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Sechs neue Regeln bei der PGA Tour: Modernisierung zum Saisonstart

09. Jan. 2026 von Jean Heidbüchel in Neuss, Deutschland - Dies ist ein Golf Post Premium Artikel

PGA Tour ändert seine lokalen Musterregeln für die Saison 2026. (Foto: Getty)

PGA Tour ändert seine lokalen Musterregeln für die Saison 2026. (Foto: Getty)

Am Dienstag teilte die PGA Tour den Spielern fünf neue lokale Musterregeln mit und erweiterte die Änderung noch um eine Regeländerung bei bevorzugten Lagen. Somit startet der Saisonauftakt mit insgesamt sechs neuen Regeln in der nächsten Woche bei den Sony Open in Honolulu auf Hawaii. Der Vizepräsident der PGA Tour für Regeln und Schiedsrichterwesen Steven Rintoul äußerte sich gegenüber golf.com: "Gute, vernünftige Ergebnisse für den Golfsport auf höchstem Niveau." Er führte weiterhin über die neuen lokalen Musterregeln, die ab dem 1. Januar 2026 von der USGA und der R&A verabschiedet wurden, aus, dass es sich um eine Fortsetzung der Modernisierung des Regelwerks handeln würde, welches seit 2019 angestoßen wurde.

Folgend stellen wir das neue Regelwerk und die lokalen Musterregeln vor und zeigen auf, woraus diese Entscheidungen resultierten:

Neue Golfregel klärt Strafschläge bei unbeabsichtigtem Ballbewegungen

Gemäß Regel 9.4b erhält ein Spieler einen Strafschlag, wenn er seinen ruhenden Ball bewegt und es versäumt, ihn vor seinem nächsten Schlag zurückzulegen, obwohl er nicht wusste, dass sich der Ball bewegt hatte, noch dass er sich hätte bewegen können. Dafür erhält der Spieler einen Strafschlag. Der Spieler hat aber nicht von einem falschen Ort (Regel 14.7a - zwei Strafschläge) aus gespielt, wenn später bekannt wird, dass er die Bewegung des Balls verursacht hat.

Wenn der Spieler aber bemerkt hat, dass sich ein ruhender Ball bewegt hat, den Golfball nicht zurücklegt und vom neuen Ort aus spielt, erhält er die allgemeine Strafe nach Regel 14.7a für das Spielen vom falschen Ort aus. Auch wenn sich später herausstellt, dass ein Spieler den Ball bewegt hat und der Spieler fälschlicherweise annahm, dass er diesen nicht bewegt hat und zurücklegen hätte müssen, erhält er die allgemeine Strafe nach Regel 14.7a.

Die neue Regel resultierte aus einer Szene von Shane Lowry, der bei der Open Championship 2025 in Royal Portrush bei einem Probeschwung am 12. Loch den Ball minimal bewegte, ohne es zu bemerken. Nach der Runde traten Regeloffizielle an Lowry heran und verhängten nach langer Beratung eine Zwei-Schläge-Strafe, da sie die Szene mithilfe von Fernsehaufzeichnungen sehen konnten . Lowry fand die Strafe im Nachhinein "schwer zu akzeptieren" aber nahm diese dann doch ohne Diskussion an.

Straflose Erleichterung nun auch bei Ball in Pitchmarke eines Mitspielers

Die nächste Regeländerung betrifft den Fall, wenn ein Ball eines Spielers in der Pitchmarke eines anderen Spielers zur Ruhe kommt. Vorher galt, dass eine straffreie Erleichterung nur in Anspruch genommen werden durfte, wenn der Ball in eigener eigenen Pitchmarke zur Ruhe gekommen ist. Nun darf gemäß Regel 16.3b ein Spieler eine straffreie Erleichterung in Anspruch nehmen, wenn ein Regeloffizieller feststellt, dass der Ball in einer Pitchmark unterhalb des Bodenniveaus zur Ruhe gekommen ist, der von einem anderen Spieler durch einen Schlag entstanden ist. Eine reparierte Pitchmark hingegen bleibt von dieser Regel unberührt und gilt, wenn diese absichtlich oder zufällig repariert wurde unabhängig von Qualität und Vollständigkeit der Reparatur. Eine reparierte Pitchmark ist bspw. eine mit Schläger, einem anderen Gegenstand oder dem Fuß ausgebesserte Pitchmark. Auch wenn der Greenkeeper die Pitchmark mit bspw. dem Rasenmäher bereits befahren hat und trotzdem noch eine Vertiefung zu sehen ist, gilt diese als repariert.

Aufgrund wiederholter Vorkommnisse dieser Art und jüngst bei Shane Lowry erneut bei der Open Championship 2025, dessen Ball in der zweiten Runde in einer Pitchmark landete und die Regeloffiziellen seinen Antrag auf Erleichterung ablehnten. Lowry verfehlte daraufhin seinen Annäherungsschlag und drückte seine Wut über die Entscheidung am Rasen aus von dem er geschlagen hatte.

"Out of Bounds" gilt künftig nur noch vom Abschlag“

Da viele PGA-Spieler häufig nach Vorteilen im Turnier suchen, ist es schon häufiger vorgekommen, dass sie bspw. den Fairway eines anderen Lochs als Abkürzung oder Erleichterung genutzt haben. Nun gilt, dass innenliegende Außengrenzen (häufig mit weißen Pfählen gekennzeichnet) nur noch als "Out of Bounds" gekennzeichnet werden, wenn der Ball vom Abschlag gespielt wird. Es gab häufiger schon die Situation, dass Spieler beim Erreichen eines Hindernisses (bspw. einem Baum) durch die Außengrenzen so eingeschränkt wurden, dass sie nichtmal mehr zurück auf das Fairway chippen konnten. Die Regel sollte ursprünglich die Spieler davon abhalten andere Fairways vom Abschlag aus zu nutzen um ihr Spiel abzukürzen. Nun gilt diese Regel nur noch vom Abschlag aus.

Erleichterung bei unbeweglichen Hindernissen auf kurz gemähtem Vorgrün möglich

Wenn der Ball nicht auf dem Grün liegt, stellt ein unbewegliches Hindernis für den weiteren Spielverlauf kein Hindernis dar, ist an sich keine Behinderung gemäß Regel 16.1 und der Spieler darf keine Erleichterung in Anspruch nehmen. Wenn das Vorgrün oder der Rand des Grüns aber so tief gemäht ist, dass das Putten eine gängige Schlagtechnik auf diesem Untergrund sein kann, können unbewegliche Hindernisse wie bspw. Rasensprenger oder Mikrofonlöcher im Boden eine Behinderung darstellen. Die Regeloffiziellen können in diesem Fall dann gemäß der neuen Regel 16.1 eine Spielerleichterung gewähren, wenn der Ball auf der Spiellinie behindert wird.

Spieler dürfen beschädigte Schläger jetzt direkt mit Ersatzteilen aus dem Bag reparieren

Die Regel 4.1b(4) wird ebenfalls entsprechend angepasst. Wenn der Schläger bei sachgemäßer Behandlung während der Runde beschädigt ist, kann nun der Spieler seinen Schläger mit Komponenten aus seinem Bag reparieren. Dies bedeutet, dass ein Spieler bspw. einen Ersatz-Schlägerkopf in seinem Bag mitführen darf und an Ort und Stelle einen beschädigten Schläger reparieren kann. Auch davor konnte ein defekter Schläger während des Spiels repariert oder ausgetauscht werden. Dies bedeutete aber häufig einen langen Weg zur Umkleide durch den Caddy. Durch mitführen einzelner Komponenten eines Schlägers soll dies nun effizienter von statten gehen und gilt auch nicht als illegaler "15. Schläger" im Bag, da es sich nur um eine Komponente handelt.

PGA Tour passt Erleichterungsbereich bei schlechten Fairways an

Die letzte Neuerung bezieht sich auf eine Änderung der Regeln, die bei anderen Turnieren als der PGA Tour bereits in Gebrauch sind. Nun wird der Erleichterungsbereich bei der PGA Tour von einer Schlägerlänge (ca. 46 Zoll) in eine Scorekartenlänge (ca. 11 Zoll) in bevorzugten Lagen verkleinert. Eine Scorekartenlänge wird von anderen Organisationen allgemein verwendet und sorgt für fairere Ergebnisse im Wettkampf, da der Ball näher an seinem ursprünglichen Punkt platziert wird. Diese wird aber nur bei extremer Schlammbildung oder schlechten Fairwaybedingungen angewendet. Oftmals konnten die Spieler die Erleichterung rund ums Grün ausnutzen und den Ball fast bis an den Rand des Grüns spielen oder sogar die Wuchsrichtung ändern, sobald man in bspw. Bermudagras kommt. Man hatte 117 cm (46 Zoll) in die eine und 117 cm in die andere Richtung, konnte die Wuchsrichtung für einen Chip-Schlag deutlich verändern und ihn dadurch viel einfacher machen.

Weitere Änderungen bei der PGA Tour: Erweiterung des Player-Equity-Programms

Die PGA Tour nimmt die Top 50 des FedEx Cup in ihr Player Equity Program auf, das bereits über 1 Milliarde US-Dollar an mehr als 200 Spielern verteilt hat. Ziel ist, aktuelle Leistungen zu honorieren und langfristige Beteiligungen zu ermöglichen.
Beteiligungen werden nach mehreren Jahren unverfallbar, basieren auf Leistung und Einfluss im Player Impact Program und erhöhen die Zahl der geförderten Spieler auf über 213 mit rund 1,3 Milliarden US-Dollar Gesamtwert. Zudem prüft ein Komitee unter Tiger Woods einen neuen Turnierkalender, der leistungsorientierter sein und neue Märkte erschließen soll, ohne die Anzahl der Events zu verringern.


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