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Das Saisoneröffnungsturnier der LPGA Tour, das Hilton Grand Vacations Tournament of Champions, sollte planmäßig vom 29. Januar bis 1. Februar auf dem Golfplatz des Lake Nona Golf & Country Club in Orlando, Florida, ausgetragen werden. Ungewöhnlich kaltes und sehr windiges Wetter im „Sunshine State“ veranlasste die Turnierleitung jedoch dazu, die Finalrunde abzusagen.
Auf dem Golfplatz liefen zwei Turniere parallel. Zum einen wurde der LPGA-Saisonauftakt im 72-Loch-Zählspiel-Format ausgetragen, zum anderen fand ein Turnier mit den besten qualifizierten Amateuren aus dem unter der Woche gespielten Pro-Am-Wettbewerb statt. Jede Profispielerin wurde dabei mit zwei Prominenten oder Amateuren gepaart, wobei die prominenten Mitspieler in jeder Runde wechselten. Für die Prominenten und Amateure kam ein Modified-Stableford-System zur Anwendung.
Nelly Korda nutzt das Chaos und sichert sich ihren 16. LPGA-Titel
Obwohl sich Nelly Korda im Hauptturnier der LPGA am Samstag mit einer starken 64er-Runde und drei Schlägen Vorsprung an die Spitze des Leaderboards setzte, entwickelte sich die Organisation des weiteren Turnierverlaufs laut Beobachtern vor Ort zu einem Desaster. Acht Spielerinnen mussten ihre dritte Runde am Samstag aufgrund einsetzender Kälte und starker Winde vorzeitig abbrechen. Erst am Sonntagnachmittag konnten diese Spielerinnen ihre dritte Runde beenden. Damit sicherte sich Korda schließlich ihren 16. Titel auf der LPGA Tour. Amy Yang belegte mit drei Schlägen Rückstand den zweiten Platz, gefolgt von Brooke Henderson auf Rang drei.
Die Entscheidung über die vorzeitige Beendigung des LPGA-Turniers am Sonntag ließ seitens der Turnieroffiziellen jedoch lange auf sich warten und führte zu erheblicher Kritik an Vorgehensweise und Kommunikation. Der Finaltag in Orlando begann mit Tiefsttemperaturen um -4°C und Windböen von bis zu 24 km/h. Diese Bedingungen veranlassten die Verantwortlichen, den Start der Finalrunde mehrfach nach hinten zu verschieben, um möglichst optimale Spielbedingungen abzuwarten. Als die Temperatur lediglich auf 4°C anstieg, war für die Offiziellen schließlich klar, dass das LPGA-Turnier nicht fortgesetzt werden konnte – selbst wenn für den weiteren Verlauf des Montags höhere Temperaturen prognostiziert waren.
Nach Angaben der LPGA sei das Turnier nicht mehr spielfähig gewesen, da die niedrigen Temperaturen in Kombination mit den starken Winden dazu führten, dass die Bälle unkontrolliert über die Grüns rollten. Das Amateurturnier hingegen wurde bereits um 10 Uhr in Form einer Neun-Loch-Runde gestartet.
Unverständnis über unterschiedliche Behandlung
Vor Ort befand sich unter anderem die bekannte Golfjournalistin Beth Ann Nichols von der amerikanischen Zeitung Golfweek, die die Situation in den sozialen Medien einordnete. Seit 10 Uhr morgens hätten Journalisten im Presseraum auf Informationen gewartet, warum die Amateurspieler mehr als neun Löcher absolvieren durften, während die LPGA-Spielerinnen im Clubhaus auf eine Entscheidung über den Finaltag warteten. Selbst nach vier Stunden habe es seitens der LPGA keine neuen Informationen darüber gegeben, ob und wie das Turnier fortgesetzt werde.
„Nach Gesprächen zwischen den Regeloffiziellen, dem Turnierpersonal, den Partnern und dem Platzwartteam wurde beschlossen, das Hilton Grand Vacations Tournament of Champions 2026 auf ein 54-Loch-Turnier zu verkürzen“, hieß es am Nachmittag in einer offiziellen Erklärung der LPGA. Zudem wurde darauf verwiesen, dass die Wetterprognose für den folgenden Tag ähnlich ausgefallen sei und eine reguläre Beendigung über 72 Löcher verhindert hätte.
Aussagen über Bedingungen widersprechen sich
Trotz der eisigen Temperaturen waren nicht alle Beteiligten mit der Entscheidung einverstanden. Die schwedische Spielerin Annika Sörenstam, die im Rahmen des Amateurwettbewerbs antrat, erklärte gegenüber Golfweek, dass sie den Platz durchaus für bespielbar gehalten habe. „Ich verstehe nicht, warum nicht gespielt wird“, sagte Sörenstam. „Überall sind Pitchmarken. Ich meine, ich habe heute ein paar richtig gute Schläge gemacht, und der Ball ist sogar liegen geblieben. Ich bin überrascht. Es ist schwierig, es ist kalt, aber es ist so fair wie nur irgendetwas.“
Auch der ehemalige Tennisspieler und Amateur-Teilnehmer Mardy Fish meldete sich zu Wort und schilderte seinen Eindruck vom Platz am Sonntag: „Als ich gegen 9:00 oder 9:15 Uhr das Übungsgrün betrat, bevor ich mich aufwärmte, fühlte sich der Untergrund anders an. Es fühlte sich an, als würde ich auf Beton laufen.“
Die Chief Business and Operations Officer der LPGA, Ricky Lasky, äußerte sich ebenfalls zum Abbruch der Finalrunde. „Der Boden war extrem hart und beeinflusste die Flugbahn der Schläge beim Training“, erklärte sie mit Blick auf die Bedingungen gegen 10 Uhr, den ursprünglich geplanten Startzeitpunkt. Da Lasky erkannte, dass es ein schlechtes Bild abgebe, wenn prominente Amateure unter widrigsten Bedingungen neun Löcher spielen dürften, während die besten Spielerinnen der Welt im Warmen warteten, stellte sie die Unterschiede klar: „Es finden zwei verschiedene Wettbewerbe statt. Einer ist ein Modified Stableford, der andere ein Stroke Play. Jeder CME-Punkt zählt im Verlauf unseres Turniers. Wir wollten sicherstellen, dass der Wettbewerb auf Meisterschaftsniveau stattfindet, und hielten es deshalb für notwendig, ihn nach 54 Löchern zu beenden, um allen Teilnehmerinnen gegenüber fair zu bleiben.“
Kritik an Kommunikation der LPGA und schwindende Spannung im Damengolf
Beth Ann Nichols kritisierte die Entscheidung später in einem Beitrag auf X (ehemals Twitter). Sie sprach von einem enttäuschenden Turniertag und warf der LPGA mangelhafte Kommunikation vor. Die verspätete Stellungnahme habe die Verwirrung über Spielunterbrechungen und Absagen nur verstärkt und keine plausiblen Erklärungen geliefert – weder für den späten Wiederbeginn noch für den spielfreien Montag trotz akzeptabler Temperaturen. Die Verantwortung sei zu Unrecht dem Wetter zugeschoben worden, obwohl die Prognosen korrekt gewesen seien. Organisatorische Fehlentscheidungen und fehlende Transparenz erinnerten an frühere Pannen der LPGA. Am Ende hätten die Fans aufgrund der chaotischen Abläufe ein hochklassiges Golfevent verpasst.
Home now and reflecting on a truly disappointing day covering golf. This statement, posted well after play concluded, only added to the confusion.
The tour never gave a good explanation for why play didn’t resume for LPGA players prior to 2:15. Nor was there a good explanation… https://t.co/HH8cl8AEWe
— Beth Ann Nichols (@GolfweekNichols) February 2, 2026
Auch die amerikanische Profispielerin Danielle Kang äußerte in den sozialen Medien ihr Unverständnis. Sie kritisierte, dass es zunehmend zur Praxis werde, LPGA-Turniere unter vorgeschobenen widrigen Bedingungen zu verkürzen, wodurch diese an Spannung verlieren würden. Im Herren-Profisport auf der PGA Tour sei eine Spielverkürzung oder -absage stets die letzte Option, während sie bei der LPGA immer häufiger beobachte, dass vorzeitige Turnierabbrüche zur Normalität würden.