Beginnen möchte ich mit der Antwort auf die Frage meines persönlichen Supportes: Warum bringt die (reiche) Schweiz nicht mehr Golfer an die Spitze? Jeremy Freiburghaus hat sich nun qualifiziert und lässt sich in der NZZ vom Mittwoch dahingehend zitieren, dass er dem Golfen das Elitäre nehmen möchte. Dieses Zitat steht in Zusammenhang mit der Medienkonferenz im GC Domat/Ems, es wird aber leider nur als beiläufig bezeichnet. Wichtig ist ebenso seine Aussage: "In Schweden geht man Golfen, wie wenn man mit Kollegen bowlen geht. Deshalb ist die ganze Bevölkerung interessiert am Sport. Wenn wir in Mitteleuropa mehr in die Richtung gehen könnten, hätten wir mehr Top-Spieler."
Sein Vater Philippe ist Teaching Pro in Domas/Ems. Er hat seinen Sohn auch trainiert, sagt aber: "Ich war zuerst sein Vater, dann erst sein Coach." Jeremy Freiburghaus gelang kürzlich die Qualifikation für die DP World Tour. Seit gut 20 Jahren ist er der erste Golfer der Schweiz, der auf diesem Niveau spielt. Bereits als Kind nahm der Vater den Sohn und seine jüngere Schwester mit auf den Golfplatz. Mit 14 Jahren zählte Jeremy schweizweit zu den Besten seines Jahrgangs. Der Vater erzählt, dass er schon zu diesem Zeitpunkt nur noch Golf habe spielen wollen. Jeremy Freiburghaus schloss trotzdem eine Berufslehre als Informatiker ab.
Vor drei Jahren entschied er sich, den Schritt zum Profi zu wagen. Er wollte sich nur noch auf den Sport konzentrieren. Am Ende des ersten Profijahres stand er bereits auf dem zweiten Platz der Challenge Tour. Gemäss Aussage seines Vaters liegt der Grund für seinen Aufstieg in dessen hoher Disziplin. Er gibt sich aber auch charmant, bleibt aber sehr schwer fassbar. Mit dem Aufstieg in die DP World Tour muss Freiburghaus sein Team vergrössern: Ein Caddie, der in der bisherigen Tour optional war, ist nun fester Bestandteil des Teams. Den Job wird der Engländer Dan Clark übernehmen. Dieser hat bereits Erfahrung in der DP World Tour.
Damit wird die neue Saison teurer; Freiburghaus ist auf mehr Sponsorengelder angewiesen. Er rechnet mit einem Budget von ungefähr 150`000 CHF. Sein Ziel ist, dass er im neuen Jahr mit Sponsorengeldern die Saison finanzieren könne, denn damit sei der finanzielle Druck weg. Den Druck, der auf ihm lastet, versucht Freiburghaus sich nicht anmerken zu lassen. Er betont mehrmals die Freude, die ihm das Golfen gebe. Immer wieder schwärmt er von seiner Heimat, dem Bündnerland, wo er aufgewachsen ist. Hier kann er sich vom Turnieralltag erholen. Doch vorerst geht es weiter: Ende November ist Freiburghaus für einzelne Turniere nach Südafrika gereist.