„Maaier“ mäht: Wenn der Maschinen-Kollege auf dem Fairway übernimmt
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„Maaier“ mäht: Wenn der Maschinen-Kollege auf dem Fairway übernimmt

GPS, Radar, Laser und Sensoren machen aus einem Golfplatz-Rasenmäher eine autonome Arbeitskraft. Helfende Hände braucht‘s dennoch.

Kollege Maschine bei der Arbeit: Auf dem Golfkurs The Links Valley in Ermelo/Niederlande ist ein autonomer Fairway-Mäher im Einsatz. (Foto: MichaelF. Basche)
Kollege Maschine bei der Arbeit: Auf dem Golfkurs The Links Valley in Ermelo/Niederlande ist ein autonomer Fairway-Mäher im Einsatz. (Foto: MichaelF. Basche)

Schöne grüne Golfwelt: Freundlich brummende Maschinen verrichten ebenso emsig wie eigenständig ihre Arbeit auf den Fairways und im Semi-Rough; der Homo Ludens, der spielende Mensch geht derweil auf wohlgestutztem Rasen sorglos seiner Passion nach. „Terminator. Das Happy End“? Nein, bloß der – logische – nächste Schritt für den Maschinenpark einer Golfanlage, autonome Mäher, von GPS, Radar und Laser-Entfernungsmessern geleitet, die mit entsprechender Programmierung durchs Gelände „cruisen“ und die Bahnen rasieren. Das aus dem Heimbetrieb sattsam bekannte summende Helferlein für den Rasenschnitt hat‘s vom Garten auf die Golfbahn geschafft.

„Maaier“ ist rot mit weißem Dach, ein Triplex-Mäher, dessen hier verwendeter Name schlicht die entsprechende holländische Übersetzung ist. „Maaiers“ Heimat ist die Golfanlage The Links Valley bei Ermelo in den Niederlanden. Sein Schalensitz ist leer, dafür rotiert über dem Dach eine gelbe Warnleuchte. Daneben prangt ein Schild: „Mäh-Roboter 10 Meter Abstand halten“.

Sensoren warnen, Notstopp bewahrt vor Kollisionen

Als „Maaier“ sich vor dem fünften Grün einem Golfer nähert, der gerade sein Wedge aus dem Bag zieht, biegt das Gefährt erwartungsgemäß ab, kurvt großräumig um das menschliche Hindernis, das ihm seine Sensoren angezeigt haben. In einiger Entfernung nickt Maurice de Bruijne anerkennend, der Head-Greenkeeper ist zufrieden mit seinem Blechkollegen, den er über eine App im Handy kontrollieren und steuern kann und von dem er per WhatsApp sogar Nachrichten empfängt (siehe Screen Shot).

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Etwa, wenn wegen eines unvorhergesehenen Hindernisses die Richtung geändert werden muss. Oder, wenn aus irgendeinem Grund der Motor abstirbt. Dann kommt die Meldung sogar mit Standortangabe. Und spränge jemand „Maaier“ vor den Bug, brächten die Sensoren den Mäher sowieso sofort zum Halten. Der Spieler freilich nimmt kaum Notiz vom roten Ungetüm.

Führerloses Fahrzeug erzeugt anfangs Aufsehen

Anfangs allerdings habe „Maaier“ natürlich für einiges Aufsehen gesorgt, erzählt De Bruijne, Zudem  ab und an durchaus Befremden ausgelöst. Mehr als einmal klingelte im Klubhaus von The Links Valley das Telefon, weil besorgte Golfer vom Platz anriefen und ein vermeintlich führerlose Fahrzeug meldeten, dessen Chauffeur womöglich wegen eines Schwächeanfalls ohnmächtig aus dem Sitz gefallen sei.

Der dienstbare Geist ist halt letztlich ein standardmäßiger Toro Reel Master, der vom niederländischen Spezialisten „Precision Makers“, einer Tochter der „Dutch Power Company“ per elektronischem Steuerungsmodul, GPS- und Radar-Hardware sowie Sensoren zur Erkennung von Hindernissen für den autonomen Einsatz auf der Anlage im Gelderland aufgerüstet wurde, wo die Inhaberfamilien Woltering und Rozendaal seit Sommer 2018 mit dem ersten reversibel, also im und gegen den Uhrzeigersinn bespielbaren Golfkurs Europas ohnehin innovative Wege gehen.



Effizienterer Arbeitseinsatz im Greenkeeping

„Precision Makers“ hat übrigens mittlerweile eine exklusive Partnerschaft mit John Deere zur Entwicklung nachhaltiger Lösungen für die Rasen- und Grundstückspflege verkündet. „Aufgrund steigender Lohnkosten und des Fachkräftemangels suchen die Betriebe verstärkt nach autonomen Lösungen. Sie versprechen sich davon eine präzise und effiziente Pflege der Grünflächen“, erklärt Manny Gan, Direktor Global Golf bei John Deere in einer entsprechenden Mitteilung.

"Maaier" mäht: Der Toro Reel Master wurde von einer Spezialfirma für den selbsttätigen Einsatz aufgerüstet. Foto: Michael F. Basche

"Maaier" mäht: Der Toro Reel Master wurde von einer Spezialfirma für den selbsttätigen Einsatz aufgerüstet. Foto: Michael F. Basche

Auch die Pflegemannschaft von The Links Valley war nicht auf Anhieb begeistert vom Team-Zuwachs. „Maaier“, so die Befürchtung, könnte menschliche Ressourcen ersetzen und Arbeitsplätze kosten. „Nein“, lacht De Bruijne, „wir können dank seiner nur die Arbeitskraft effizienter einsetzen. Das eröffnet bei der Personalplanung neue Spielräume.“ Will heißen: Statt stundenlang auf dem Mäher zu hocken und auf und ab zu fahren, haben The Links Valleys Greenkeeper seither die Hände frei für Tätigkeiten, die manuelles Geschick erfordern. In den USA arbeiten mittlerweile sogar Grünsmäher, die in 50 Minuten 650 Quadratmeter Puttfläche abgrasen, derweil der Aufsicht führende Greenkeeper parallel die Fahne umpflanzt oder die Sprinklerköpfe frei schneidet.

Entsprechende Versuche seit Anfang des Jahrtausends

Neu ist die Idee von der autonomen Arbeit auf dem Golfplatz nicht. Schon 2002 experimentierte Toro mit selbstfahrenden Maschinen und kooperierte dafür mit dem National Robotics Engineering Center (NREC) in Pittsburgh/USA, das unter anderem für das amerikanische Verteidigungsministerium, aber ebenso für Industriepartner wie Toro oder John Deere arbeitet. Damals wurde das Projekt aus Kostengründen und mangelnder Genauigkeit des GPS erstmal ad acta gelegt.

Mittlerweile ist das Trackingsystem signifikant präziser und leitet den Mäher auf den Zentimeter genau, das Steuerungsmodul funktioniert selbst bei schwachem Empfang, die Algorithmen der Programmierung sind ausgereifter, die Sensoren kostengünstiger.



Manchmal ist „Maaier“ einfach nur „Lost“

Bei alldem ist der brave „Maaier“ ein eher leicht beschränkter Kerl und Lichtjahre entfernt von denkenden Maschinen à la „Nummer 5 lebt“ oder „WALL.E – Der Letzte räumt die Erde auf“, die im Science-Fiction-Kino schon für Furore sorgten. „Maaier“ hingegen ist gelegentlich ohne helfende Hände restlos aufgeschmissen.

15e50aed-243b-4847-b5b0-925315c74513_2Zum Beispiel, wenn das GPS mal nicht mehr weiter weiß, weil sich programmierte Gegebenheiten durch natürliche Einflüsse leicht verändert haben und die Route nicht mehr erkennbar ist. Dann aktiviert sich die Notstopp-Schaltung, der orientierungslose, verirrte „Maaier“ fällt ins Koma – und in Maurice de Bruijnes Handy leuchtet eine Nachricht auf: „Lost“(siehe Screen Shot).



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