Bilder des Tages
Ein Kollege hat der WM Phoenix Open mal bescheinigt, in Arizona würden die richtigen Knöpfe gedrückt. Das Erfolgsrezept sei eine Mischung aus Emotion, Ermäßigung und Ekstase, hieß es seinerzeit. Das war im Februar 2018. Lange her und vorbei. Tempi passati. Mittlerweile ist das Turnier im TPC Scottsdale eher eine Peinlichkeit. Jedenfalls, wenn es um das geht, was sich abseits der Fairways abspielt. Und die Veranstalter, die nach den Vorkommnissen und der Kritik der vergangenen Jahre Besserung und Mäßigung gelobten, haben stattdessen rund ums Party-Loch 16 noch ein Tribünenstockwerk mit Theken draufgelegt. Danke für gar nichts.
Wenn der Fan auf die „Greenest Show on Grass“ kotzt
Jenes Schauspiel, das sich dieses Jahr erneut abspielte, entbehrte einmal mehr nicht der Abstrusität. Während man sich auf der einen Seite als „Greenest Show on Grass“ feiert und das fraglos vorhandene Nachhaltigkeitskonzept preist, kotzt woanders der gemeine Golffan seinen Suff auf dieses „greenest grass“. Sorry, aber so deutlich muss es gesagt werden. Aus dem einstigen Event, das den Kollegen damals so begeisterte, ist eine Serie von Eklats geworden, die längst eine Menge Leute ankotzt, um im Bild zu bleiben. Und ja, der Grat ist vielleicht schmal. Und ja, mag sein, dass es stets nur die berüchtigten paar Wenigen sind, die der Mehrheit den Spaß vermiesen.
Nur ein paar Peinlichkeiten von vielen
Aber was da mittlerweile abläuft, geht eindeutig zu weit: Wenn irgendwelche idiotischen YouTuber in ihrer Aufmerksamkeitshybris andere Leute mit Geldgeschenken zu Pöbeleien anstiften, um der billigen Effekthascherei in irgendwelchen asozialen Medien willen.
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Matsuyama gestört und Turnierausgang beeinflusst
Wenn ein angeschickerter Vollpfosten dem bedauernswerten Hideki Matsuyama auf dem 72. Grün in den Putt blökt, damit die Todsünde der Golf-Etikette begeht und womöglich den Ausgang des Turniers beeinflusst – bei allem Respekt vor dem späteren Sieger Chris Gotterup.
Von den abstoßenden Szenen gar nicht zu reden, die sich auch heuer wieder abgespielt haben. Wenn aus Emotionen Exzesse werden, Fandom zur Randale verkommt und Saufgelage als Stimmungshoch euphemisiert werden, dann stimmt mit dieser angeblichen „People’s Open“ irgendwas ganz grundsätzlich nicht mehr.
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Nun soll an dieser Stelle keineswegs die kathedralenhafte Kontemplation beschworen werden, die Ewiggestrige so mantrahaft ritualisieren. Ein bisschen Stimmung darf gern sein. Golfturniere im 21. Jahrhundert müssen keine Enklaven feierlicher Fankultur sein, sonst wären sie Relikte. Ausnahmen wie dieses exklusive Event jeden April im rigiden Rasenrefugium namens Augusta National Golf Club bestätigen diese Regel nur – das Masters bezieht seinen USP daraus, anders zu sein.
Fehlverhalten von Fans als „Alleinstellungsmerkmal“
Bei der WM Phoenix Open hingegen ist mittlerweile das Fehlverhalten von Fans zum abschreckenden Alleinstellungsmerkmal geworden. Das darf so nicht weitergehen. So nicht! Das vergangene Wochenende war ein neuer Tiefpunkt in der Abwärtsspirale, in der sich die Fankultur seit Jahren findet. Siehe auch die Entgleisungen beim Ryder Cup.
Das Turnier muss überdacht werden. Muss neu konzipiert werden. Vielleicht muss es sogar abgeschafft und ganz neu aufgelegt werden. In der derzeitigen Form ist jedenfalls nicht mehr tragbar. Weder für die breite Mehrheit der Fans noch für die Spieler. Irgendjemand muss damit beginnen, ein Zeichen zu setzen. Womöglich ja mit einem Alkoholverbot. Die „Greenest Show on Grass“ könnte auch diesbezüglich mit einem Paradigmenwechsel zum Vorreiter werden..