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Yips im Golfsport – ein verbreitetes Phänomen

17. Okt 2013
Das Phänomen Yips ärgert auch Golf. (Foto: Flickr, Gardenspics)
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Ein Forschungsprojekt zum Phänomen Yips ist zur Zeit an der Deutschen Sporthochschule Köln im vollem Gange. Erste Ergebnisse sind vielversprechend.

Bernd Gerland arbeitet zusammen mit dem Psychologischen Institut der Deutschen Sporthochschule in Köln. Unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. Raab erforscht der Promotionsstudent seit zehn Monaten intensiv das Phänomen Yips. Das durch das Bundesinstitut für Sportwissenschaft geförderte Projekt „ Yips als Leistungskiller in der olympischen Sportart Golf“ soll neue Aufschlüsse über Diagnostik, Prävention und Rehabilitation liefern. Vieles rund um das Phänomen ist nach wie vor ungeklärt. Die Wissenschaft steckt in diesem Bereich noch in Kinderschuhen. In Köln werden allerdings erste Erfolge bei der Bekämpfung erzielt – das Projekt endet 2014.

Leistungskiller im Spitzensport

Einen Namen bekam das unwillkürliche Muskelzucken vom dreifachen Major-Sieger Tommy Armour. Armour spielte zwischen 1927 und 1931 sein bestes Golf. Im Laufe der Jahre entwickelte sich beim Putten eine Bewegungsstörung, die er nicht mehr in den Griff bekommen sollte. Das ein ungewolltes, ruckartiges Muskelzucken auf dem Grün, kurz bevor der Schläger den Ball berührt nicht förderlich ist, erklärt sich selbst einem Golf-Laien. Mit der Feststellung: „Once you got ‚em, you have ‚em.“, verabschiedete er sich von der großen Golfbühne und beendete seine Karriere frühzeitig. Mit dem Problem ist Armour längst nicht allein. Größen wie Ben Hogan, Arnold Palmer, Sam Snead oder Tony Jacklin leiden oder litten unter dem Puttyips.

Bernhard Langer gehört auch zu den betroffenen, die seit Jahren zu kämpfen haben. Legendär sind seine Versuche am 17. Loch bei den British Open 1988. Für 100 Zentimeter bis zum Loch benötigte der Weltklasse Golfer fünf Schläge. Unkontrollierbare Kontraktionen der Muskeln ließen ihn verzweifeln. Die Überschrift des Guardian „Der Yips ist wieder da, um ihn zu quälen“ verdeutlichen das Drama, in der sich aber nicht nur Golfer, sondern auch Dartspieler, Tennisspieler oder auch Musiker befinden können. Langer weiß sich inzwischen zu helfen mit seinem angepassten Putter, wie er mit der Regeländerung zu den Olympischen Spielen 2016 umgeht bleibt abzuwarten.

Die Ursache: Neurologisch oder Psychologisch?

„Es gibt zwei gegensätzliche Möglichkeiten, die für eine Ursache von Yips sprechen und diskutiert werden“, sagt Gerland. Hat das Zucken, Zittern oder Verkrampfen der Muskulatur einen neurologischen Hintergrund und ist eine Folge von strukturellen Veränderungen im Gehirn? Der erfahrene Diplomsportlehrer tippt auf ein Problem psychologischer Natur. „Bei Putt-Tests ohne Ball wurden die Bewegungen von den Probanden korrekt durchgeführt, was für ein  psychologisches Problem spricht.“

Des Weiteren erklärt der Doktorand die Methodik seiner Untersuchung: „Der Aufbau der Studie ist eine Mischung aus Fragebogen und einer motorischen, kinematischen Analyse. Anhand der Ergebnisse, die mit den im Vorhinein festgelegten Benchmarks verglichen werden, wird in Zukunft eine Diagnose möglich sein. Beim Fragebogen müssen dafür allerdings noch die Teilnehmer aus der Wertung genommen werden, die glauben unter Yips zu leiden, es jedoch gar nicht tun.“

Paradoxe Aufgabenstellungen

Der PGA-Golflehrer hat eine große Stichprobe, um dem Yips auf die Spur zu kommen. Die Probanden reichen vom Hobbyspieler bis zum Spitzengolfer. Im Institut erlernen sie in 30 bis 45 minütigen Trainingseinheiten die Puttbewegung noch einmal ganz neu. Alte Bewegungsmuster müssen aufgebrochen werden. Gerland vermittelt ihnen ein „neues Bewegungsgefühl“ beim Einlochen. „Die individuellen Einheiten sind erfolgsversprechend, das Phänomen ist bereits bei einigen verschwunden“, sagt der Promotionsstudent und macht somit tausenden von Golfern Hoffnung. Ein Allheilmittel gibt es für die Bewegungsstörung nicht, aber es gibt erste Fortschritte bei den Interventionen: „Der Schlüssel scheint ein Reihe von paradoxen Aufgabenstellungen zu sein. Beispielsweise müssen die Spieler gegen einen festgeklebten Ball putten, den Ball unter Wasser treffen oder kurz vor dem Treffpunkt den Ball eigenhändig mit einem Seil wegziehen.

Angst – Ursache oder Folge?

Das nahverwandte psychologische Thema „choking under pressure“ weist Parallelen zum Yips auf, kann aber nicht damit gleichgesetzt werden. Der Leistungsabfall unter einer Drucksituation ist ebenfalls nicht ausreichend erforscht und beschäftigt sich unter anderem auch mit der Angst vor dem Versagen. „Angst ist sicher ein verstärkender Effekt beim Yips“, sagt Gerland. Chronisch leidende Yipper und Amateure, die auch ohne Druck die Störung im Handgelenk aufweisen sprechen allerdings dafür, dass es nicht die alleinige Ursache ist.

In Kooperation mit dem Deutschen Golfverband wird das Projekt noch bis Ende nächsten Jahres laufen. Hoffen wir das Bernd Gerland mit seiner Doktorarbeit bis dahin dem Phänomen Yips noch näher auf die Spur gekommen ist.

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