Fest steht: Golf hat noch nie mit den Entwicklungen der Kommerzialisierung mitzuhalten versucht.
Die Geschichte hat damit begonnen, dass der saudische Staatsfonds vor zwei Jahren aus seinen enormen finanziellen Ressourcen zwei Milliarden Dollar bereitstellte, um eine neue Turnierserie zu lancieren - die LIV Golf.
Und so könnte sich bereits die Frage stellen, ob ein Golf-Krieg ausgebrochen wäre.
Denn mit dem schnöden Haufen Geld ging es einzig darum, der amerikanischen PGA Tour mit Beträgen in Millionenhöhe - also Handgeldern - namhafte Spieler abzuwerben. Bei den Aufsichtsbehörden löste dies harsche Reaktionen aus, und bei den Spielern Existenzangst und Zukunftssorgen - notabene Weltklassegolfer.
Abtrünnige Spieler, die den saudischen Lockrufen folgten, wurden von Turnieren in den USA und von der in Europa ansässigen Parallelserie DT World Golf Tour ausgeschlossen und mit Strafen belegt. Einige von ihnen zogen vor Gericht. Langjährige Freundschaften gingen in die Brüche.
Nun kam kürzlich die überraschende Nachricht, dass der Streit beendet sei, die beiden Konfliktparteien hätten sogar fusioniert. Und die Ungewissheit über die Zukunft des Spitzengolfs schien damit gebannt. Doch am US Open, das seit Donnerstag auf der Anlage des exklusiven Los Angeles Country Club stattfindet, wirkten die Spieler nicht erleichtert - eher irritiert. Dieser Event wird vom neutralen amerikanischen Golfverband ausgerichtet und gehört zu den wenigen Turnieren, an denen Pros beider Fraktionen teilnehmen können.
Der Spanier Jon Rahm sagt: "Auf viele Fragen haben wir noch immer keine Antwort." Das kann belasten, gerade im Umfeld eines so wichtigen Turniers wie das US Open. Und so fügt Rahm an: "Ich versuche, so wenig wie möglich darüber nachzudenken."
Niemand vermag zurzeit zu sagen, wer bei der Fusion die Verlierer und wer die Gewinner sind. Alan Shipnuck, einer der profiliertesten Golf-Journalisten, zog aus der Faktenlage einen simplen Schluss. Er schrieb auf Twitter: "Um es höflich zu sagen: Der saudische Investmentfonds hat die PGA Tour gekauft."