Golfreisen

Das Gute so nah: Happy Places zwischen Limes und Lago, Fünen und Fermanagh

24. Jan. 2026 von Michael F. Basche in Köln, Deutschland

Großes Golf dank kleiner Steine: Great Northern, das Ensemble des Lego-Erben Kirk Kristiansen. (Foto: Jacob Sjöman/[email protected] für Great Northern)

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Nein, an dieser Stelle sollte die Binse vom „Warum in die Ferne schweifen?“ nicht strapaziert werden. Aber genau darauf läuft es letztlich hinaus: in unsicheren Zeiten mit weltweit erodierenden Gesellschaften, vor dem Hintergrund von Inflation und Energie-Kostenexplosion, aus Rücksicht auf den ökologischen Fußabdruck vielleicht sowieso. Interkontinentale Flüge oder schwerölbefeuerte Schiffsreisen über die großen Teiche dieser Welt sind bei nachhaltig gesinnten Sportsfreunden weniger angesagt denn je. Oder eher: sollten.

„Man will doch mal wieder raus“

„Man will doch mal wieder raus“, sagte nach dem offiziellen Ende der Corona-Pandemie am Flughafen der schottischen Kapitale Edinburgh ein Mitpassagier in der Schlange vor dem Check-in-Schalter. Das gilt bis heute. Mehr noch, man hat fast den Eindruck, dass noch ungehemmter gereist wird, seit SARS-CoV-2 die Welt nicht mehr im Würgegriff hält.

Auch wenn Reiseportale bei den Kunden einen deutlicheren Fokus auf auf umweltbewussteres Reisen und nachhaltige Unterkünfte festgestellt haben wollen. „Booking.com“ beispielsweise hat nach Corona ermittelt, dass 50 Prozent der Reisenden in Deutschland und 71 Prozent weltweit nachhaltiger unterwegs sein wollen. Über 25 Prozent der Befragten gaben an, Ziele zu wählen, die näher am eigenen Wohnort liegen. Und so weiter.

Sie wollen einfach nur spielen

Die Erhebung hat allerdings den Golfreise-Sektor nicht konkret erfasst. Ein Spezialist für exklusive Golf-Fernreisen, der aus nachvollziehbaren Gründen ungenannt bleiben will, hat mal erzählt, dass der Ökologie-Aspekt für jene Klientel kaum ein Thema sei, die sich derartige Destinationen leisten kann. Sie wollen einfach nur spielen.

Gut, dass es für die Tee Time auf dem Traumkurs einen beruhigenden „Ablasshandel“ gibt. Denn die CO2-Emissionen, die die Golfergilde durch ihr Reiseverhalten erzeugt, lassen sich durch einen Obolus für Klimaschutz-, Umwelt- oder Nachhaltigkeitsprojekte oder bei Anbietern wie „Atmosfair“ und „MyClimate“ durchaus etwas kompensieren. Die paar Euro mehr sollte einem der Trip dann durchaus wert sein.

Linksgolf auf Sylt: Das Budersand Hotel – Golf & Spa mit dem Dünenkurs. (Foto: Budersand)

Das Gute liegt so nah

Dennoch bleibt das Thema Golfreisen eine ambivalente Angelegenheit. Und Hand aufs Herz, wer wird nicht schwach, wenn ein Bucket-List-Ziel in weiter Ferne lockt. Trotzdem: Das Gute liegt manchmal so nah.

Viele Happy Places haben wir bei Golf Post schon beschrieben: das Spa & GolfResort Weimarer Land in Thüringen und das Budersand Hotel – Golf & Spa auf Sylt beispielsweise. Oder die Andreus Resorts und die Golfregion in Südtirol. Nachfolgend ein weiterer Streifzug durch die näher liegenden Golfgefilde aus eigenem Erleben, natürlich auch dieser ohne jedweden Anspruch auf Vollständigkeit.

Phänomenaler Parcours auf minimalem Raum: Der Linksstyle-Kurs des Hofgut Georgenthal. (Foto: Michael F. Basche)

Golfgenuss am Limes

Es ist ein phänomenaler Parcours auf minimalem Raum: Dem Architekten Christian Althaus ist im Hofgut Georgenthal das Kunststück gelungen, auf einem schüsselförmigen Areal von lediglich 48 Hektar einen 18-Loch-Kurs im Links-Design plus 3-Loch-Parcours und Übungsanlagen unterzubringen, ohne das UNESCO-Weltkulturerbe der historischen Grenze Limes zu sprengen. „Die Landschaft hier im Untertaunus hat einen Charakter. Der Golfplatz sollte keinen Bruch darstellen“, erklärt Hofgut-Chefin Brita Hankammer. „Daher die etwas rauere Anmutung.“

Dafür ist das Hofgut selbst von ländlicher Eleganz und bietet, so Hankammer, „Kunst und Kultur, das Kulinarische und das Sportliche, Wellness oder einfach nur genießerisches Nichtstun. Wenn man raus möchte aus dem Alltag, aus seinem Kuddelmuddel, ist man hier richtig.“ 2025 feierte die Erfolgsgeschichte des Hofgut Georgenthal das 25-jährige Jubiläum (www.hofgut-georgenthal.de)

Ländliche Eleganz: Das Hofgut Georgenthal feierte 25-jähriges Bestehen. (Foto: Hofgut Georgenthal)

Wo George Clooney golft

In einer Gebirgsfalte über dem Lago di Como aka Comer See liegt ein Golfplatz, der etwas aus der Zeit gefallen scheint. Auf dem Hochplateau von Croce hat der fünffache Champion-Golfer John Henry Taylor, einer aus dem „Great Triumvirate“, 1907 im dichten Baumbestand 18 schmale Bahnen ausgesteckt – alles wirkt, als sei das erst gestern gewesen. Der Menaggio & Cadenabbia Golf Club ist zuvorderst Lebensgefühl und Abgeschiedenheit pur, die auch Mitglied George Clooney gern genießt.

18 schmale Bahnen über dem Comer See: Der Menaggio & Cadenabbia Golf Club (Foto: Michael F. Basche)

Das Patio des Clubhauses könnte nicht besser geeignet sein, um das Auf und Ab des Parcours ausklingen zu lassen – es sei denn, man darf im historischen Buchbestand der kleinen, sehr anglophilen Bibliothek schmökern. Wer es lebhafter braucht, fährt runter nach Menaggio und setzt sich in eines der Lokale auf dem pittoresken Marktplatz direkt am Lago. (golfclubmenaggio.com)

Italienische Idylle: Das Patio des Clubhauses von Menaggio. (Foto: Michael F. Basche)

Großes Golf dank kleiner Steine

„Mit Plastik soviel Geld verdienen, dass man sich Leder, Holz und Stein leisten kann“: Das Copyright für diesen Satz liegt eigentlich beim Spa & GolfResort Weimarer Land. Great Northern indes ist die zweite Probe aufs Exempel: Auf der dänischen Ostseeinsel Fyn (Fünen) hat Lego-Erbe Kirk Kristiansen ein Ensemble vom Allerfeinsten in die Golfwelt setzen lassen.

Juwel des Architekturdesigns: Das Clubhaus von Great Northern. (Foto: Great Northern)

Das landschaftlich herrliche Fünen

Der Platz stammt aus der Feder von Jack Nicklaus. Das Clubhaus ist ein Juwel des Architekturdesigns. Die Speisekarte ist stringent regional sowie saisonal und wird mittlerweile vom bayerischen Sternekoch Rainer Gassner verwaltet. Der Spa-Bereich ist eine Wucht. Das Merchandising ist ausschließlich mit dem „Phönix“-Logo gebrandet, selbst auf den Premium-Golfbällen im Pro-Shop fehlt der Herstellername.

Great Northern ist wirklich was für die Bucket List – so, wie das landschaftlich herrliche Fünen mit seinem Hauptort Odense, Geburtsstätte des Dichters Hans Christian Andersen, generell absolut eine Reise wert ist. (greatnorthern.dk)

Rundum-Wohlfühl-Paket im nordirischen Seenland

Wer Nordirland hört, denkt vermutlich sofort an Royal County Down oder den zweimaligen Open-Schauplatz Royal Portrush. Stimmt: Golf in Reinform. Doch Lough Erne im County Fermanagh hat das komplette Rundum-Wohlfühl-Paket: Gut zwei Autostunden von Dublin entfernt, schlängelt sich ein von Sir Nick Faldo kreiertes Championship-Geläuf mit atemverschlagenden Ausblicken auf die Seenlandschaft über die Halbinsel.

Aus der Feder von Sir Nick Faldo: Der Championship-Kurs von Lough Erne. (Foto: Michael F. Basche)

Das Thai Spa ist ebenso ein Erlebnis für sich wie die Resort-Restaurants, in denen noch immer ist die Handschrift des hoch dekorierten Küchendirektors Noel McMeel zu spüren ist, wenngleich der mittlerweile den Ruhestand genießt. Alles ist gediegen, dabei lässig und sehr sportlich. Am zweiten Platz des Resorts, dem Castle Hume Course, befinden sich ausgezeichnete Trainingsmöglichkeiten. Und übrigens: Auf die Links von County Down oder Portrush sind es von Lough Erne aus auch jeweils nur zwei Stunden. (lougherneresort.com)

Das komplette Rundum-Wohlfühl-Paket: Lough Erne in Nordirland. (Foto: Michael F. Basche)

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