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Die aktuelle Nachricht zuerst: Brooks Koepka ist beim ersten Auftritt auf der Driving Range von Torrey Pines von den ehemaligen und erneuten Kollegen weder geteert, noch gefedert worden. Allenfalls schlug dem LIV-Rückkehrer ein freundliches Desinteresse entgegen, auch Wyndham Clark als erklärter Skeptiker des Returning Member Programm der PGA Tour blieb bislang verhaltensunauffällig.
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Telefonat mit Tiger
„Ich bin aufgeregt. Es gibt definitiv Spieler, die glücklich sind, und definitiv Spieler, die wütend sein werden. Einige werden nicht glücklich sein, wie alles gelaufen ist“, hatte der 35-Jährige schon vor einer Weile zu Protokoll gegeben. Gestern bei der Pressekonferenz zur Farmers Insurance Open bedankte er sich artig für die Chance und offenbarte, wem sein erstes Telefonat galt, als ihm die Freigabe für den Abschied von LIV erteilt worden war: Tiger Woods, dem starken Mann und Strippenzieher hinter den Kulissen von Ponte Vedra Beach.
„Ich wusste nicht genau, was ich machen und wie ich die Dinge [mit der PGA Tour] angehen sollte, und Tiger kam mir als erster in den Sinn, da ich immer ein gutes Verhältnis zu ihm hatte.“ Koepka weiß halt genau, auf wessen Plazet es wirklich ankommt …
„Ich freue mich auf dieses neue Kapitel meiner Karriere und freue mich riesig, hier sein zu dürfen. Brian Rolapp, Jay Monahan, Tiger Woods und allen, die mir diese Möglichkeit eröffnet haben, bin ich sehr dankbar.“
Brooks Koepka
LIV-Statik gravierend verändert
Aber halt, soll es in diesem Beitrag nicht um Bryson DeChambeau gehen? Doch. Aber ohne die Causa Koepka als Einleitung geht es nicht. Der Abgang des Hünen aus Florida hat die Statik der LIV Golf League gravierend verändert. Dem SaudiHomunkulus fehlen schlagartig 33,3 Prozent der Aktivposten.
Koepka war einer, mit dem sich in der breiten Öffentlichkeit Staat machen und angeben ließ. Als fünffacher Majorsieger. Mit der schillernden Jena Sims an der Seite. Als einer von zwei LIV’lern, die während der Zeit beim Konkurrenz-Circuit ein Major gewonnen haben. Der andere ist DeChambeau, US-Open-Champion von 2020 und 2024 (!) und sowieso in vielerlei Hinsicht eine Ausnahmeerscheinung.
Nur DeChambeau und Rahm als Vermögenswerte
Dritter im Bunde der Vermögenswerte mit dem Prädikat „besonders wertvoll“ war – und ist – wohl Jon Rahm. Nicht nur durch die europäische Brille. Danach verliert sich das personelle Tableau von LIV im Belang- und Bedeutungslosen. Ein bisschen Sergio Garcia, etwas Joaquin Niemann vielleicht.
Patrick Reed fällt auf, weil ihn halt das Odeur des falschen Fünfzigers und Schummelbruders umweht. Außerdem hat der 2018er-Masters-Champion immerhin gerade die Hero Dubai Desert Classic gewonnen. Dass Dustin Johnson im selben Turnier den Cut verpasst hat, interessiert hingegen keine Socke. Tyrrell Hatton ist eindeutig interessanter als Cameron Smith. Und wer war gleich noch mal Phil Mickelson?
Rory McIlroy hat recht, wenn er sagt: „Sie haben niemanden mehr verpflichtet, der etwas bewegt, und ich glaube auch nicht, dass sie das tun werden.“
Nur noch Majors und YouTube?
Womit dieser Beitrag endgültig bei Bryson DeChambeau angekommen ist. LIV lebt vom und durch den 32-jährigen Wahl-Texaner. Was umgekehrt nicht zwingend der Fall ist. BDC hat neulich gesagt, er könne sich durchaus vorstellen, für den Rest seiner Karriere nur noch die Majors zu spielen und sich ansonsten seinem YouTube-Kanal mit dem Quoten-Knüller „Break 50“ und den knapp drei Millionen Followern zu widmen, die ihm pro Jahr ein nettes Zubrot von geschätzten 800.000 Dollar einbringen. Tendenz steigend.
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„Habe einen Vertrag zu erfüllen“
Das hat ihm bei den laufenden Verhandlungen über eine Verlängerung des bis einschließlich 2026 datierten Vertrags eine komfortable Position verschafft. Koepka Rücksturz zur Erde ins Establishment macht daraus nahezu eine Monopolstellung. Der eher kühle Tonfall bei den Antworten zum Thema Returning Member Program der PGA Tour dürfte den LIV-Bossen nicht entgangen sein. Das dürre „Ich habe einen Vertrag bis 2026 und freue mich sehr auf dieses Jahr“ klang nicht unbedingt wie eine Liebeserklärung.
Garantiegage und Mitsprache bei LIV
DeChambeau hat alle Trümpfe in der Hand. Und er weiß das. Ohne ihn, das glauben viele Beobachter, hieße es für LIV: Game over! Wie das britische Blatt The Telegraph erfahren haben will, fordert der „Scientist“, der das Attribut „mad“ längst abgelegt hat, eine Garantiegage von fünfhundert Millionen Dollar für die vierjährige Vertragsfortschreibung und dazu eine signifikante Mitsprache bei der weiteren Entwicklung des Team-basierten Franchise-Konstrukts. Nachvollziehbar.
„Ich bin überzeugt vom Potenzial von LIV. Es muss nur für beide Seiten Sinn machen, und wenn das der Fall ist, werden wir uns in eine coole Richtung weiterentwickeln. Ich möchte meine Crushers-Teamkollegen auf keinen Fall im Stich lassen.“
Bryson DeChambeau
DeChambeau, der geniale Selbstvermarkter, hat das Konzept als Erster und – manchmal scheint es – auch als Einziger vollinhaltlich begriffen. Siehe nur das Indien-Engagement. Während das LIV-Management mit der Liga aus tausendundeinem Grund im seichten Brackwasser der Beliebigkeit dümpelt, ist die One-Man-Show Bryson James Aldrich DeChambeau omnipräsent. Der charismatische Kerl ist ein Tausendsassa und ein Multitalent, extrovertiert und einfallsreich, setzt sich immer neu in Szene und ist dabei in allen Sätteln gerecht. Im Wortsinn.
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Veritable Zwickmühle für die LIV-Bosse
Das bringt LIV-CEO Scott O’Neil und den PIF-Boss Yasir al-Rumayyan als Eigentümervertreter in eine veritable Zwickmühle. Einerseits wollen die saudischen Finanziers ihre Alimentierung drosseln und die Gehälter drastisch herunterschrauben: Liga und Spieler sollen sich wirtschaftlich selbst tragen.
Trotzdem wurden unlängst die Preisgeldbörsen von 25 auf 30 Millionen Dollar je Turnier erhöht, um die Erweiterung der Events auf 72 Loch auszugleichen und überdies Geld in den siechenden Kreislauf zu pumpen – wenn’s schon sonst mit der Vermarktung und mit der Investorengewinnung eher suboptimal läuft, allen vollmundigen Erfolgsmeldungen zum Trotz, die angesichts von versenkten fünf Milliarden Dollar Anschubfinanzierung tatsächlich die viel zitierten Peanuts sind.
LIV am Tropf von BDC?
Auch strukturell läuft offenbar nicht alles rund. Als Indiz dafür mag Patrick Reeds Offenbarung in Dubai gelten. Obwohl die neue LIV-Spielzeit kommende Woche in Riad beginnt, ist der 35-Jährige immer noch ohne Vertrag. Was wunder, dass Reed seine besondere Beziehung zur DP World Tour betonte, wo ihn der damalige Chef Keith Pelley 2019 zum Mitglied auf Lebenszeit machte, und offen mit der PGA Tour als „stärkste Liga der Welt“ flirtete.
Damit wird erst recht klar, dass LIV mittlerweile auf gewisse Weise am Tropf von Aushängeschild und Trump-Spezi Bryson DeChambeau hängt. Er ist die Zugnummer des Circuits. Und so zockt BDC munter um seine Zukunft. Weil er’s kann.