Ein Blick auf Golf anno 2050: Destinationssport der Spaßgesellschaft
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Ein Blick auf Golf anno 2050: Destinationssport der Spaßgesellschaft

Fiktion oder Vision? Der Club hat sich überlebt; wir fahren in den Golfurlaub wie zum Skilaufen; Lage zählt, ist aber nicht alles.

Ein Blick in die Ferne. Um genauer zu sein, ins Jahr 2050. (Foto: Getty)
Ein Blick in die Ferne. Um genauer zu sein, ins Jahr 2050. (Foto: Getty)

Wir befinden uns im Jahr 2050 n. Chr. Ganz Deutschland ist von der Spaßgesellschaft besetzt ... Ganz Deutschland? Nein! Einige von unbeugsamen Golfern besetzte Clubs hören nicht auf, dem Zeitgeist Widerstand zu leisten… Klingt nach Asterix, nicht wahr? Wir haben ein bisschen „geklaut“, beim berühmten Gallier, es passt so schön. Während alle Welt zu Beginn des neuen Jahres auf die kommenden zwölf Monate schaut, soll dies ein Blick ganz weit nach vorne sein. Eine Fiktion natürlich; ganz unrealistisch allerdings ist es gar nicht, wenn man nicht ausschließlich durch die rosarote Brille in die Zukunft des Golfsports hierzulande schaut.

Golf als Urlaubsaffäre

Golf in 31 Jahren also. Das Spiel ist weitgehend zum Destinationssport geworden, zur Urlaubsaffäre. Es wird betrieben wie heuer das Skifahren, das Tauchen oder das Surfen. Der Mensch sucht sich reizvolle Ziele, reist dorthin und golft. Vielleicht taucht und surft er nebenbei auch. In einem sozusagen. Aus dem Wochenalltag hingegen ist Golf nahezu gänzlich verschwunden; es wird irgendwo, irgendwie gerade noch genug getan, um halbwegs in Schwung zu bleiben. Für die zwei, drei besonderen Wochen des Jahres, für die kleinen Auszeiten zwischendurch.

Weniger Mitglieder für steigende Kosten

Derweil halten sich allenfalls in den Speckgürteln der Metropolen einige Traditionsclubs. Sie haben ihre Klientel, die bereit ist, einem schwindenden Mitgliederbestand im Wortsinn Rechnung zu tragen und für ein sportliches Wohnzimmer mit geselliger Ausrichtung etwas tiefer in die Tasche zu greifen. Einen wohlmanikürten Golfclub bereit zu stellen, das kostet hierzulande halt einiges Geld. Künftig eher mehr, denn weniger. Betriebs- und Personalkosten werden jedenfalls gewiss nicht schrumpfen. Da kann reflexhaft nach preiswerten Golfmöglichkeiten schreien, wer will.

Niemand braucht prophetische Gaben, um zu erkennen, dass die Zugänge aus den geburtenstarken Jahrgängen von 1955 bis 1969 endlich sind. Folglich müssen künftig halt weniger Mitglieder die steigenden wirtschaftlichen Lasten stemmen.

Nach den „Best Agern“ ...

Bislang hielten die „Baby Boomer“ den Pegel der organisierten Golfer in Deutschland halbwegs im Lot. Zur Erinnerung: 63,7 Prozent der Clubgolfer gehören zur Altersgruppe 50+; als „Best Ager“ und „Empty Nester“ – die Kinder sind aus dem Haus – haben sie sich spätesten mit Beginn des beruflichen Kürzertretens diesem komplexen Spiel namens Golf verschrieben oder reanimieren, was aus beruflichen und familiären Gründen vorher zu kurz kam.



Doch 0,3 Prozent Zuwachs, wie sie der Deutsche Golf Verband für das Jahr 2017 ermittelt hat, sind – sorry, DGV – keine „stabile Entwicklung“, sondern de facto eine Marginalie des Stillstands. Mal abwarten, wie die Zahl für 2018 aussieht, die der DGV am 16. Januar bei seiner Jahrespressekonferenz im Rahmen der Stuttgarter Messer CMT bekannt gibt. Unkenrufe ertönen in der Branche schon.

... kommt die Spaßgesellschaft

Was nachrückt, ist die Spaßgesellschaft. Und vor den  Wachstumsraten in allen Altersklassen unter 50 steht zumeist definitiv ein Minuszeichen. Die Generationen X und Y sind in einem volatilen Arbeitsmarkt beruflich extrem eingespannt bzw. mit einer jungen Familie beschäftigt, „Z“ daddelt lieber im Netz. DGV-Präsident Claus M. Kobold hat im Gespräch mit dem Autor mal gesagt, bei manchem Kind habe man ja Angst, ihm einen Ball zuzuwerfen.

Erst recht mag sich der Smartphone fixierte Nachwuchs nicht einer so „uncoolen“, überdies schwierig zu erlernenden und aufwändig auszuübenden Sportart widmen wie Golf. Ausnahmen bestätigen allenfalls die Regel. Erfolgserlebnisse gibt es ebenfalls nicht von selbst. Die basieren bekanntermaßen auf zeitintensiver Regelmäßigkeit beim Training und beim Spiel. Golf ist nun mal nichts, was man nebenbei machen kann wie zum Bowling gehen oder auf dem Bolzplatz kicken.

Bei all den Megatrends ist Golf reliktisch

Hand aufs Herz: In der heutigen Freizeitkultur mag sich das kaum jemand aufbürden. Wer verschreibt sich denn noch einer Sache so, wie wir Golfer es in unserer Nische getan haben? Lieber flattern die Spaßmenschen von Erlebnisblüte zu Erlebnisblüte, hier ein bisschen Entertainment, da ein wenig Thrill und dort etwas Amüsement. Im Lauf der kommenden Jahrzehnte werde die Möglichkeiten eher ausufernder, spektakulärer. Schon jetzt jagt ein Megatrend den nächsten. Das ist pauschal, gleichwohl wahr. Golf mit seinem komplexen Bewegungsablauf und den seltsamen Rahmenbedingungen (Regeln, Handikap, Etikette) ist dagegen ein reliktisches Spiel.



Nicht, dass es Missverständnisse gibt. Man darf das schön finden, der Autor tut es auch. Aber Golf war nie Breitensport und wird es aus all den zuvor angeschnittenen Gründen nie werden!

Sport im Verein mit rückläufiger Tendenz

Zudem ist das vielzitierte Clubleben längst „ so ‘was von 1990“ und wird allmählich zum Auslaufmodell. Die US-Golfclub-Managerin Megan Hawk hat es ganz gut auf den Punkt gebracht: „Golf war Teil der erfolgsorientierten Kultur. Die Zugehörigkeit zu einem Club vermittelte das Gefühl: Man hat es geschafft. Heute ist Golf eher eine Form von Entertainment denn ein Statussymbol. Viele moderne Golfspieler wollen Erfahrungen sammeln, statt immer nur mit denselben Leuten im selben Club zu spielen.“

Dazu passt, dass der Deutsche Olympische Sport Bund (DOSB) bereits 2016 generell rückläufige Tendenzen für den in Vereinen und Verbänden organisierten Sport festgestellt hat. Dies gilt zum einen als Indiz für abnehmende soziale Bindungen, wird andererseits als Auswirkung von knapper werdender Freizeit angesehen.

Maximal zwei Stunden pro Beschäftigung

Ohnehin will der Mensch künftig nicht mehr als zwei Stunden für diese oder jene Aktivitäten aufbringen. In seinem 2009 erschienen Buch „Deutschland 2030. Wie wir in Zukunft leben“ notiert der renommierte Freizeitforscher Prof. Horst Opaschowski: „Für zeitaufwändige Beschäftigungen bleibt immer weniger Zeit (oder richtiger: nehmen wir uns weniger Zeit). Ob Beschäftigung allein, mit dem Partner oder mit den Kindern – alles, was über zwei Stunden dauert, stagniert oder geht zurück. Wir sind offensichtlich für viele Tätigkeiten aufgeschlossen – solange sie nicht über zwei Stunden dauern.“ Intensiv gepflegte, von Leidenschaft und Engagement getragene Hobbys kommen offensichtlich aus der Mode.

2050 – so die Fiktion. Oder Vision ? – leben nur wenige etablierte Clubs weiterhin die tradierten Strukturen des Spiels. Anlagen, die nicht ihren Fokus auf Entertainment und Spaß gelegt haben; die keinen Thrill durch neue Spielformate vermitteln; deren Platzdesign eher zum 08/15-Bestand auf der deutschen Golflandkarte gehören, die überdies keine Angebote über das reinen Golfspiel hinaus offerieren, werden mit der Zeit gehen, weil sie halt nicht mit der Zeit gehen. Marktbereinigung bzw. Marktregulation nennt man das.

Performance zählt, Kunde stimmt an der Kasse ab

In jedem Fall will kaum mehr jemand das halbe Wochenende im Vereinsheim abhängen, den Golfclub zum zweiten Wohn- und Esszimmer machen, samt gesellschaftlicher Begegnungsstätte.

Stattdessen buhlen Golfdestinationen um zahlende Gäste, um Kurz- wie Fernreisende. Das Greenfee ist die Haupt-, wenn nicht gar die einzige Einnahmequelle. Die subventionsartige Erhebung pauschaler Beiträge ist passé. Die Laufkundschaft stimmt an der Kasse ab, nicht mehr die Mitglieder in der Versammlung. Marketingkünstler und Alleinstellungsmerkmale sind gefordert. Es zählt einzig die Performance.

Zeichen der Zeit erkennen!

Was von jeher für einen optimalen Standort galt, die drei Kriterien „Lage, Lage, Lage“ nämlich, entscheidet in den kommenden Jahrzehnten über Wohl und Wehe einer Golfanlage. Darauf ausruhen freilich darf sich niemand – die Lockrufe aus dem Ausland sind zu mächtig und zu günstig. Die Klaviatur des Angebots muss stimmen, die Tonalität im Service und das unmittelbar wie mittelbare Umfeld. Dann gilt gewiss: Warum in die Ferne schweifen, liegt das (Golf-)Glück doch so nahe.

Einige Anlagen, Resorts, Clubs haben die Zeichen des Zeitgeists erkannt und die Weichen gestellt, sind für die Golfzukunft gerüstet. Man könnte sagen, sie haben alles richtig gemacht – bislang. Für andere freilich gibt es viel zu tun, frei nach der Devise: Packen wir es an! Bis 2050 ist ja noch ein bisschen Zeit …



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2 LESER-KOMMENTARE Geben Sie jetzt Ihre Meinung zu diesem Thema ab
  1. Sehr geehrter Herr Basche,
    eine sehr pointierter Zukunftsblick auf das Golf nach dem Jahr 2050. Manches, was Sie schreiben, ist nachvollziehbar. Richtig ist sicherlich, dass Golf nicht einfach zu spielen ist. Ob das jedoch dazu führt, dass Golf den Weg sportiver Nebenbeschäftigung nimmt? Skepsis ist angesagt, weil Golf dafür zu wenig emotionale Erfolgserlebnisse bietet. Für eine Urlaubsbeschäftigung mit Ski fahren oder Tauchen muss man als Freizeitsportler nicht trainieren, um Erfolgsgefühle zu spüren. Meine Kolleginnen machen es mir jedes Jahr vor.
    Einiges, was Sie schreiben, bleibt für mich noch im Morgennebel. Welche Anlagen meinen Sie, die die „Zeichen der Zeit erkannt haben“? Was hebt diese Anlagen heraus aus dem Durchschnitt der Golfanlagen? Ist es ein 27-Lochplatz oder dazu noch eine Minigolfanlage oder eine „Getränkebar“ an jedem Loch?
    Mir fehlt hier das Wissen über die „erfolgreicheren“ Golfanlagen, um Ihre Einschätzung nachvollziehen zu können.

    Mit freundlichen Grüßen

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    • Michael F. Basche

      Sehr geehrter Herr Mathe,

      vielen Dank für Ihre Anmerkungen, die ich mit Interesse gelesen habe. Was die emotionalen Erfolgserlebnisse und die Erfolgsgefühle betrifft, so gibt es sicher viele individuelle Sichtweisen auf Golf und Erwartungen an die Runde. Am Potenzial für emotionale Erfolgserlebnisse jedenfalls fehlt es meines Erachtens im facettenreichen Gesamtkontext des Spiels und bei einer Destination nach Geschmack nicht, ganz unabhängig vom Score. Auch nicht jeder Skifahrer sucht die schwarzen Pisten.

      Was den von Ihnen angeführten „Morgennebel“ betrifft, so habe ich auf all diese Aspekte nicht nur 2018 in zahlreichen Artikeln hingewiesen und darin auch Beispiele genannt. Viele entsprechende Links zu den „Zeichen der Zeit“ finden Sie im Text; alles noch einmal anzuführen, hätte den Rahmen gesprengt.

      Und da der Artikel keinen Empfehlungscharakter, sondern eine journalistische, golfbetriebswirtschaftliche Ausrichtung hat, habe ich auf die Nennung beispielhafter Anlagen verzichtet bzw. behalte mir das aus nahe liegenden Gründen für einen eher persönlichen Dialog vor. Allen freilich ist gemein, dass sie positive Erlebnisse hinsichtlich Platzcharakteristik und Service bieten und in Punkten wie Angebot oder Ökologie deutlich über den Golf-Tellerrand hinausblicken.

      Mit freundlichen Grüßen

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