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Dass Golfsport häufig auch mit Geschäftssinn verbunden ist, steht außer Frage. Auch Bryson DeChambeau, der 2016 ins Profilager wechselte, erkannte früh in seiner Karriere, wie wichtig feste Partner an seiner Seite sind. Bereits 2018 unterzeichnete DeChambeau einen Vertrag mit dem von Reed Dickens neu gegründeten Schafthersteller LA Golf und nutzt seitdem größtenteils die Schäfte des kalifornischen Herstellers, der aus der insolventen Marucci Sports hervorging.
Schon damals betonte Firmengründer Dickens, DeChambeau sei der „ideale Partner für unsere Mission“, technisch fortschrittliche Schäfte, die von Profis verwendet werden, direkt zu den Golfern zu bringen. Das junge Unternehmen suchte gezielt die Zusammenarbeit mit einem Spieler, dessen analytischer Ansatz und technische Neugier besonders gut zu den Ambitionen der Firma passten. Diese Zusammenarbeit zeigte sich auch darin, dass DeChambeau häufig eine führende Rolle bei der Entwicklung neuer Schäfte des Herstellers übernahm.
Streit um Unternehmensanteile von Bryson DeChambeau
Nun jedoch ist die Partnerschaft zwischen LA Golf und DeChambeau zerbrochen. Laut einem Bericht des Golfmagazins Golf.com wollte der inzwischen bei LIV Golf unter Vertrag stehende DeChambeau seine Minderheitsbeteiligung von zwei Prozent auf eine Mehrheitsbeteiligung von 51 Prozent ausbauen. Nachdem Dickens dies ablehnte, einigten sich beide Parteien auf die Beendigung ihrer geschäftlichen Zusammenarbeit. Dickens erklärte gegenüber Golf.com: „Und ich sage: ‚So geht das nicht.‘ Sie haben ein riskantes Spiel mit mir gespielt, und jetzt trennen sich unsere Wege im Guten.“
Auf den ersten Blick klingt dies nach einer klassischen Meinungsverschiedenheit zwischen Geschäftspartnern. Tatsächlich kam es in DeChambeaus Karriere jedoch bereits häufiger zu ähnlichen Spannungen. Der Spieler bestand in der Vergangenheit oft auf individuell entwickelte Produkte, die jedoch für eine breitere Gruppe von Golfern nur begrenztes Marktpotenzial hatten. Sowohl LA Golf als auch DeChambeaus früherer Ausrüster Cobra Golf standen genau vor dieser Herausforderung.
Wenn Spieleranforderungen und Produktstrategie kollidieren
Solche Individualentwicklungen sind aufwendig: Sie erfordern umfangreiche Tests, lange Entwicklungszeiten und erhebliche Ressourcen. Zwar können Projekte an der Grenze von Geschwindigkeit und Präzision – ähnlich wie in der Spitzenforschung der Automobil- oder Luftfahrtindustrie – wertvolle Erkenntnisse liefern. Wirtschaftlich relevant werden diese jedoch erst, wenn daraus Produkte entstehen, die auch für eine größere Zahl von Golfern interessant sind. Auch die frühere Trennung von Cobra Golf weist Parallelen zur späteren Entwicklung mit LA Golf auf. Nach mehreren Jahren Zusammenarbeit und viel beachteten Ausrüstungsprojekten endete die Partnerschaft schließlich nach öffentlich geäußerter Kritik an einem Driver.
Derzeit befindet sich LA Golf ohnehin in einem strategischen Neuausrichtungsprozess. Das Unternehmen möchte künftig stärker auf den Direktvertrieb setzen. In diesem Zusammenhang kursierten zuletzt auch Gerüchte über mögliche Personalentlassungen, die der Hersteller bislang jedoch zurückgewiesen hat. Vor diesem Hintergrund lässt sich DeChambeaus Abschied als strategische Zäsur interpretieren. In dem Moment, in dem das Unternehmen seine Vermarktungsstrategie neu justiert, stellt es zugleich die Weichen für eine veränderte Markenführung – einschließlich der Frage, mit welchen Partnern und über welche Plattformen das künftige Wachstum gestaltet werden soll.
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