Bilder des Tages
Das Erlebnis beginnt schon beim Anflug auf den Airport der Inselhauptstadt Funchal. Der Cristiano Ronaldo International Airport hat seine Tücken: rechts der Atlantik, links die Berge – das begünstigt Schwerwinde, spontane Böen und Turbulenzen. Madeiras grandiose Topografie erweist sich hier eher als Nachteil.
Zugang zu einem Garten Eden
Die kurze, erhöhte Landebahn tut ein Übriges, nach einem schlimmen Unfall 1977 wurde sie wenigstens verlängert, 180 Pfeiler wurden dafür in den Meeresboden gerammt und gegossen. Es ist halt ein Flughafen der sogenannten Kategorie C, für den spezielle Fachkenntnisse erforderlich sind. Jeder Pilot ist besonders geschult, der Madeira im Flugplan hat: Per Sichtflug geht’s in einer starken Kurve rein, meist kann der Flieger erst Sekunden vor dem Aufsetzen ausgerichtet werden. Aber wer sagt, dass der Zugang zu einem Garten Eden immer einfach sein muss?
Idealer Fluchtpunkt vor Schnee, Eis und Kälte
Dafür wird der Madeira-Besucher anschließend umso reicher entschädigt. Zum Beispiel mit ganzjährig sommerlichem Klima. Das sind paradiesische Zustände, aktuell zumal, da in einem großen Teil von Deutschland das Fernweh fast unerträglich sein dürfte. In der Tat: Madeira wäre ein idealer Fluchtpunkt vor Schnee, Eis und Kälte.
Immerhin soll die Wetterspaltung durch den gestörten Polarwirbel noch mindestens den ganzen Februar anhalten. Auf Madeira sind es um diese Zeit tagsüber 18 bis 19, nachts um die 13 Grad. Der Februar gilt neben dem Januar als kältester Monat. Man könnte direkt den Koffer packen. Und bitte das Golfbag nicht vergessen.
Charismatische Kapitale und viel Landschaft
Die „Perle im Atlantik“ hat alles. Eine moderne, kosmopolitische, dynamische und dennoch pittoreske Kapitale in einer Art Amphitheater am Atlantik, mit Stil und Charisma, erstklassigen Restaurants und Hotels für jeden Geschmack und Geldbeutel. Wundervolle Parks und Gärten, der exotische Vielfalt alljährlich im April auf dem weltberühmten Blumenfestival ausgebreitet wird. Mit Meereslandschaften aus blauer See und steil-schroffen Klippen. Mit malerischen Dörfern in ruhigen Tälern und Bergen, in denen es sich herrlich wandern oder mountainbiken lässt.
Golfplätze spiegeln die Vielfalt
Die Golfplätze spiegeln diese Vielfalt. Palheiro Golf, das Cabell Robinson auf einem Plateau über Funchal konzipiert hat. Oder das von Robert Trent Jones entworfene Santo da Serra mit 27 Loch noch weiter oben in den Bergen. Und Severiano Ballesteros’ Porto Santo auf der gleichnamigen, 42 Kilometer nordöstlich gelegenen wasserarmen Nachbarinsel, der vielen als bester madeirischer Parcours gilt. Im Sommer setzt Ponta do Pargo aus der Feder von Sir Nick Faldo dem Spektakel im äußersten Westen von Madeira die Krone auf.
Kurse im Landesinneren und auf Plateaus
Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ein Spiel mit dem Ursprung in Schottlands, Englands und Irlands sandigen Küstenstreifen auf dieser Insel von 57 Kilometern Länge und 22 Kilometern Breite, also einer Gesamtfläche von 740,7 Quadratkilometern, nur im Landesinneren und nur auf Bergplateaus heimisch geworden ist. Santo da Serra im Südosten und fast 700 Meter über dem Meeresspiegel ist das höchstgelegene Beispiel.
Der Platz, dessen Ursprünge bis in die 1930er-Jahre reichen, hat ein paar famose Löcher, die Par-3-Vier beispielsweise, und sowieso grandiose Aussichten. Bei wechselhaftem Wetter lässt sich das Phänomen genießen, zwischen Wolken zu spielen, während die Sonne das darunter liegende Funchal bescheint.
Bummel durch die Botanik und Bewährung am Berg
Ach übrigens, spätestens auf der Back Nine und beim Rückweg hoch zum Klubhaus wünscht sich selbst der hartgesottenste Anhänger des Tragebags ein Cart. Kurz: Santo da Serra ist von den hinteren der vier Abschläge mit rund 6.200 Metern Länge ein echtes Brett und generell eine Mischung zwischen Bummel durch die Botanik und Bewährungsprobe am Berg.
Palheiro wiederum ist schlichtweg charmant, ein Layout in Form einer Acht, eingebettet in einen Pinienwald und von prächtiger Vegetation geprägt. Auch hier bieten sich aus knapp 500 Metern Höhe immer wieder attraktive Aussichten auf Funchal und die Bucht von Machico sowie die weit entfernten Desertas-Inseln.
Ein Clubhaus für den perfekten Ausklang
Vier der fünf Par-5-Löcher sind auf den Back Nine arrangiert, die dadurch gut 640 Meter länger sind als die erste Neun. Die 128 Meter lange 13 wird als einziges der fünf Par-3-Löcher bergauf gespielt und läutet eine Schlussphase ein, die es mit zwei schwierigen Par-4 und einer bergab führenden Par-5-Bahn als Finale wahrlich in sich hat.
Freilich, das Clubhaus namens Vista Balancal mit der Terrasse über Funchal ist eine perfekte Location, um die Runde ausklingen zu lassen. Es hat das Flair englischer Eleganz, zudem eine exzellente Küche.
Auf Porto Santo gibt es sogar Dünen …
Porto Santo, die 42 Quadratkilometer große zweite Hauptinsel des aus gut zwei Dutzend ansonsten unbewohnten Eilanden bestehenden Madeira-Archipels, scheint für Golf eher geeignet. Der 210 Meter hohe Hügel in der Inselmitte wirkt wie ein Winzling im Vergleich zu den 1.862 Metern des Pico Ruivo auf Madeira. Im Südosten gibt es sogar natürliche Dünen, der „Goldstrand“ ist fast neun Kilometer lang. Da lag es nahe, dass sich der legendäre, 2011 verstorbene Severiano Ballesteros zur Konzeption des Kurses bei den Stilmitteln der Linksplätze bedient hat. Bloß halt auf den Klippen des Vulkangesteins, was den Spanier zu kolossalen Konfigurationen inspirierte.
… und Ballesteros’ Meisterwerk im Linksstil
Porto Santo Golf hat eine moderate Front Nine, die sich vor der Kulisse von Strand und zweier erloschener Vulkane an Seen und Bunkern vorbeischlängelt. Dann wird es absolut dramatisch. Und wirklich herausfordernd. Von Loch 12 bis 18 hat der 2004 eröffnete Parcours pures Links-Feeling, die Bahnen auf den Klippen sind atemverschlagend. Beispielsweise die 13, eine Par 3 mit Tees und Grün direkt am Abgrund. Das folgende Dogleg rechts ist eine Blaupause für den Bahnen-Typus „Risk & Reward“. Die 15 ist wiederum ein Par 3 mit einem genial platzierten Grün auf einer Klippe. Summa summarum ein teuflich-traumhaftes Trio, das allein den kurzen Flug oder eine zweistündige Überfahrt mit der Fähre nach Porto Santo rechtfertigt.
Nützliche Informationen für einen Trip nach Madeira
Where to be: Der Madeira-Archipel im Nordatlantik, knapp 500 Kilometer vor Afrikas Westküste, besteht aus den Vulkaninseln Madeira, Porto Santo sowie den unbewohnten Desertas- und Savage-Inseln. Madeira ist mit einer Fläche von rund 740 Quadratkilometern die mit Abstand größte dieser Inseln und als „Perle des Nordatlantik“ bekannt. Der wärmende Golfstrom macht aus Madeira trotz des Mittel- bis Hochgebirgscharakters und den steil ins Meer abfallenden Küsten einen tropischen Garten.
Where to play: Palheiro Golf, palheironatureestate.com; Clube de Golf Santo da Serra Golf, santodaserragolf.com; Porto Santo Golfe, portosantogolfe.com; Ponta do Pargo, pontadopargogolfe.pt.
Where to stay: Madeiras bekannteste Herberge ist das ikonische Hotel Reid’s Palace, das der Schotte William Reid ab 1887 bauen ließ, der mit dem Handel des berühmten Madeira-Likörweins ein Vermögen gemacht hatte. In Reid’s Palace logierte englische Politiker und internationale Filmstars, als Refugium der lungenkranken Kaiserin Elisabeth von Österreich-Ungarn war das Luxushotel in der „Sissy“-Trilogie zu sehen.
Deutlich lauschiger ist die Casa Velha do Palheiro inmitten des Palheiro-Estate, ein charmantes historisches Ensemble mit dem „Relais & Châteaux“-Gütesiegel, 1894 als Jagdschloss des Conde de Carvalhal erbaut und 1997 fein restauriert. Im preisbedachten Restaurant Oxalis werden Madeiras saisonale Aromen zu kulinarischen Köstlichkeiten verarbeitet.
What to see: Ein Muss ist der Bummel durch Funchal, den „Ort, an dem Fenchel wächst“ . Die Stadt erhielt ihren Namen, weil die Portugiesen bei der Entdeckung der Insel dort außerordentlich viel Fenchel vorfanden; heute bezaubert Funchal mit allerlei Sehenswürdigkeiten, Museen, Märkten, Hafenanlagen oder dem Casino des Architekten Oscar Niemeyer. Tourismus ist der wichtigste Wirtschaftszweig, seit Mitte des 19. Jahrhunderts, als der europäische Adel und sonstige gutbetuchte Gäste den „ewigen Frühling“ auf Madeira entdeckten.
Where to eat: Im Ákua in der Altstadt von Funchal, nur wenige Meter vom Meer entfernt, zelebriert Küchenchef Júlio Pereira das Beste, was der Atlantik kulinarisch zu bieten hat. Fisch-Bratwurst mit Barbecue-Hotdog und Kabeljau-Tacos beispielsweise. Oder geschmorten Thunfisch mit Schwertmuschel-Risotto. Und natürlich Espada, der schwarze Degenfisch, DAS Fischgericht auf Madeira.
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