Golfreisen

Zwei Wochenenden – und warum Golf mich nicht loslässt

19. Feb. 2026 von Jürgen Linnenbürger in Köln, Deutschland

Dubai Creek Resort und Emirates Golf Club (Fotos: Jürgen Linnenbürger)

Dubai Creek Resort und Emirates Golf Club (Fotos: Jürgen Linnenbürger)

Bilder des Tages

Mittendrin statt nur dabei

Beim Dubai Invitational und der Hero Dubai Desert Classic der Rolex Series, erlebe ich Weltklasse-Golf aus unmittelbarer Nähe: im Media Center, von der Pressetribüne, im Gang unter der Tribüne hinter dem 18. Grün auf dem Weg zum Scoring Room.

Die Faszination Golf

Ergebnisse gehören in Tabellen. Gefühle bleiben im Gedächtnis.

Fast vier Wochen sind vergangen, seit ich zwei Turniere der DP World Tour in Dubai begleitet habe. Die Sieger stehen fest, die Tribünen sind abgebaut, der perfekt gepflegte Rasen ist längst wieder Alltag geworden. Und doch denke ich noch immer an diese beiden Wochenenden.

Vielleicht, weil ich seit 35 Jahren selbst Golf spiele. Vielleicht, weil mich dieser Sport nie nur technisch interessiert hat, sondern immer auch menschlich. Und weil ich diese Menschlichkeit so nah wie selten zuvor erleben durfte.

Am Creek – diese besondere Stille

Das Dubai Invitational beginnt ruhig, fast familiär. Der Platz liegt am historischen Creek, das Clubhaus in Form einer Dhow wirkt wie ein Gruß aus einer anderen Zeit. Wasser glitzert an zahlreichen Bahnen, das Zuschauerinteresse wächst von Tag zu Tag.

Einzigartiges Clubhaus (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Einzigartiges Clubhaus (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Am Finaltag entscheidet sich alles auf den letzten Metern. Nacho Elvira behält die Nerven, spielt an der 17 ein Birdie und gewinnt das Turnier. Shane Lowry verliert an der 18 mit einem Doppel-Bogey seine Siegchance. Auch Rory McIlroy verpasst mit einem Bogey ein mögliches Stechen.

Meine Kamera hält die Interviews mit Sieger und Besiegten aus der ersten Reihe fest. Nicht der Score beeindruckt mich, nicht die Zahl unter Par – sondern aus nächster Nähe zu erleben, wie schmal der Grat zwischen Erleichterung, Freude und Enttäuschung ist und sich dies in den Gesichtern widerspiegelt.

Was bleibt, ist dieses Gefühl.

Die Mienen sprechen für sich (Fotos: Jürgen Linnenbürger)

Die Mienen sprechen für sich (Fotos: Jürgen Linnenbürger)

Eine Ikone berichtet

Auf den Bahnen und an den Grüns lausche ich der unverwechselbaren Stimme von Wayne Riley. „Radar“, wie der markante gebürtige Australier genannt wird. Er berichtet nicht aus dem Studio, sondern direkt vom Platz. Ihn zu erleben, wie er das Geschehen mit Fachkenntnis, Leidenschaft und Humor einordnet, beeindruckt mich.

Und es erinnert mich daran, wie nah mein früherer Berufswunsch, Sportreporter zu werden, in diesem Moment gekommen ist.

Immer auf Sendung (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Immer auf Sendung (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Die große Bühne in der Metropole

Eine Woche später: Hero Dubai Desert Classic. Rolex Series. Emirates Golf Club. Riesige Tribünen, mehr Weltklasse-Spieler, höhere mediale Aufmerksamkeit und größeres Zuschauerinteresse.

Die Skyline Dubais rahmt die Bahnen wie eine moderne Kathedrale ein. Das weiße Clubhaus aus Glas und Beton mit seinen sieben Beduinenzelt-artigen Pavillons verbindet Tradition und Gegenwart.

Majilis Course - Emirates Golf Club (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Majilis Course - Emirates Golf Club (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Am Abschlag der Eins, direkt neben dem Clubhaus, bekomme ich bei der vertrauten Begrüßung der Spieler durch den Starter Gänsehaut.

Patrick Reed – absolut kontrolliert

Patrick Reed reist aus den USA an. Seine Ziele sind klar formuliert: sportlicher Erfolg auf der DP World Tour und Rückkehr auf die große Bühne der PGA Tour.

Das gesamte Turnier absolviert er mit einer Nüchternheit, die konzentriert und kühl wirkt. Er nimmt zwölf Bälle mit auf die Runde, alle mit der Nummer 3, dazu sechs Tees – ersetzt wird erst, wenn alle verloren oder zerbrochen sind. Immer das gleiche Ritual.

Ich beobachte ihn beim Aufwärmen auf dem Putting Green. Seine Distanzkontrolle bei langen Putts ist beeindruckend. An seinem Bag entdecke ich Fotos seiner Kinder – ein leiser, persönlicher Kontrast zur kompromisslosen Professionalität auf dem Platz.

Captain America beim Warm-Up (Fotos: Jürgen Linnenbürger)

Captain America beim Warm-Up (Fotos: Jürgen Linnenbürger)

Seine Mimik verrät nichts. Kein Zucken, kein sichtbares Zweifeln. Ein Schlag ins Grün bleibt zu kurz im tiefen Rough liegen, ein Bogey droht – doch er locht den langen Chip zum Birdie.

Amateure wissen, wie außergewöhnlich das ist.

Er dominiert das Turnier. Am Finaltag wird es für eine kurze Zeit noch einmal eng, doch er bringt seinen Vorsprung souverän nach Hause. Im Scoring Room strahlt „Captain America“ nach der gewonnenen Runde schließlich mit einem breiten Lächeln. Die Anspannung ist gefallen. Zwei Meter vor mir bringt er seine Freude dezent zum Ausdruck – nicht laut, aber klar erkennbar.

Außergewöhnliche Momente, die ich bewusst wahrnehme und festhalte.

Der strahlende Sieger (Fotos: Jürgen Linnenbürger)

Der strahlende Sieger (Fotos: Jürgen Linnenbürger)

37 Jahre Golfgeschichte

Bei der Anlieferung der originalen Dallah-Trophäe bietet sich mir die Gelegenheit, sie in den Händen zu halten – diese riesige, silberne Kaffeekanne, die seit Jahrzehnten für dieses Turnier steht.

Sie liegt schwer in den Händen. Namen wie Severiano Ballesteros, Ernie Els und Tiger Woods sind eingraviert. Rory McIlroy gleich viermal. Golf-Geschichte ist in Metall festgehalten.

Eine gewichtige Trophäe (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Eine gewichtige Trophäe (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Eine fast surreale Siegerehrung

Als später Regen einsetzt und Patrick Reed Pokal und Scheck unter Schirmen entgegennimmt, wirkt alles fast unwirklich: Wüste, Weltklasse, Wolkenbruch.

Ich fotografiere inmitten der Scheichs – und schaue zugleich einfach nur hin.

Finde den Fehler (Fotos: Jürgen Linnenbürger)

Finde den Fehler (Fotos: Jürgen Linnenbürger)

Rory – ein Moment zwischen Professionalität und Erinnerung

Im Pressekanal treffe ich auf Rory McIlroy. Das Turnier verläuft für ihn ohne Höhepunkte.

Unsere erste Begegnung liegt lange zurück. Finale der European Tour 2011. Wir wohnen im selben Hotel in Dubai. Ein kurzes Gespräch, ein gemeinsames Foto – und seine spontane Einladung mit ihm gemeinsam zum Platz zu fahren. Ich lehnte ab. Warum, kann ich bis heute nicht erklären.

Once upon a time (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Once upon a time (Foto: Jürgen Linnenbürger)

DP World Tour

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🏆 Race to Dubai

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1.808,4 Pts
3

1.023,0 Pts
4

878,8 Pts
5

872,1 Pts

Nach der Finalrunde stehen wir uns wieder gegenüber. Ich zeige ihm das Foto von damals. Er schmunzelt. Natürlich erinnert er sich nicht.

Unvergessliche Momente (Fotos: Jürgen Linnenbürger)

Unvergessliche Momente (Fotos: Jürgen Linnenbürger)

Und wieder entsteht dieser kurze Moment des Innehaltens.

Für einen Augenblick bin ich nicht nur Journalist, sondern wieder leidenschaftlicher Golfer – derjenige, der diesen Sport liebt und es heute genießt, mit einem der Besten der Welt einige persönliche Worte zu wechseln. Dann ein erneutes Foto.

Ein Freund schrieb mir später, er werde selten neidisch – auf diesen Moment allerdings schon.

Freddy Schott – die leise Entwicklung

Auch Freddy Schott treffe ich nach seiner Runde. Sachlich, reflektiert, nicht ganz zufrieden, ehrlich, freundlich.

Die neue deutsche Hoffnung (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Die neue deutsche Hoffnung (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Eine Woche später gewinnt er in Bahrain sein erstes Turnier auf der DP World Tour – im Stechen gegen keinen Geringeren als Patrick Reed.

Golf erzählt Geschichten nicht immer laut. Manchmal entwickeln sie sich leise weiter.

Warum ich noch immer staune

Ich kenne diese Mischung aus Hoffnung und Zweifel vor einem Schlag. Ich kenne das Glück eines gut getroffenen Drives – und die Ohnmacht nach einem verfehlten, kurzen Putt.

Vielleicht berühren mich diese Wochenenden deshalb so sehr:
Weil ich auch in den Profis dieselben Emotionen erkenne – nur auf einem anderen Niveau.

Golf ist kein Sport des Lärms – nicht in Europa und in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Es ist ein Spiel der Nuancen. Und genau dort, in diesen Nuancen, entsteht die Faszination, die mich bis heute begleitet.

Nicht wegen der Siegerlisten.

Nicht wegen der Preisgelder.

Sondern wegen dieser kurzen, intensiven Momente – und weil ich spüre, warum mich dieses Spiel seit 35 Jahren nicht loslässt.

 

Jürgen Linnenbürger, im Februar 2026

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