Now on the tee: “The Officer” Alex Knappe

Drei schwere Jahre nacheinander hat Alex Knappe gerade hinter sich, in denen er jeweils haarscharf an der vollen Spielberechtigung auf der European Tour, jetzt DP World Tour, gescheitert ist. Aber Golf ist nun mal sein Traum, und 2022 gibt er wieder alles.

am 08. Dec 2021 um 08:23 Uhr von Claudia Salowski

Now on the tee: “The Officer” Alex Knappe

2019 hat er das Challenge-Tour-Finale und damit die Chance, um die European-Tour-Karte zu spielen, um wenige hundert Euro Preisgeld verpasst, 2020 die TOP 5 im Finale um einen Schlag. Durch den Ausfall der Qualifying School gab es dann auch nicht die Möglichkeit, sich über diesen Weg die volle Spielberechtigung zu sichern. In diesem Jahr – und ich kann mich gut erinnern, dass ich besonders die Daumen gedrückt habe, als wir ein paar Tage vor dem Challenge Tour Grand Final auf Mallorca, bei dem ich vor Ort war (siehe Blogartikel vom 4.-7. November 2021), noch im Kontakt waren – hat Alex Knappe das Finale um zwei Ranglistenplätze verpasst. Für diejenigen Leserinnen und Leser, die sich vielleicht nicht so intensiv mit dem Tourbetrieb beschäftigen: Eine niedrigere Kategorie bedeutet, dass man sich sehr intensiv und frühzeitig um Startmöglichkeiten bei Turnieren kümmern muss, und selbst dann ist nicht gesagt, dass man spielen darf. Und nicht spielen bedeutet für Profis: Keine Chance auf Preisgeld, keine Chance auf Ranglistenpunkte, keine Chance, sich potenziellen Sponsoren zu präsentieren. Stattdessen Frust und noch mehr harte Arbeit.

Aber Alex Knappe gibt nicht auf. Seit er als kleiner Junge Tiger Woods im TV gesehen hatte, wusste er: Das will ich auch. Er wollte Profigolfer werden. Die Videokassette mit Tigers erstem Masters-Sieg hat er sich mindestens zwanzig Mal angeschaut. Der Golfplatz war der Treffpunkt seiner Kindheit, erzählt er mir im Interview. Im GC Brilon hat er schon als Dreijähriger eine Menge Zeit verbracht, da war der Platz gerade erst gegründet worden, seine Eltern waren mit von der Partie. Im Alter von etwa fünf Jahren hat er mit seinen Freunden jeden Tag auf dem Golfplatz verbracht, sie spielten allerdings eher Fußball oder sammelten Bälle, irgendwann begannen sie aber auch selbst, das Golfspielen zu lernen. Weil seine Freunde alle älter waren als er, musste er sich besonders anstrengen. Um seine Chancen zu kämpfen, das hat Alex Knappe also schon früh gelernt. Fußball und auch Skispringen, das er noch parallel betrieben hatte, hängte er schließlich an den Nagel, als für ihn mit 12 Jahren feststand, dass er das gleiche machen will wie Tiger Woods.

„Was es bedeutet, Profi zu sein, merkt man erst, wenn man Profi ist.“ Diese Erkenntnis bewegt Alex nach wie vor, auch wenn er sagt, dass es die Generationen vor ihm sicher noch schwerer hatten. Besonders frustrierend sei es, wenn man hart arbeitet in allen Bereichen, die der Profisport so mit sich bringt, und dennoch die angestrebten Ergebnisse ausbleiben. Das hat, so räumt er ein, allerdings nicht nur mit dem rein sportlichen Bereich zu tun. Ein gutes, stabiles Umfeld mit idealerweise einem Team von Unterstützer*innen in unterschiedlichen Bereichen ist aus seiner Sicht sehr wichtig. „Es hilft enorm, wenn du dich als Sportler zu einhundert Prozent auf dein Training fokussieren kannst.“ Er habe vieles immer selbst gemacht, beispielsweise bespielt er derzeit seine Social-Media-Kanäle sehr intensiv, und das kostet natürlich Zeit, die er nicht für Training oder Erholung einsetzen kann. Denn auch das ist wichtig: „Du brauchst ja auch Ruhe und Konstanz im Leben. Nach Hause zu kommen und alles vorzufinden, das ist einfach die optimale Ausgangssituation, um dann gestärkt wieder ins nächste Turnier zu gehen.“ Alex Knappe liebt diesen Wettbewerb, die Competition im Turnier. Das Adrenalin ist etwas ganz besonderes für ihn. Außerdem ist er gerne in der Natur, und so entschädigt ihn das Golfspiel für das, was diese Sportart für Profis eben auch bedeutet: viel reisen, selten länger an einem Ort, was sich natürlich auch auf die Sozialkontakte auswirkt. Er stimmt mir zu, als ich aus einer Unterhaltung zitiere, die ich auf Mallorca mit seinem Kollegen Marcel Schneider hatte, der meinte, ein ganz wichtiger Faktor sei auch der Caddie, denn immerhin verbringt man, sofern das nicht deckungsgleich ist, mit dieser Person mehr Zeit als mit dem Partner oder der Partnerin.

Was mich natürlich brennend interessiert, ist, wie es zu seinem Spitznamen „The Officer“ kam. Alex erzählt, dass Stephan Gross ihm den verpasst hat auf seinem ersten Nationalkader-Lehrgang. Da war er 14, und sie waren in Italien zum Trainingslager, konnten an jenem Tag aber nicht trainieren, weil der Platz durch starken Regen unter Wasser stand. Als sie beim Einkaufen waren, entdeckte Alex ein paar Softkugelpistolen, die wurden kurzerhand gekauft und eingepackt, und die Jungs hatten zurück auf dem Trainingsgelände ihren Spaß damit. Als nach etwa zwei Stunden seine Kollegen keine Lust mehr hatten, ließ Alex sich jedoch davon nicht abhalten und spielte alleine weiter, visierte Ziele an und sammelte am Ende gewissenhaft und ordentlich alles ein. Ab diesem Zeitpunkt hatte er seinen Spitznamen weg, und alle, die die Geschichte kennen, nennen ihn bis heute so. Mittlerweile hat sich „The Officer“ sogar schon bis zu den Kollegen auf der Tour herumgesprochen. „Ich würde ja gerne was mit diesem Spitznamen anfangen, auch wenn er nur in Teilen passt. Klar bin ich diszipliniert und so, aber ich bin gar nicht so streng und penibel, und ich kann auch ganz entspannt sein.“ Das kann ich nur bestätigen, das war eines der entspanntesten Interviews, die ich in den vielen Jahren, die ich schreibe, führen durfte – herzlichen Dank!

Claudia Salowski

Claudia Salowski

Golf-Park Winnerod

Hallo, ich bin Claudia Salowski, Beraterin, Trainerin und Coach in der freien Wirtschaft, Autorin diverser Fachbücher sowie Mentaltrainerin im Leistun...

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