Now on the tee: Thomas Rosenmüller

Nachdem er sich mit einem Platzrekord in der Final Stage der Qualifying School die Karte für die KornFerry Tour gesichert hat, gibt Thomas Rosenmüller Vollgas in den USA, seiner Wahlheimat. Ziel: die PGA-Tourkarte.

am 22. Dec 2021 um 08:03 Uhr von Claudia Salowski

Now on the tee: Thomas Rosenmüller

Der Golfcourse, dessen Trainingsgelände Thomas Rosenmüller derzeit in Texas zur Saisonvorbereitung nutzt, ist nur wenige Minuten von seiner „alten Hood“ entfernt – mit 18 Jahren, kurz nach seinem Erfolg als German Boys-Sieger und Europameister, ging er im nahegelegenen Denton an die University of North Texas, wo er vier Jahre lang studierte. Seine Verbindungen in der Gegend sind auch heute noch aktiv, und so ist es kein Wunder, dass er sich hier immer noch zuhause fühlt.

Dass sich Thomas Rosenmüller für den „American Way“ entschieden hat, was seine weitere professionelle Karriere im Golf angeht, hat verschiedene Gründe, war jedoch zunächst gar keine so einfache Wahl. Nach seinem hervorragenden Ergebnis bei der Big Green Egg German Challenge powered by VcG im Wittelsbacher Golfclub, vor allem am Finaltag, hätte es zwei Optionen gegeben: Thomas hätte sich für den europäischen Weg entscheiden können, was bedeutet hätte, in noch zwei verbleibenden Turnieren zwei Top-10-Platzierungen erzielen zu müssen, um eine Chance auf die letzten drei Turniere der Saison zu haben, unter anderem auch das Challenge Tour Grand Final. Unwahrscheinlich war das nicht, gerade wenn man seine herausragende Form bei der German Challenge in Betracht zieht. Ein Risiko besteht jedoch im Golf nun mal immer, und gerade das Set-up europäischer Plätze ist nicht das, was Thomas bevorzugt. Doch dazu gleich mehr.

„Zwei Schläge besser am Finaltag der German Challenge, und es wäre klar gewesen, dass ich in Europa bleibe. Zwei Schläge schlechter, und es wäre klar gewesen, dass ich in die Staaten gehe. So musste ich jedoch noch mal gut überlegen, was jetzt am sinnvollsten ist.“

Die zweite Option, für die Thomas sich dann nach Beratungen mit seinem Heimtrainer Ken Willams und auch mit Bundestrainer Ulli Eckhardt entschieden hat, lautete: Qualifying School für die Korn Ferry Tour. Bereits mit dem Erreichen der Final Stage hat man hier seine Mitgliedschaft sicher, was eine hervorragende Ausgangsbasis ist. Und es gibt noch weitere Punkte, die – jedenfalls für Thomas Rosenmüller – für die USA sprechen.

„Die amerikanische Kultur ist sehr stark auf Sport aufgebaut. Egal wie schlecht es den Leuten hier gehen mag, Sport ist das, woran sie sich wieder hochziehen können.“

Zu dem, was jährlich bei den Waste Management Phoenix Open abgeht, kann man durchaus unterschiedlicher Meinung sein, und nicht umsonst wird dieses Turnier als „the greatest show on grass“ bezeichnet. Wenn an Loch 16, einem Par 3 mit echter Stadionatmosphäre, abgeschlagen wird, gleicht das eher der Geräuschkulisse eines American-Football-Spiels. Für manche europäischen Golfbegeisterten mag das seltsam anmuten, für Thomas Rosenmüller ist das einer der Faktoren, die den besonderen Stellenwert des Golfsports in den Vereinigten Staaten verkörpern.

„Auf den Glasplattengrüns in den Staaten geht der Ball rein, wenn er auf der Linie ist und die Geschwindigkeit passt. In Europa sind Golfplätze durch die klimatischen Bedingungen sehr oft gehandicapped, sodass auch manchmal gute Putts nicht belohnt werden .“

Der dritte Grund, warum Thomas Rosenmüller in den USA so happy ist, liegt schlicht am bereits angedeuteten Unterschied, den für ihn das Set-up und Design sowie der Pflegezustand der Golfplätze macht, gleiches gilt für die Trainingsbedingungen und insgesamt auch für die Art und Weise, wie Golf in den USA gespielt wird. Als Thomas im Interview berichtet, dass die eher schlechteren Trainingsbälle auf der Range immer noch Titleist-Bälle und ProV1 eher der Standard als die Ausnahme sind, bin ich schon ein wenig neidisch. Doch damit nicht genug: Auf vielen Plätzen werden die Grüns mit der Hand gemäht, und das verwundert auch gar nicht, wenn man weiß, dass die Philosophie in den Staaten eben eine ganz andere ist. Da wird nicht, berichtet Thomas, einfach wild auf Fahnen gespielt, sondern eher auch mal defensiver von den Fahnen weg, Richtung Mitte des Grüns. Die Grüns sind meistens erhöht und gut durch Bunker und Hindernisse geschützt, zudem möchte man nicht auf der kurzen Seite verfehlen, wenn die Grüns so hart und schnell sind. Das Talentlevel im Golf ist so hoch und so dicht beieinander, dass es eine echte Herausforderung ist, hier zu bestehen.

Dass seine Putting Skills deutlich besser geworden sind, hat Thomas übrigens auch in seiner deutschen Golfheimat Eichenried festgestellt, einem der Plätze, auf denen die Grüns tatsächlich auch eher nach seinem Geschmack, also recht schnell sind. In der nun startenden Saison wird er jedenfalls um die nach dem Winter noch eher langsamen Grüns beispielsweise auf Turnieren in Skandinavien herumkommen, mit denen er sich, wie er sagt, im letzten Jahr noch eher schwer getan hat. Aktuell nutzt er in den Staaten auch die vielfältigen Trainingsmöglichkeiten in den Bereichen Fitness und Verletzungsvorbeugung und -vermeidung. Ich wage zu behaupten, dass eine Vielzahl an Däumchen hier in Deutschland gedrückt sein wird, wenn Thomas im Januar auf den Bahamas in die Saison der Korn Ferry Tour startet.

Claudia Salowski

Claudia Salowski

Golf-Park Winnerod

Hallo, ich bin Claudia Salowski, Beraterin, Trainerin und Coach in der freien Wirtschaft, Autorin diverser Fachbücher sowie Mentaltrainerin im Leistun...

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