Der Weg ins Paradies führt am Golfplatz vorbei
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Der Weg ins Paradies führt am Golfplatz vorbei

Vitoria-Gasteiz und Logroño -  zwei Städte, zwei Regionen und zwei Leidenschaften: Golf und Wein.

Der Bau des Golfplatzes im Naturpark Izki wurde vom Provinzrat in Auftrag gegeben. (Foto: Izki Golf)
Der Bau des Golfplatzes im Naturpark Izki wurde vom Provinzrat in Auftrag gegeben. (Foto: Izki Golf)

Die Gegend um den Izki Nationalpark ist ein wahres Golfparadies. An der Grenze des südlichen Baskenlandes zur Region La Rioja, die in den alavesischen Bergen liegt, gibt es im Umfeld jeder noch so kleinen Stadt mehrere Golfplätze. Atemberaubende Landschaften und ein ebenso atemberaubender Reichtum an Weinen machen die Region zum „Vorgarten Eden“: kein Wunder also, dass hier ein Jakobsweg vorbeiführt.

Während La Rioja selbst Biertrinkern ein Begriff ist, wissen viele nicht, dass aus der baskischen Region Álava ebenfalls hervorragende Tropfen stammen. Dort heißt der „Viño“ allerdings „Ardo“ und auch sonst ticken die Uhren im Herz des Baskenlandes etwas anders. Die Bewohner sind stolze, teils dickköpfige Patrioten und gelten als traditionsbewusst und eigenwillig. Lange war das Leben in der bäuerlichen Region sehr hart. Jedes Dorf hat seinen Gründungstag und seinen Schutzpatron, die beide jährlich gern und ausgiebig gefeiert werden. Die Mentalität ist wie die Landschaft, rau aber ehrlich und leidenschaftlich. Und die Landschaft ist wie die Sprache, malerisch schön. Nördlich des Izki Nationalparks liegt die Stadt Vitoria-Gasteiz. Sie und nicht etwa Bilbao ist die Hauptstadt des Baskenlandes, das auf baskisch „Euskadi“ genannt wird.

Golf heißt auf jeder Sprache Golf

Vitoria-Gasteiz befindet sich inmitten der alavesischen Hochebene und wird Aufgrund des deutlichen Temperaturunterschiedes zum Rest der Region scherzhaft „Siberia-Gasteiz“ genannt. Im Vergleich zu deutschen Temperaturen ist es dennoch warm. Die Hauptstadt ist kulturell hochklassig ausgestattet. Neben ganzjährigen Besuchen von Kirchen und Museen, empfiehlt sich das internationale Festival de Jazz, das seit 1977 immer im Juli stattfindet. Ebenso interessant ist das Strassentheaterfestival KaldeArte, das immer im Juni durchgeführt wird. Zudem gibt es in Vitoria eine ungewöhnlich hohe Anzahl erstklassiger Restaurants, in denen vor allem die Spezialität der Stadt „Goxua“, ein Art Pudding, der mit Karamell überzogen und einer Schicht Sahne sowie einer Schicht Kuchenteig serviert wird, als Nachspeise empfohlen werden muss.

Wirklich erfolgreich ist die Basketballmannschaft der Stadt. Saski Baskonia ist Stammgast in der EuroLeague und war 2019 Gastgeber des Final-Four-Turniers um die Meisterschaft. Im kommenden Jahr wird das Finale in Köln stattfinden. Dass die begeisterten Fans aus der Baskenhauptstadt in die Metropole am Rhein reisen werden, um ihr Team anzufeuern, ist zu erwarten, immerhin verbinden die Städte seit geraumer Zeit wöchentlich mehrere Direktflüge.

Neben einer Urban Golf Anlage direkt im Zentrum der Stadt, finden sich im Umkreis von 30 Fahrminuten drei weitere Golfplätze: der GC Zuia, der GC Larrabea und vor allem Izki Golf, ein besonderer Club, der direkt im Naturpark entstanden ist.

Integiert in die Natur: Loch 18 des Izki Platzes. (Foto: Izki Golf))

Integiert in die Natur: Loch 18 des Izki Platzes. (Foto: Izki Golf)



Der Golfclup Izki besteht aus dem anspruchsvollen Campo Urturi 18-Loch-Platz und dem Campo Lagran, einem deutlich einfacheren 9-Loch-Platz, der sich sehr gut für die ersten Schläge eignet. Vielleicht ist es der baskische Geist, der Izki Golf für einen Platz in Spanien so ungewöhnlich macht: Er ist untypisch hügelig. Severiano Ballesteros war maßgeblich an der Verwirklichung des 1994 eröffneten Platzes beteiligt, der nicht als fremder Aufbau wahrgenommen wird, sondern sehr elegant in die natürliche Umgebung integriert wurde.

Für jeden Platz ist es wichtig, dass er bei Spielern unterschiedlichster Niveaus und Stile gut ankommt. Der Urturi-Platz ist so konzipiert, dass man ihn mit verschiedenen Taktiken erfolgreich spielen kann. Für Ballesteros war Izki etwas Besonderes: „Er ist der erste öffentliche 18-Loch-Platz Spaniens. Er ist zum Teil auf verlassenem Bauernland erbaut worden. Ich bin stolz darauf so etwas entworfen zu haben, wenn man bedenkt, was es für die regionale Wirtschaft und die Leute hier bedeutet“, sagte er über den Golfplatz Izki, den der alavesische Provinzrat in Auftrag gegeben hatte. Das Spektakuläre sei, dass man die Anlage als solche nicht wirklich wahrnehme. Die Natur der Umgebung steht im Vordergrund.

Dennoch bietet Izki Golf alles, was man von einem Golf-Komplex erwartet. Zwei Übungsplätze, eine Golfschule, ein gut sortierter Pro-Shop und natürlich eine ordentliche Bar. Aber Izki bietet noch mehr. Damit auch die Fauna von den Golfern und Besuchern besser wahrgenommen werden kann, wurden unter anderem so genannte „Birding Hides“ angebracht, die die Vogelvielfalt des Parks in die Nähe der Besucher lockt. In diesem Gesamtkonzept dürfen natürlich auch Trekking-, Wander- und Fahrrad-Angebote nicht fehlen sowie die Möglichkeit des Agrotourismus.

Seit einigen Jahren macht hier die European Challenge Tour Station, 2018 konnte der deutsche Christian Bräunig hier einen überzeugenden fünften Platz (-9) belegen, 2019 erreichte Alexander Kappe (-5) als bester Deutscher Rang 20.

So unterschiedlich die Kultur und Sprache nördlich und südlich der alavesischen Berge und des Izki Nationalparks auch sein mögen, auf beiden Seiten wird der schönste Sport der Welt „Golf“ genannt. An den südlichen Ausläufern Izki Nationalparks beginnt die Region La Rioja und vieles ändert sich wieder schlagartig. Hier, nur eine Autostunde von Vitoria-Gasteiz enfernt, liegt Logroño, die Hauptstadt der Region La Rioja.



Logroño liegt in der Ebro-Ebene, das Klima ähnelt dem zentralspanischen und ist von geringen Niederschlägen und heißen Sommern gekennzeichnet. Die Stadt liegt auf dem Camino Francés, dem beliebtesten aller Jakobswege. Unter Pilgern war die Bedeutung der Stadt im Mittelalter imens, da sie das Privileg des Flussübergangs verliehen bekam und eine steinerne Brücke über den Ebro baute. Der heute recht unscheinbaren Brücke sieht man es nicht an, aber sie veränderte die Stadt nachhaltig. Damals entstand das offizielle Motto: „la ciudad como el camino“ („Die Stadt richtet sich nach dem Wege“). Dafür, dass Logroño nur 150.000 Einwohner hat, gibt es eine unheimliche Fülle an Restaurants, Tapas-Bars, Hotels und Gästehäusern. Tourismus ist hier ein mittelalterliches Erbe. Gastfreundschaft hat also im wahrsten Sinne des Wortes: Tradition.

Auch sind etliche weltbekannte Weine hier zu Hause: Marqués de Cáceres, Don Faustino, Campo Viejo oder der außergewöhnliche Marqués de Murrieta und viele weitere. Bei einer Auswahl aus rund 18.000 Weingütern findet jeder einen Wein für seinen Geschmack. In der kleinen Altstadt kann man die Weine direkt in einer der unzähligen Bars probieren. Dazu sollte man unbedingt die Pinxchos probieren, eine größere Form der Tapas, die mit einem kleinen Spieß gehalten wird.

Das längste Par 5 Spaniens

Keine fünf Kilometer außerhalb der Stadttore von Logroño liegt der Golfclub El Campo de Logroño im Landschaftsgebiet „La Grajera“, das sich um einen See erstreckt. Neben dem 18-Loch-Platz bietet der GC einen 9-Loch Pitch & Putt Kurs. Der 18-Loch-Platz ist flach und offen. Seine Bahn 4 (Par 5) ist mit 619 Metern das längste Spaniens. Durch das Landschaftsgebiet „La Grajera“ und direkt am Golfplatz vorbei führt der Jakobsweg „Camino Francés“. Würde man ihn ein Stück weitergehen, käme man zum Rioja Alta GC, der um vier Seen herum in einer geschützten Naturlandschaft liegt. In anderer Richtung aber noch näher an Logroño liegt der spannende Sojuela GC, auf dem es vor allem auf technisches Spiel ankommt.

 

Blick vom Dach des Clubhauses auf die Range in Logroño. (Foto: GC Logroño)

Blick vom Dach des Clubhauses auf die Range in Logroño. (Foto: GC Logroño)

 

Insgesamt liegen beide Städte strategisch ideal für einen Golfurlaub in der Region. Es braucht nur eine Stunde von Vitoria-Gasteiz nach Logroño, Bilbao oder San Sebastian; von Logroño braucht es ebenfalls nur eine Stunde nach Pamplona oder Burgos.

„Golf und Wein“ ist ein Reisekonzept, dass zu keiner Region besser passt als zu dieser Top-Weinregion der Welt. Es geht darum, Natur und Kultur gleichermaßen zu genießen. Und darum, das Ende der Golfsaison durch eine Reise in diese wunderbare Golfregion so weit wie möglich hinauszuzögern.