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US Open 2019: Was wir von Pebble Beach erwarten dürfen

Pebble Beach ist einer der berühmtesten Golfplätze der Welt. Golfplatzarchitekt Christoph Städler erklärt die Geheimnisse des US-Open-Kurses von 2019.

Urlaubsfeeling bei den US Open am Pebble Beach (Foto: Getty)
Urlaubsfeeling bei den US Open am Pebble Beach (Foto: Getty)

Pebble Beach Golf Links - dieser Name hat in der Welt des Golfsports einen ähnlich elektrisierenden Klang wie Augusta National oder The Old Course of St.Andrews. Der auf der kalifornischen Monterey Halbinsel gelegene Golfplatz zählt zu den spektakulärsten und sportlich anspruchsvollsten weltweit. Kaum ein leidenschaftlicher Golfer, bei dem er nicht auf der Wunschliste der im Leben noch einmal zu spielenden Plätze weit oben steht.

Initiator und Investor des Golfplatzes - neben zahlreichen anderen Immobilienentwicklungen auf der Monterey Halbinsel - war Samuel Morse, übrigens ein Neffe des gleichnamigen Erfinders des Telegraphen und des nach ihm benannten Morse-Alphabets. Vor gut 100 Jahren traf er die unorthodoxe Entscheidung, zwei ehemalige kalifornische Landesmeister names Jack Neville und Douglas Grant mit dem Design des Golfplatzes zu beauftragen, obwohl diese so etwas noch nie zuvor getan hatten. Morse, selber Nichtgolfer, ging schlicht davon aus, dass jeder, der auf Spitzenniveau spielen konnte, auch in der Lage war, ein Top-Golfdesign zu erbringen. Er sollte Recht behalten, was allerdings nicht nur dem Naturtalent der beiden Co-Designer zu verdanken war, sondern auch dem landschaftlich außergewöhnlich spektakulären Gelände, das Morse ihnen zur Verfügung stellte.

Über Meeresbuchten und Klippen

Dieses befindet sich auf einem länglichen, schmalen Küstenstreifen zwischen steil zum Pazifik abfallenden Klippen und dem berühmten 17-Mile-Drive, der dortigen Küstenstraße. Neville und Grant hatten sich zum Ziel gesetzt, möglichst viele Bahnen an der Küste mit ihren steil zum Strand abfallenden Klippen entlang zu führen und auf diese Weise eine Vielzahl dramatischer Golflöcher zu erschaffen, die weltweit ihresgleichen suchten. Dies ist ihnen gelungen: 9 der 18 Bahnen verlaufen entlang der Klippen und teilweise über Meeresbuchten. Die übrigen 9 verlaufen oberhalb dieser Küstenbahnen zunächst vom Clubhaus fort und später wieder zurück.

Der Golfplatz wurde 1919 eröffnet, zu einer Zeit also, als der Golfsport erst begann, sich in den westlichen Staaten der USA auszubreiten. Schon bald verbreitete sich die Kunde über die außergewöhnliche Qualität dieses Golfplatzes und schon 1929 wurde hier die US Amateur-Meisterschaft ausgetragen, die erste auf einem Golfplatz westlich des Mississippi.

Der Pebble Beach Golf Links befindet sich unmittelbar an der Küste. (Foto: Getty)

Der Pebble Beach Golf Links befindet sich unmittelbar an der Küste. (Foto: Getty)

Seit 1947 fand hier jährlich im Januar das Bing Crosby Pebble Beach National Pro-Am statt, das 1986 durch das AT&T Pebble Beach National Pro-Am abgelöst wurde und bis heute eines der telegensten Golfturniere auf der PGA-Tour ist. Es ist das einzige Turnier, wo in den ersten drei Runden Amateure mitspielen dürfen, durchweg "Celebrities" aus Politik und Wirtschaft, Show-Business und Sport. Trotz der in dieser Jahreszeit oft hundsmiserablen Wetterbedingungen, dem sprichwörtlichen "AT&T Weather", ist eine Einladung unter den golfspielenden Prominenten heiß begehrt.

US Open zum sechsten Mal in Pebble Beach

1972 fand hier erstmals eine US Open statt, die der berühmte Jack Nicklaus mit einem Gesamtscore von 2 über Par gewann. Bis heute fand sie 4 weitere Mal dort statt, wobei die Jahre 1982 und 2000 in besonderer Erinnerung geblieben sind. 1982 lochte Tom Watson am 71. Loch aus dem Rough links hinter dem Grün einen Wunder-Chip, wodurch er Jack Nicklaus auf den zweiten Platz verweisen konnte. Im Jahr 2000 staunte die Golfwelt über eine der großartigsten golferischen Leistungen aller Zeiten, als Tiger Woods das Turnier mit 12 unter Par und dem unvorstellbaren Vorsprung von 15 (!) Schlägen auf die beiden zweit platzierten Ernie Els und Miguel Angel Jimenez gewann - der mit Abstand größte Vorsprung aller Zeiten bei einem Major Tournament .



Im Jahr des 100. Jubiläums des Golfplatzes findet in der kommenden Woche die US Open zum 6. Mal in Pebble Beach statt.


Was dürfen wir erwarten?

Was macht diesen Golfplatz unter architektonischen Gesichtspunkten so besonders?

Zunächst einmal sei angemerkt, dass der Name "Pebble Beach Golf Links" irreführend ist, was die Bezeichnung "Links" betrifft. Darunter versteht man üblicherweise einen von Sandboden, Dünen und Festuca-Gräsern geprägten Golfplatz in Meeresküstennähe. Das letztere Merkmal ist zwar zutreffend, aber aufgrund der Topographie und des Links-untypischen Baumbestandes ist der Charakter des Pebble Beach-Golfplatzes als eine Mischung aus "Clifftop" und Parkland zu charakterisieren.

Die optisch spektakuläreren Bahnen sind naturgemäß die, die an der Steilküste entlang führen. Allerdings stellen auch die Inland-Bahnen bezüglich der Anforderungen an Präzision und Spielstrategie sehr hohe Ansprüche, stehen allerdings visuell ein wenig im Schatten der Küstenbahnen - teilweise zu Unrecht. So ist beispielsweise die 2. Bahn, ein langes Par-4 mit dem Grün hinter einem natürlichen Taleinschnitt (das die Amateure als Par-5 spielen) bei der letzten Open statistisch das zweit schwerste Loch. Noch bemerkenswerter ist allerdings, das die im Inland gelegene Bahn 14 als Par-5, wo Professionals normalerweise die niedrigsten Ergebnisse gegen Par erzielen, das dritt schwerste Loch war, welches mit Abstand die meisten Doppelbogeys und schlimmere Katastrophen aufzuweisen hatte. Grund für die hohen Scores: das von den Spielern an meisten gefürchtete Grün, ein Stufengrün, dessen linkes oberes Plateau kaum anzuspielen ist und wo Drei- oder Vierputts sehr häufig vorkommen. Wer als Zuschauer ein Loch beobachten möchte, wo die Spieler am meisten gedemütigt werden, der sollte sich ans 14. Grün stellen.

Auf dem Pebble Beach Golf Links erwartet Sie eine tolle Aussicht. (Foto: Getty)

Auf dem Pebble Beach Golf Links erwartet Sie eine tolle Aussicht. (Foto: Getty)



Zu den spektakulärsten und fotogensten Löchern zählen die Klippenbahnen 6 - 10. Die 6 bildet als relativ kurzes Par-5 sportlich erst den Aufgalopp. Obwohl das Grün "blind" auf einem erhöhten Plateau neben den höchsten Klippen des Platzes liegt, gewährt es allein wegen seiner Erreichbarkeit mit 2 Schlägen die meisten Birdies und Eagles und ist das statistisch leichteste des Golfplatzes. Leichter noch als die nur 97 m lange Bahn 7, die kürzeste aller Major Championship-Plätze. Obwohl sie ohne Wind nur einen halben Gap Wedge erfordert, liegt der Durchschnittsscore selbst für die Top-Spieler dieser Welt über Par. Denn hier herrscht meistens Gegenwind, der oft Sturmstärke annimmt und dann sieht man selbst die Pros zu mittleren und längeren Eisen greifen, so wie Tom Kite bei seinem Sieg 1992. Sein Schlag mit Eisen 6 wurde von einer Windböe erfasst und der Ball weit neben das Grün weggetragen, aber der anschließend auf grandiose Weise eingelochte Pitch führte ihn auf die Siegerstraße. An diesem lächerlich kurzen Loch hat man auch schon des öfteren berühmte Spieler wie Sam Snead mit dem Putter (!) abschlagen sehen. Damit landeten sie zwar in dem Sperrbunker vor dem Grün, aber riskierten wenigstens keine Katastrophe durch einen vom Wind in den Ozean abgetriebenen Ball. Nächste Möglichkeit, den Ball in rückwärtiger Verlängerung zur Kreuzung der Penalty Area an Land zu droppen: Hawaii.

Die in östlicher Richtung an den Klippen entlang laufenden Bahnen 8 - 10 zählen zu den atemberaubendsten und schwersten Par-4-Loch-Sequenzen weltweit. Die spektakulärste Bahn ist die achte, weil der zweite Schlag diagonal über eine mächtige Meeresbucht auf ein schmales, zwischen Bunker und Klippen eingeklemmtes  Grün gespielt werden muss. Statistisch noch schwerer spielen sich die Bahnen 9 und 10, die beide zu den Top 5 der schwersten Löcher zählen, nicht zuletzt wegen ihrer Länge und wegen der bei beiden Schlägen bedrohlich nahen Klippen.

Die folgenden Inland-Bahnen 11 - 16 stellen sportlich ebenfalls große Herausforderungen, sind aber nicht so außergewöhnlich attraktiv wie die Küstenbahnen. Das visuelle Drama findet einen weiteren Höhepunkt auf den beiden am Meer gelegenen Schlussbahnen. Die 17, ein 190 m langes Par-3, führt bei vorherrschendem Gegenwind auf ein sehr breites, aber nur wenige Meter tiefes Grün, das sich noch dazu s-förmig um mehrere Bunker herum windet und sehr schwer zu treffen ist. Hier hat Jack Nicklaus bei seinem Sieg 1972 bei steifem Gegenwind mit seinem Eisen 1 (!) die Fahne getroffen, das anschließende Tap-in-Birdie war nur noch Formsache. Diesen Wunderschlag, erklärte Nicklaus später, würde er sich im Leben nicht noch ein zweites Mal zutrauen.

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Das Beste kommt zum Schluss

Mit das Beste, was der ohnehin großartige Platz zu bieten hat, kommt zum Schluss. Die 18, ein 500 m langes Par-5, führt in sanftem Bogen an der Felsenküste entlang. Hier vereinen sich Schönheit und Herausforderung, stockender Atem und Begeisterung zu einer grandiosen Symbiose. Der ideale Abschlag muss je nach Länge mehr oder weniger stark die Felsenküste abschneiden, Sicherheitsschläge zur abgewandten rechten Bahnseite werden durch Lagen im hohen Gras, in einem der Bunker oder durch eine die Spiellinie blockierende Kiefer bestraft. Auch im weiteren Bahnverlauf kommt die Küste als bedrohlich dichte Penalty Area ins Spiel, zumindest gedanklich. An diesem phantastischen Schlussloch kann immer noch viel Unglück passieren, einen Vorsprung muss man hier erst einmal sauber ins Ziel bringen.

Pebble Beach ist übrigens ein öffentlicher Golfplatz - äußerst ungewöhnlich für einen US Open-Austragungsort. Hier kann jeder spielen, der bereit ist, die rund 500 US-$, die dort als Greenfee zur Zeit aufgerufen werden, zu bezahlen und in einem der Resort-Hotels zu übernachten. Die allermeisten, die das auf sich genommen haben, haben anschließend bekundet, die Golfrunde auf diesem Platz sei jeden Cent des Greenfees wert gewesen. Welcher andere Golfplatz kann so etwas schon von sich behaupten?

(Text: Christoph Städler/ Städler Golf Courses)

Christoph Städler ist seit Mai 2019 Präsident des europäischen Verbandes der Golfplatzarchitekten. Er selbst ist der wohl bekannteste deutsche Golfplatzarchitekt und amtierender deutscher Amateurmeister der Altersklasse über 65.



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