direkt gegenüberliegenden Fabrik gegründet. Kohler schuf für die europäischen Immigranten eine neue Heimat.

The American Club in Kohler. (Foto: Jürgen Linnenbürger)

The American Club in Kohler. (Foto: Jürgen Linnenbürger)

1981 wurde es nach einem mehrjährigen Umbau als Hotel eröffnet. Es zählt zu den Historic Hotels of America. Die noble Einrichtung im Tudor-Style, die edle Atmosphäre in den gediegenen Zimmern, die kunstvoll angelegten Blumenbeete der Gärten sowie das Dinner in dem traditionellen ‚Wisconsin Room‘ machen unseren Aufenthalt zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Deluxe Suite im The American Club. (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Deluxe Suite im The American Club. (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Die Anwendungen in dem in den USA hoch-dekorierten Kohler Waters Spa und der Besuch des Kohler Design Centers ( Bäder und Küchen) runden unseren großartigen Aufenthalt ab.

Einmalig für uns ist die Führung durch den naheliegenden, 2001 eröffneten privaten Club ‚Riverbend‘, einst Wohnhaus der Familie Kohler. Der General Manager öffnet uns die Türen in eine Welt, die sonst nur den ca. 300 Mitgliedern und ihren Gästen offen steht. Mehr Exklusivität und Privacy gehen nicht.

Privat-Club Riverbend in Kohler. (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Privat-Club Riverbend in Kohler. (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Deutsche Wurzeln in den USA

Von Kohler fahren wir Richtung Süden nach Milwaukee, das am Westufer des Lake Michigan liegt. Es ist die Stadt mit dem größten deutschen Einfluss in den USA. Über die Hälfte der ca. 600.00 Einwohner hat deutsche Wurzeln. Außerdem ist sie bekannt durch ihre zahlreichen Brauereien, ihre erfolgreichen Sportvereine und das beeindruckende Harley-Davidson Museum.

Harley Davidson Museum in Milw. (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Harley Davidson Museum in Milw. (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Sehenswert ist ebenfalls das moderne, von dem spanischen Stararchitekten Santiago Calatrava gestaltete, Milwaukee Art Museum. Auch das hippe Viertel ‚The Third Ward‘ ist ein must see. Dort findet man zahlreiche Boutiquen, Galerien und Restaurants, z.T. in restaurierten Lagerhallen. So auch die ‚St. Paul Fish Company’ im Public Market, die Seafood vom Feinsten bietet. Schön angelegt ist ebenfalls der River Walk entlang des Flusses.

Milwaukeee - River Walk. (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Milwaukeee - River Walk. (Foto: Jürgen Linnenbürger)

11.000 Jahre Platzvorbereitung

Die letzte Station unserer Golfreise liegt ca. 50 km nordwestlich von Milwaukee in dem Dörfchen Erin. Der hier 2006 eröffnete Erin Hills Platz befindet sich auf einer Moräne, die ein Gletscher der Eiszeit hinterlassen hat. Die Architekten Dr. Michael J. Hurdzan, Dana Frey und Ron Whitten haben das mehr als 260 Hektar große Terrain aus Geröll und Sand weitestgehend in seiner Ursprungsform belassen. Der Platz gilt als einer mit dem natürlichsten Lay-Out in den USA und nimmt unter ‚America’s 100 Greatest Public Courses’ ( Golf Digest) die Nummer Neun ein.

Erin Hills Golf. (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Erin Hills Golf. (Foto: Jürgen Linnenbürger)

2017 hat er für Furore gesorgt. Bei den ersten in Wisconsin ausgetragenen US Open gewann Brooks Koepka den Titel mit 16 unter Par. Damit stellte er den Rekord von Rory McIlroy aus dem Jahre 2011 der höchsten Unterspielung bei einer US Open ein. Üblicherweise bläst der Wind recht kräftig über den Platz. Nur an den Tagen der Open nicht. So erklärt sich auch der Score des Gewinners. Wir haben ebenfalls Glück, da sich der Wind in Grenzen hält.

Blick über das hügelige Gelände. (Foto: Erin Hills)

Blick über das hügelige Gelände. (Foto: Erin Hills)

Die 18 welligen Bahnen rollen bergauf und -ab durch das von Schräglagen dominierte Terrain. Von einigen extrem höher gelegenen Abschlägen genießt man einen großartigen 360 Grad-Blick über das flache, nicht endende Gelände und das sich im Wind wiegende Rough.Der Par 72-Platz ist sehr abwechslungsreich und sportlich herausfordernd. Die Aussicht vom 18. Tee weckt Heimatgefühle. Die hoch im Hintergrund thronende ‚Basilica of the National Shrine of Mary‘ auf dem Holy Hill erinnert uns an den Kölner Dom.

Blick über die 18. Bahn. (Foto: Erin Hills)

Blick über die 18. Bahn. (Foto: Erin Hills)

Der gerade eröffnete Flutlicht-‚Drumlin‘ Putting Kurs steht den Übernachtungsgästen offen. ‚The Logde‘ mit ihren elf Zimmern und dem ‚Irish Pub and Terrace‘ laden ebenso zu einem Verweilen ein wie das typisch amerikanische Gastronomieangebot im Hauptgebäude oberhalb des Platzes. Der Sonnenuntergang von dessen Terrasse ist einer der optischen Höhepunkte unserer Rundreise.

Erin Hills - Blick von der Terrasse des Clubhauses auf Caddie-Scheune, The Lodge und Starterhäuschen (rechts). (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Erin Hills - Blick von der Terrasse des Clubhauses auf Caddie-Scheune, The Lodge und Starterhäuschen (rechts). (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Wisconsin’s golf at its best

Die sportlichen Herausforderungen, die Lay Outs und der Pflegezustand der von uns gespielten Weltklasse-Plätze sind outstanding. Es gibt absolut nichts zu beanstanden. Für die stattlichen Greenfees wird höchste Qualität geboten. Doch es gibt, insbesondere in der Nebensaison, attraktive ‚Stay and Play Packages‘. Die Caddies, die auf allen gespielten Plätzen Pflicht sind, tragen üblicherweise zwei Bags. Unsere sind durchweg sympatische Typen, großartige Berater und jeden Cent wert.

Caddie-Scheune im Erin Hills. (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Caddie-Scheune im Erin Hills. (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Die Offenheit und Freundlichkeit der Menschen sowie der in den USA bekannt hohe Service-Level, auch außerhalb der Resorts, überzeugen uns. Wir kommen wieder, denn Wisconsin hat nicht nur weitere großartige Golfplätze, sondern weitaus mehr zu bieten. Details unter www.greatlakes.de. Vielleicht klappt dies schon in 2020, sofern wir Glück bei der Auslosung der Tickets für den Ryder Cup haben.