Der unaufdringliche Luxus des K Club: Entspanntes Golf mit Zeitsprung
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Der unaufdringliche Luxus des K Club: Entspanntes Golf mit Zeitsprung

5-Sterne-Resort nahe Irlands Kapitale Dublin ist ein feiner Country Club mit großer Vielfalt und zwei tollen Arnold-Palmer-Kursen.

Feiner Country Club mit großer Vielfalt und zwei tollen Arnold-Palmer-Kursen: Der K Club nahe Irlands Kapitale Dublin. Foto: The K Club.

Was ist Luxus? Mein Haus, mein Auto, mein Was-auch-immer? Gewiss nicht mehr. In dieser überhitzten Moderne – maßlos durch ständig Verfügbares; gebeutelt von Gesinnungen statt geprägt von Haltung, belastet durchs Leben am Steilhang der normierten Hyperaktivität – bedeutet Luxus zuvorderst: Zeit. Zeit zu haben, zu finden, zu bekommen. Zeit für Auszeiten. Nichtstun ist ein hohes Gut geworden, nur zu machen, was man selbst wirklich will, ohne all die Mechanismen des Müssens. „Zeitverschwendung braucht ihre Orte“, hat der 2018 verstorbene österreichische Philosophieprofessor Peter Heintel mal gesagt.

Langer, Woosnams 12 und McIlroy feierten hier Siege

Als Golfer zumal weiß man um solche Orte, schätzt sie als Refugien für den Rückzug vom Tempo des Tages und der Welt. So was geht einem durch den Kopf, während der Shuttle vom Dubliner Flughafen nach halbstündiger Fahrt durch Irlands Country Side das Tor zum K Club passiert; schon die Einladung zu dieser Pressereise hat solche Assoziationen ausgelöst, hat geschenkte Zeit versprochen.

Der Weg zwischen dem dichten Grün hinter den Sandsteinsäulen gleicht einer Schleuse; es gab früher diese Sci-Fi-Serie „Time Tunnel“; alles wirkt ein wenig versetzt. Und auch die innere Uhr tickt unwillkürlich langsamer, wenn das imposante weiße Palast-Bauwerk sich linker Hand ins Blickfeld schiebt. Dieser K Club in all seiner splendiden Attitüde scheint etwas aus der Zeit gefallen, seiner touristischen Betriebsamkeit und dem sportlichen Hintergrund zum Trotz, der überstrahlt wird vom Ryder Cup 2006, von 13 European Open zwischen 1995 – damals gewann Bernhard Langer – und 2007 sowie vom Sieg Rory McIlroys vor drei Jahren bei der Irish Open, die derzeit auf den Links von Lahinch zum 64. Mal ausgetragen wird.

Vor dem Golf kommen die Pferde: Galopper-Passion allerorten

Von Golf freilich ist erst mal wenig zu sehen und zu spüren, als sich die Gruppe zum „Welcome“ mit den Gastgebern versammelt. Auf den Fluren und in den Sälen des K-Club-Hotels dominieren die Rennpferde und dazu Kunst in munterer Melange. Besitzer Sir Michael Smurfit, dessen Dynastie ihr Geld mit Papiermühlen, Papierherstellung sowie Verpackungen gemacht hat und den im K Club alle nur „Doktor“ nennen, pflegt eine veritable Leidenschaft für Vollblüter. Die Wände der Lounge sind ein hippologisches Pantheon; das County Kildare ist ohnehin die Hochburg des irischen Galopprennsports.

Und seit die Smurfit-Galopper Media Puzzle (2002) und Vintage Crop (1993) den renommierten Melbourne Cup gewonnen haben, kommt gehöriger Stolz dazu, der sich unter anderem in den Namen der beiden Bars oder in einer Vitrine mit den Utensilien der siegreichen Jockeys niederschlägt, einem Sattel von Untertassengröße und sockenartigen Lacklederstiefelchen beispielsweise.

So drehen sich die ersten Gespräche genau um dies und das, um die Passionen des Besitzers, um die Historie des Hauses, um Selbstverständnis und die Offerten an die Gäste. „Sophisticated“ nennt die englischsprachige Welt eine derartige Gesprächskultur, nein, gleich die ganze dazugehörige Lebensart.



Üppiger Klassizismus und weinselige Historie

Ende des 18. Jahrhunderts verließ der Winzer Hugh Barton seine Güter im Bordeaux und floh vor der Französischen Revolution und der drohenden Guillotine in die Heimat seiner Vorfahren, erwarb 1831 am Rand des Weilers Straffan eine 223 Hektar umfassende Liegenschaft und errichtete im Jahr drauf am Ufer des Flüsschens Liffey das originäre Straffan House als Kopie eines berühmten Chateau nahe Paris.

Der Geist jener Zeit spiegelt sich bis heute etwa in den Hausweinen, die vom weltbekannten Bordeaux-Weingut Léoville Barton exklusiv für den K Club produziert und von Sommeliere Lisa O’Doherty nebst etlichen önologischen Kostbarkeiten im Schlossgewölbe gehütet werden, in den Tapisserien an den Wänden oder im Deko-Stil der 134 samt und sonders individuell arrangierten Zimmer und Suiten.

Vintage in Reinkultur, dabei gemütlich und gastlich

Haben die Räumlichkeiten des 2015 angebauten Liffey-Westflügels eine eher klassisch zu nennende Möblierung und Ausstattung, so prunken die diversen Suiten mit Antiquitäten, Brokat, aufwändig drapiertem Stoffen, Volants, Schabracken an den Himmelbetten und jeder Menge Plüschigkeit. Vintage in Reinkultur, das muss man mögen.

Der K Club ist üppig, reiner Klassizismus, ein Idealbild anglophiler Gemütlichkeit und Gastlichkeit. Die heuer oft favorisierte stilistische Design-Klaviatur von Purismus und Minimalismus hat dort keinen Platz. Dabei herrscht selbstredend modernster Komfort, alle Einrichtungen sind State of the Art. Bei seiner Eröffnung 1991 nach dreijährigem Ausbau war The Kildare Hotel and Golf Club mit damals lediglich 36 Zimmern das erste 5-Sterne-Haus Irlands, 2013 hat Smurfit erneut 20 Millionen Euro in die Renovierung des Hotelensembles gesteckt.



Entspannte Professionalität ohne steife Attitüde

Nirgendwo wird der Kontrast zwischen dem Charme des Antiquierten und den Annehmlichkeiten der Neuzeit deutlicher als beim Weg ins supermoderne und mit allerhand Wohlfühlprogrammen breit aufgestellte Spa, der durch einen fast verwunschenen viktorianischen Garten zwischen den einstigen Gesinde-Wohnungen im Ostflügel des ehemaligen Barton-Familiensitzes führt. Wieder steht die Zeit irgendwie still.

image00021 Wenn die Zeit still zu stehen scheint: Der viktorianische Garten im Innenhof des alten Herrenhaus-Flügels. Foto: Michael F. Basche.

Beileibe aber kommt dieser „Understated Luxury“, der „unaufdringliche Luxus“, für den man sich zurecht rühmt, nicht mit gesellschaftlicher Steifigkeit daher. Die Gastgeber und ihre gesamte Belegschaft sind von entspannter Professionalität, zugewandt, aufgeschlossen und vorausschauend, der Service ist sowieso perfekt.

In der Media Puzzle Lounge sitzt mittags überdies ein lässig gekleidetes und vielfach jüngeres Publikum. Denn bei all seiner manchmal antiquiert wirkenden Pracht ist der K Club zuvorderst ein familienfreundlicher Country Club von zwar feiner, gleichwohl lebhafter sportlicher Provenienz.

Falken und Forellen, Tontauben und Tennis

Am nächsten Morgen dürfen wir uns davon überzeugen, das Anwesen präsentiert seine Vielfalt. Falkner Brian McCann führt die gefiederte Truppe vor: vom Steinadler über diverse Eulen und den seltenen Sakerfalken bis hin zu jener Bussard-Dame, die mit ihrem mordsmäßigen Schnabel ein nervös machendes Faible für die Hand des Autors entwickelt, der sie zum Tête-à-Tête halten darf und beruhigend ihr Gefieder streicheln soll. Der Finger ist übrigens heil geblieben; daran liegt‘s nicht, wenn der Golfgriff manchmal falsch sitzt ...

IMAG3358 Tête-à-Tête mit einer Bussard-Dame: Finger und Hand des Autors blieben übrigens unbeschadet. Foto: Oliver Treptow.

Im K Club können Groß und Klein reiten, 40 Pferde stehen in den Stallungen der angrenzenden Abbey Field Farm, für Reitlektionen, kleine Springwettbewerbe oder Ausflüge hoch zu Ross ins verschwenderisch grüne Umland. Es gibt Tontauben-, Bogen- und Luftgewehrschießen auf speziellen Schießständen, Kajaktouren auf dem malerischen Liffey. Tennis ist selbstverständlich. Und natürlich Angeln. Die ebenso hohe wie filigrane Kunst des Fliegenfischens, um genau zu sein.

Glaubt man „Fishery Manager“ John O‘Neill, dann beherbergt das Flüsschen, das über 132 Kilometer durch drei Counties und mitten durch die lebhafte Kapitale Dublin fließt, bevor es in die Irische See, mündet, eh die fettesten Forellen weit und breit. Wer Kompetenz sucht und Anglerlatein im guten Wortsinn mag, ist bei O‘Neill jedenfalls bestens aufgehoben. Tiger Woods oder der verstorbene George Bush Sr. könnten das bestätigen.

Im Ryder-Cup-Clubhaus ist Arnold Palmer omnipräsent

War da nicht noch was? Ach ja, Golf. Als wir Medienmenschen im Anschluss das 2005 gebaute neue Straffan House besichtigen, eine Art Dependance mit zehn Schlafzimmern, Heimstatt des in Monaco lebenden und dort als irischer Honorarkonsul amtierenden Patrons Smurfit, die samt Pool im Keller, Kinosaal im Obergeschoss und eigenem Personal allerdings auch an Gästegruppen vermietet wird, da gewährt die Aussicht vom Balkon den Blick auf ein Grün. Das Zehnte des Ryder-Cup-Kurses, wie wir erfahren; ähnlich nah wie dessen 17. Fairway vor der kleinen Terrasse meines Zimmers. Wir zählen die Minuten bis zur ersten Tee Time …

Immerhin haben wir am ersten Abend schon mal Golfluft geschnuppert. Beim Dinner im „Legends“- Restaurant des Palmer-Clubhauses, wo „King Arnie“ so omnipräsent ist wie Smurfits hochdekorierte Pferde im Hotel und im Straffan House.

Unmanikürter Parkland-Kurs, Linksdesign mit Hollywood-Effekt

Der 2016 verstorbene Arnold Palmer zeichnet mit seiner Designfirma für beide 18-Loch-Plätze des K Club verantwortlich, konzipierte 1991 im einstigen Schlosspark den nach ihm benannten Ryder-Cup-Kurs, ein sehr naturbelassenes, erfreulich wenig manikürtes Parkland-Geläuf, das mehr Präzision denn Länge erfordert und 2006 zur Bühne des 18,5:9,5-Triumphs von Ian Woosnams „12“ um den Turnierhelden Darren Clarke über die von Tom Lehman angeführte US-Equipe wurde.

2003 folgte der Smurfit Course, ein Design in Links-Manier, realisiert auf den ehemaligen landwirtschaftlichen Ländereien. Ein Team von „Terra Formern“ aus der Traumfabrik Hollywood verpasste dem Layout sogar einen mit Wasser gefüllten künstlichen Steinbruch. Während unseres Gastspiels am zweiten Tag des Aufenthalts blies zudem tosender Wind – stilgerecht und vor allem echt, weil aus Mutter Naturs Effektekiste.


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Fine Dining im Schatten des Vollblutzucht-Urahns

Beim abschließen Essen sind wir wieder unter Pferden. Buchstäblich. Die gute Stube des K Club heißt „The Byerley Turk“, benannt nach einem der drei Hengste aus dem 17. und 18. Jahrhundert, die als Begründer und Urahnen der modernen Vollblutzucht gelten. Kunstsammler Smurfit hat vor Jahren ein Porträt des Stammvaters ergattert, das riesige Ölbild hängt seither an der Stirnwand des Fine-Dining-Restaurants und gibt ihm seine Namen. An den Tischen darunter wird eine moderne internationale Küche serviert, basierend zumeist auf regionalen oder rein irischen Erzeugnissen.

Für mich wenigstens setzt Golf dann doch den Schlusspunkt. Ich habe am nächsten Tag vor der Abreise Gelegenheit zu einer weiteren Runde im morgendlichen Niesel auf dem Ryder-Cup-Geläuf. Doch davon demnächst mehr. (www.kclub.ie)

Hinweis: Golf Post wurde zu dieser Reise vom K Club und von Tourism Ireland eingeladen. Der Artikel spiegelt jedoch ausschließlich eigene Eindrücke und Meinungen wider.



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