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Zum Teufel mit den Golf Regeln

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10. Okt 2014
Außergewöhnliche Situation auf dem Platz - was tun? Selbst die Profis leisten sich hin und wieder einen Fauxpas! (Foto: Getty)
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Schonmal die Chance auf ein Major verpatzt, weil Sie eine falsche Score-Karte unterschrieben haben? Die skurrilsten Regelverstöße der Golf-Geschichte.

Dass es auf Amateur-Niveau immer wieder zu Auseinandersetzungen auf dem Golfplatz kommt, weil bestimmte Golf Regeln bekannt oder nicht bekannt sind, unterschiedlich interpretiert oder schlicht nicht akzeptiert werden, das ist weithin bekannt. Im professionellen Golf kommt sowas aber nicht vor, immerhin sind die Vorgaben der regelgebenden Mächte des Golfsports, der R&A und der USGA, das Handwerkszeug eines jeden Spielers. Die meisten von ihnen gehen schon Jahrzehnte mit den 34 Regeln um und sollten diese wie aus dem Effeff beherrschen. Dass dies nicht immer stimmt, beweist nicht nur der Fall Seung-Yul Noh aus der abgelaufenen Saison ’13/’14.

Golf Regeln – Platzreife: Frage 149

„Nach einem missglückten Abschlag liegt der Ball auf dem Grün der benachbarten Bahn. Der Spieler weiß zwar, dass er den Ball zur Schonung des Grüns aufnehmen muss, aber wo und wie er sein Spiel fortsetzen darf, weiß er nicht.“ In Vorbereitung auf die Platzreife wird also davon ausgegangen, dass der Spieler weiß, dass er seinen Ball zur Schonung des Grüns einer benachbarten Bahn straffrei droppen darf. Auf der PGA Tour ist diese Regel noch nicht bei allen angekommen. Der Südkoreaner Seung-Yul Noh sagte jedenfalls, er hätte noch nie davon gehört – das Resultat: Zwei Strafschläge und Arbeit für den Grün-Doktor.


Sie hätten es natürlich alle gewusst, aber der Vollständigkeit halber die richtige Verfahrensweise: „Der Spieler muss den nächstgelegenen Punkt ohne Behinderung außerhalb des Grüns ermitteln und ausgehend von diesem Punkt seinen Ball innerhalb einer Schlägerlänge, nicht näher zur Fahne, fallen lassen. Die Behinderung ist nur auf die Balllage beschränkt und gilt nicht für den Stand oder Raum des beabsichtigten Schwungs.“

Lieber nochmal drüber gucken

Doch bevor es heißt, die Profis von heute könnten den Ball zwar 350 Meter weit schlagen, aber hätten den Geist des Spiels nicht mehr verinnerlicht, wagen wir einen Blick in die Vergangenheit. Als einer der denkwürdigsten Momente der Masters-Geschichte ging die Entscheidung um den Major-Sieg 1968 ein. Roberto De Vicenzo, der amtierende Open-Champion, und Bob Goalby sollten den Sieg eigentlich im Stechen ausspielen, als plötzlich klar wurde: De Vincezo hatte an der 17 eine drei gespielt, sein Flight-Partner Tommy Aaron trug aber eine vier in die Score-Karte ein. De Vincenzo unterschrieb sie. Einmal unterschrieben bleibt der Score bestehen – statt eines 18-Loch-Playoffs am nächsten Tag wurde seine Reaktion berühmt: „Was bin ich für ein Trottel!“

Stadler stellte die Szene vor der Abholzung nochmal nach. (Foto: Getty)

Stadler stellte die Szene bei der Abholzung nochmal nach. (Foto: Getty)

Was hat ein Handtuch mit den Golf Regeln zu tun?

Torrey Pines 1987: Craig „The Walruss“ Stadlers Ball liegt am dritten Tag der PGA Championship unter einem Baum. Der Amerikaner, bekannt für seinen eigenwilligen Schwung, spielt den Ball im knien. Um sich nicht dreckig zu machen, legte er zuvor ein kleines handtuch auf den Boden. Am Ende des Turniers wurde Stadler Zweiter, aber disqualifiziert, da er am Tag zuvor aufgrund dieser Situation einen falschen Score unterschrieben hatte.

Nach Regel 13-3 „Lage, Raum des beabsichtigten Stands oder Schwungs, oder Spiellinie verbessern“ hätte sich Stadler zwei Strafschläge notieren müssen. Nette Anekdote: Acht Jahre später sollte der Baum entfernt werden. Stadler ließ es sich nicht nehmen, selbst Hand anzulegen, und „rächte“ sich rustikal mit Kettensäge und einem breiten Grinsen.

Kündigungsgrund: Nicht beachten der Golf Regeln

Als Ian Woosnam in der Finalrunde der Open Championship 2001 am zweiten Abschlag stand, hatte er sich gerade mit einem Birdie auf Loch eins in die geteilte Führung gespielt. Plötzlich klopfte ihm sein Caddie Miles Byrne auf die Schulter und sagte wahrscheinlich ungefähr sowas: „Ähm, Chef, ich hab vergessen den zweiten Driver, den Du auf der Range getestet hast, aus dem Bag zu nehmen.“ Die maximale Anzahl an Schlägern, die in den Golf Regeln auf 14 festgelegt ist, war also um eins überschritten. Der Driver landete im Busch, Woosnam wurde mit zwei Strafschlägen noch Dritter und der Caddie bekam noch eine Chance. Zwei Wochen später stellte sich heraus: Zu Unrecht. Byrne verschlief am letzten Tag des Scandinavian Masters 2001 die Tee Time Woosnams, der mit Hilfe der Offiziellen sogar seinen Spint aufbrechen musste, um an seine Schuhe zu kommen – den Schlüssel hatte Byrne. Das war, verständlicherweise, zu viel des Guten, und Byrne durfte sich einen neuen Arbeitgeber suchen.

Bunker oder nicht Bunker, das ist hier die Frage

Dustin Johnson machte zuletzt mit seiner freiwilligen – oder doch unfreiwilligen? – Pause vom Profi-Golf Schlagzeilen. Bei der PGA Championship 2010 war das anders. „Moment!“, werden deutsche Golffans sagen, „2010? Da hat doch Martin Kaymer im Stechen gegen Bubba Watson gewonnen!“ Absolut richtig. Hätte allerdings Dustin Johnson keinen Regelverstoß begangen, hätte Kaymer auch ihn im Stechen besiegen müssen.

Doch „DJ“ dachte, einer der 1200 Bunker in Whistling Straits wäre nur ein durch Zuschauer platt getretenes Stück Rough gewesen, und setzte vor dem Schlag seinen Schläger auf. In der Tat wurde die Zwei-Schläge-Strafe sehr kontrovers diskutiert, da die Lage nicht direkt als Bunker ersichtlich war. Allerdings wurden die Spieler im Vorfeld über den Umgang mit den hunderten Bunkern informiert – die Entscheidung stand, und Martin Kaymer holte sich sein erstes Major.

Tiger beim Masters: Erst Pech, dann Dummheit

Im Jahr 2013 konnte Tiger Woods fünf PGA-Tour-Turniere gewinnen und sich wieder an die Spitze der Weltrangliste spielen. Dabei passierten ihm allerdings Fehler, die ihm in etlichen Jahren zuvor nicht passierten. Gleich zu Beginn der Saison verpasste Woods den Cut in Abu Dhabi wegen der Strafschläge für einen nicht regelkonformen Drop. Der eigentliche Aufreger der Saison folgte allerdings beim ersten Highlight 2013, dem Masters: In der zweiten Runde pitchte Woods seinen Ball an den Fahnenstock auf Loch 15, sodass dieser zurück ins Wasser rollte. Er droppte den Ball und spielte Bogey. Im anschließenden Interview sagte Woods, er habe absichtlich zwei Yards weiter hinten gedroppt, um eine passendere Schlaglänge zu haben. Die Regel besagt allerdings, dass der Ball möglichst nah an der Stelle gedroppt werden muss, wo er zuvor lag.

Doch damit nicht genug. Anstatt Woods wegen der Unterzeichnung einer falschen Score-Karte zu disqualifizieren, brummten die Offiziellen ihm „nur“ zwei Strafschläge auf – schnell war die Rede von „Woods-Bonus“ und Ähnlichem. Vor der Saison ’13/’14 wird sich Tiger Woods das kleine Heftchen mit den 34 Golf Regeln bestimmt nochmal genauer angesehen haben.

Oliver Felden

Oliver Felden - Freier Autor für Golf Post

Während seines Studiums der Sportwissenschaft und Germanistik kam er über das Crossgolfen auf die gemähten Wiesen der Republik. Seine Waffen sind die kurzen Eisen, doch der Putter bringt ihn noch viel zu oft auf den Boden der Tatsachen zurück. Seine Abschlussarbeit hatte den Titel: "Golf in der Schule - Bildungspotenziale und Grenzen".
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