Profisport Damen

Augusta National Women’s Amateur: Spielerin zwischen Slow Play und mentalem Kampf

02. Apr. 2026 von Annika Kauffmann in Köln, Deutschland

Beim Augusta National Women's Amateur sorgt Bailey Shoemaker mit ungewöhnlich langer Schlagvorbereitung für Aufsehen. (Foto: Getty)

Beim Augusta National Women's Amateur sorgt Bailey Shoemaker mit ungewöhnlich langer Schlagvorbereitung für Aufsehen. (Foto: Getty)

Auffällige Routine auf großer Bühne beim Augusta National Women's Amateur

Bailey Shoemaker gehört zu den 72 Spielerinnen, die aktuell die seltene Chance erhalten, auf dem Augusta National anzutreten. Beim Augusta National Women’s Amateur misst sich die Elite des Damen-Amateurgolfs traditionell eine Woche vor dem Masters.
Doch statt sportlicher Highlights sorgte Shoemaker zunächst mit ihrer Schlagvorbereitung für Diskussionen. Über eine Minute war sie in der TV-Übertragung zu sehen, wie sie sich auf einen Schlag vorbereitete. Immer wieder korrigierte sie minimal ihre Fußstellung. Ein ungewöhnlich langer Ablauf, der auf den ersten Blick wie eine Geduldsprobe für Mitspielerinnen wirkt.

Verletzung hinterlässt mentale Spuren

Der Hintergrund dieser Szene ist jedoch weitaus ernster. Shoemaker musste sich erst im Oktober einer Ellenbogenoperation unterziehen, nachdem sie über Monate hinweg unter starken Schmerzen gespielt hatte.
Zwar ist sie körperlich inzwischen vollständig genesen, doch die mentale Verarbeitung der Verletzung ist noch nicht abgeschlossen. Vor der Operation kam es wiederholt zu einem Kontrollverlust: Nach stechenden Schmerzen im Arm wurden ihre Finger taub, sodass sie den Schläger nicht mehr halten konnte.
Diese Erfahrung wirkt nach. Shoemaker kämpft bei nahezu jedem Schlag damit, ihren Körper davon zu überzeugen, dass kein Schmerz mehr folgt. Die lange Vorbereitung ist somit kein Ausdruck von Unsicherheit im Spiel, sondern Teil eines anhaltenden mentalen Prozesses.

Zwischen Kritik und Verständnis

Langsames Spiel ist im Golfsport ein häufig kritisiertes Thema, da es den Rhythmus und die Konzentration anderer Spielerinnen beeinträchtigen kann. In Shoemakers Fall liegt die Situation jedoch anders.
Ihr Coach beschreibt sie vor ihrer Verletzung als eine der schnellsten Spielerinnen, die er je betreut hat. Die aktuelle Veränderung ist also keine Gewohnheit, sondern eine direkte Folge ihrer gesundheitlichen Vorgeschichte.
Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob ein Einsatz im Wettkampf bereits sinnvoll ist, wenn grundlegende Abläufe noch von mentalen Hürden geprägt sind. Doch die Gelegenheit, auf dem Augusta National zu spielen ist für viele wohl nicht auszuschlagen. Zudem kann gerade die Konfrontation mit der Wettkampfsituation ein wichtiger Schritt in der Verarbeitung sein.

Hoffnung auf einen behutsamen Umgang

Gerade bei einer so jungen Spielerin bleibt zu hoffen, dass die entstandene mediale Aufmerksamkeit um ihre aktuelle Schlagroutine nicht zusätzlichen Druck erzeugt. Die Diskussion um ihre lange Schlagvorbereitung könnte Erwartungen schüren, schneller spielen zu müssen unabhängig von den persönlichen Herausforderungen, die dahinterstehen.


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