Traumberuf Golfplatzarchitekt: Das sind die Aufgaben und Möglichkeiten
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Traumberuf Golfplatzarchitekt: Das sind die Aufgaben und Möglichkeiten

Christoph Städler, Präsident des Europäischen Verbandes der Golfplatzarchitekten verrät im Interview, was einen ausgezeichneten Golfplatz ausmacht und was die Herausforderungen an einen Architekten sind. 

Die Aufgaben und Herausforderungen eines Golfplatzarchitekten. (Foto: Christoph Städler)
Die Aufgaben und Herausforderungen eines Golfplatzarchitekten. (Foto: Christoph Städler)

Jede Runde Golf, ob gut oder schlecht, liegt in der Hand eines Golfplatzarchitekten. Christoph Städler, seit Mai 2019 Präsident des europäischen Verbandes der Golfplatzarchitekten, kennt sich nicht nur als erfolgreicher Amateurgolfer sondern auch als Architekt zahlreicher Golfplätze damit aus, was einen guten Golfplatz ausmacht. Im Interview mit Golf Post berichtet er über den Verband der Golfplatzarchitekten und worin die Pflichten und Herausforderungen eines Architekten beim Entwurf eines ausgezeichneten Platzes bestehen, damit er vielen Golfern möglichst viel Freude bereitet.

Christoph Städler im Interview

Golf Post: Herr Städler, Sie sind neuer Präsident des europäischen Verbandes der Golfplatzarchitekten. Erklären Sie uns, was dieser Verband so macht.

Christoph Städler: Das European Institut of Golf Course Architects (EIGCA) versteht sich als Interessenvertretung der qualifiziertesten in Europa tätigen Golfplatzarchitekten. Dabei spielt deren Nationalität keine Rolle, denn unter den derzeit 90 Mitgliedern aus 25 Ländern sind auch circa ein Dutzend außereuropäische Architekten vertreten. Zugelassen werden nur diejenigen Antragsteller, die ihre Qualifikation aufgrund umfassender Fachkenntnisse und anhand einiger bereits ausgeführter Golfprojekte nachgewiesen haben.

Zu den Hauptbetätigungsfeldern des EIGCA zählt die Ausbildung neuer Mitglieder, deren Umfang und Qualität weltweit führend ist. Weitere Kernaktivitäten entsprechen der Fortbildung unserer Mitglieder in allen relevanten Bereichen der Golfplatzarchitektur sowie der Zusammenarbeit mit allen wesentlichen Institutionen des Golfsports in Europa und der Förderung der wechselseitigen Beziehungen mit den Firmen und Dienstleistern der Golfbranche durch intensives Networking.

Golf Post: Für wie viele Golfplätze sind die Mitglieder des Verbandes verantwortlich? Und wie viele haben Sie gebaut?

Christoph Städler: Schätzungsweise dürften es sicherlich weit mehr als die Hälfte aller Golfplätze in Europa sein, die in den letzten 50 Jahren von Mitgliedern des EIGCA, beziehungsweise deren Vorgängerorganisationen erschaffen, seither grundlegend renoviert oder neu designed worden sind. Ich selbst zeichne für 45 neue Golfplätze in Deutschland und bin für weit über 100 grundlegende Renovierungen, Umbauten und Erweiterungen bestehender Golfplätze verantwortlich. Außerdem war ich auf über 20% aller deutschen Golfplätze planerisch und gestalterisch tätig. Dazu kommen noch einige Plätze in den Nachbarländern.

Christoph Städler, Präsident des European Institute of Golf Course Architects. (Foto: Christoph Städler)

Christoph Städler, Präsident des European Institute of Golf Course Architects. (Foto: Christoph Städler)

Golf Post: Gibt es einen Oscar für den schönsten Golfplatz? Zeichnen Sie die besten Plätze aus?

Christoph Städler: Nein, einen Oscar gibt es nicht. Auszeichnungen überlassen wir Dritten, zum Beispiel den Fachzeitschriften und ihren Panels. Bei aller Kollegialität oder gar Freundschaft sind wir zugleich doch auch Konkurrenten. Die Auszeichnungen der Kreationen einzelner Mitglieder könnten sich negativ auf den Geschäftserfolg der übrigen Mitglieder auswirken, was wir grundsätzlich vermeiden wollen.



Golf Post: Welchen Platz finden Sie persönlich am schönsten und warum?

Christoph Städler: Für mich persönlich gibt es nicht DEN schönsten Golfplatz, dafür gibt es zu viele großartige Plätze, die sich landschaftlich und gestalterisch zu stark unterscheiden. Ich teile die Plätze, die ich kennen gelernt habe und spielen durfte, in folgende Qualitätskategorien ein:

  • sensationell – muss man einmal im Leben unbedingt gespielt haben
  • herausragend – war jeden Cent des teuren Greenfees wert
  • großartig – würde ich jederzeit gerne wieder spielen
  • ganz ordentlich – hat Spaß gemacht
  • naja – ging so
  • unterdurchschnittlich – verbesserungsbedürftig
  • mangelhaft – dringend verbesserungsbedürftig

Innerhalb dieser Kategorien stelle ich kein persönliches Ranking auf.

So unterscheidet sich ein durchschnittlicher von einem Top-Architekten

Golf Post: Was macht ein Projekt für Sie besonders spannend? Woran hat ein Golfplatzarchitekt besonders viel Spaß?

Christoph Städler: Bei Neubauprojekten reizt es mich besonders, wenn das verfügbare Gelände in landschaftlicher und sportlicher Hinsicht das Potenzial für einen optisch attraktiven und sportlich-strategisch abwechslungsreichen Golfplatz bietet. Das wichtigste Qualitätskriterium eines Golfplatzes insgesamt und auch das der einzelnen Golfbahnen, nennt sich im angelsächsischen „memorability“ und bedeutet in diesem Fall die Erinnerungsfähigkeit eines Spielers an die ungewöhnliche, individuelle Gestaltung der Golfbahnen schon nach einer einzigen Golfrunde. Dieses Ziel zu erreichen unterscheidet einen Top-Golfarchitekten von einem durchschnittlichen.

Dazu kann er entweder die vorhandenen natürlichen Ausstattungsmerkmale, wie die Topografie und Vegetation spiel-strategisch und anspruchsvoll in sein Design integrieren oder er muss sie durch Erdbewegungen und Vegetationsmaßnahmen erschaffen. Dabei gilt es, Spielelemente so zu arrangieren, dass sich sowohl die guten Spieler vor attraktive Aufgaben gestellt sehen, zugleich aber die schwächeren Spieler sich nicht überfordert fühlen und den Spaß am Golf verlieren. Dies ist jedoch ein Spagat, der nur wenigen Golfarchitekten gelingt. Bei Umgestaltungs- und Renovierungssprojekten reizt es mich besonders, die objektiv vorhandenen Schwächen eines Golfplatzes zu beheben, das unausgeschöpfte Potenzial zu nahe liegenden Verbesserungsmaßnahmen zu nutzen und gewissermaßen aus einem ungeschliffenen Rohdiamanten einen Brillanten entstehen zu lassen.

Der Bau eines Golfplatzes. (Foto: Christoph Städler)

Der Bau eines Golfplatzes. (Foto: Christoph Städler)



Golf Post: Wo muss sich ein Golfplatzarchitekt zurücknehmen, um den Spielern auch ein Mindestmaß an Spaß zu gewähren?

Christoph Städler: Bei allem Verständnis für die Bemühungen mancher Designer, die der Golfwelt demonstrieren möchten, mit welchem Waffenarsenal an Schwierigkeiten sie in der Lage sind, ihren Golfplatz auszustatten, um ihn gegen niedrige Scores von Spitzenspielern zu verteidigen: Alle Golfplätze sollten stets für Spieler mit höherem Handicap noch fair und ohne Überforderung zu bewältigen sein. Das betrifft die Mehrheit aller Spieler. Wenn man diesen Spielern die Spielfreude raubt, wechseln sie im besten Fall zu einem Club mit einem leichter zu bewältigenden Golfplatz oder geben im schlechteren Fall das Golfspiel auf. Bei rückläufigen Golferzahlen würden wir Architekten uns durch unangemessene Designs selbst den Ast absägen, auf dem wir sitzen. Wir müssen den Spielern deshalb durch eine sinnvolle Hindernisplatzierung und passend gestaffelte Abschläge die Gelegenheit zu einer erfolgreichen Bewältigung jeder Bahn bieten.

Platzpflege und Course-Set-Up - Entscheidende Faktoren

Golf Post: Fluchen Sie auch manchmal über einen Platz, wenn Sie schlecht spielen?

Christoph Städler: (lacht)
Grundsätzlich fluche ich nicht über das Design, auch wenn es noch so verkorkst ist. Wenn mir Schläge misslingen, bin ich allein daran schuld und nicht der Architekt. Wenn allerdings die Platzpflege oder das Course-Set-Up mangelhaft sind, wenn man beispielsweise nach einem Spitzenschlag seinen Ball in kniehohem Kraut verliert, man Steckschüsse in falsch befüllten Bunkern erlebt oder wenn die Grüns holprig und unkontrollierbar zu putten sind, kommt es schon mal vor, dass mir ein Fluch herausrutscht. Doch angesichts des inzwischen sehr hohen Greenkeeping-Standards in Deutschland, kommt das nur noch sehr selten vor.

Golf Post: Was macht einen Platz aus, der einen eigenen Charakter hat?

Christoph Städler: Zunächst einmal sollte meines Erachtens jeder Golfplatz so in das natürlich vorhandene Landschaftsbild eingefügt werden, dass es stimmig und harmonisch wirkt. Des weiteren sollten die Bahnen möglichst individuell gestaltet sein und dadurch einen hohen Grad an "memorability" haben, wie zuvor schon erwähnt. Schließlich, und das ist für die Qualität sehr entscheidend, sollte die Formensprache aus einem Guss sein, zum Beispiel der Stil der Bunker, der Abschlagskomplexe und der Grünskomplexe.

Ein Golfplatz mit

Ein Golfplatz mit "memorability". (Foto: Christoph Städler)

Golfplätze in Deutschland

Golf Post: Wie sehen Sie den durchschnittlichen deutschen Golfplatz? Sind die Plätze insgesamt eher Durchschnitt, eher langweilig oder eher gut?

Christoph Städler: Ich würde sagen, dass circa ein Drittel aller deutschen Golfplätze die Note „gut“ oder gar „sehr gut“ verdienen. Ein weiteres Drittel erhält die Note „befriedigend“ und das restliche Drittel die Note „ausreichend“. „Mangelhafte“ Plätze gibt es nur sehr wenige. Unter den Plätzen mit befriedigend oder ausreichender Note gibt es allerdings zahlreiche, die in den Boom-Jahren der 80er und 90er Jahre mit deutlichen Mängeln designed wurden und ein erhebliches Verbesserungspotenzial besitzen. Insbesondere gibt es heute noch etliche Plätze, deren Grüns und Abschläge nicht dem heutigen Stand der Bautechnik entsprechen und eine suboptimale Spielqualität bieten. Diese sollte über kurz oder lang renoviert werden. Auch sollte die Position der Bunker oder Abschläge dahingehend überprüft werden, ob sie den heutigen Schlaglängen entsprechen und ob man sie nicht besser umplatzieren sollte.

Golf Post: Wie können die Golfarchitekten dazu beitragen, dass wieder mehr Spieler mit dem Golfsport beginnen?

Christoph Städler: Die Kernpunkte sind "mehr Spaß" und "kürzere Spieldauer". Wir Architekten sollten dazu beitragen, kürzere Plätze zu schaffen, die mit geringerem Zeitbedarf und ohne übermäßige sportliche Schwierigkeitsgrade fair und mit Spielfreude zu bewältigen sind. Auch sollte die Bauqualität der Spielflächen so gut sein, dass auch im Winterhalbjahr nahezu reguläre Spielbedingungen herrschen. Die dadurch bewirkte Saisonverlängerung sorgt für eine höhere Zufriedenheit der Mitglieder und für höhere Greenfee-Einnahmen, also für eine höhere Wirtschaftlichkeit der jeweiligen Golfanlage.

Golf Post: Herr Städler, wir danken ganz herzlich für das Gespräch!



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