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„Europa startet immer mit seinen stärksten Spielern in die Singles“

28. Sep 2014
Tom Watson in der Pressekonferenz nach der Verkündung der Singles-Paarungen am Samstagabend in Gleneagles beim Ryder Cup 2014. (Foto: Getty)
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Die Paarungen zu bestimmen ist die wichtigste Aufgabe der Kapitäne beim Ryder Cup. Wie sie ihre Entscheidungen fällen und warum.

In wenigen Minuten beginnt die finale, die wohl spannendste Runde des Ryder Cups. Spieler gegen Spieler kämpft heute jeder auf sich allein gestellt um einen der wichtigen zwölf noch zu vergebenden Punkte.

Dabei hatte bis zum Vorabend der Singles keiner der 24 Spieler auch nur eine Ahnung, gegen wen er am Sonntag spielen würde. Das ist beabsichtigt; die Kapitäne müssen ihre Aufstellung herausgeben, ohne die des gegnerischen Kapitäns zu kennen. Das Geheimnis wird erst gelüftet, wenn beide Kapitäne sich festgelegt haben. Einzig beeinflussbar für die Kapitän ist deshalb die Reihenfolge der eigenen Spieler – sie bestimmt, ob jemand früh auf die Runde geht und früh auf den Ergebnistafeln erscheint oder nicht – und diese Reihenfolge richtet sich vor allem nach der in den vergangenen Tagen gezeigten Spielstärke.


Teetime Team Europa Team USA
12:36 Uhr Graeme McDowell Jordan Spieth
12:48 Uhr Henrik Stenson Patrick Reed
13:00 Uhr Rory McIlroy Rickie Fowler
13:12 Uhr Justin Rose Hunter Mahan
13:24 Uhr Stephen Gallacher Phil Mickelson
13:36 Uhr Martin Kaymer Bubba Watson
13:48 Uhr Thomas Björn Matt Kuchar
14:00 Uhr Sergio Garcia Jim Furyk
14:12 Uhr Ian Poulter Webb Simpson
14:24 Uhr Jamie Donaldson Keegan Bradley
14:36 Uhr Lee Westwood Jimmy Walker
14:48 Uhr Victor Dubuisson Zach Johnson

Ryder Cup Singles: Wer zuerst?

„Europa startet immer mit seinen stärksten Spielern in die Singles“, gibt Tom Watson, Team-Kapitän der US-amerikanischen Mannschaft am Samstagabend seine Beobachtung aus den letzten Jahren wieder. „Das ist typisch für einen europäischen Kapitän.“ Er habe deshalb seine beiden vielversprechendsten Spieler an den Anfang gesetzt: Jordan Spieth und Patrick Reed. „Die Rookies sind unser Highlight“, so Watson. „In unserem Team ist eine Art eine Evolution im Gang und diese Spieler haben in den letzten Tagen so gut gespielt, sie könnten die Zukunft des Ryder Cups sein.“

Die stärksten drei, vier Spieler voran, damit im Idealfall schon früh eine Führung entsteht und hinten raus eine Absicherung durch einen zähen, sicheren Spieler, der in Form ist und Druck aushält – das ist die Erfolgsformel beider Kapitäne, nach der sie ihre Spieler aufstellen. Offen ist nur bis kurz vor der Verkündigung, welche Spieler die Kapitäne in welchen Rollen sehen. Und da gab es am Samstagabend ein paar andere interessante Einblicke von beiden Seiten.

Teams bestimmen für Fourballs & Foursomes

„Ich bin mit meinen Überlegungen immer einen halben Tag voraus“, erklärt Europas Team-Kapitän Paul McGinley nach der Veröffentlichung der Finalpaarungen am Samstagabend. „Sobald alle Spieler einer Session auf dem Platz sind, bin ich mit meinen Gedanken schon bei der nächsten Session.“

Beim Ryder Cup legt der Kapitän fest, wer mit wem in welcher Session zusammenspielt. Bei Zweierteams werden in der Regel in Abwägung des für die jeweiligen Spieler typischen Golfspiels, anhand ihres Temperaments, ihrer Persönlichkeit und ihrer Ryder-Cup-Erfahrung gefunden. „Persönlichkeit spielt dabei eine riesige Rolle“, betont Kapitän Paul McGinley. „Justin Rose und Henrik Stenson haben vor allem wegen ihrer Persönlichkeiten zusammengespielt, weniger wegen ihres Golfspiels. Genauso Graeme McDowell und Victor Dubuisson: Graeme hat die Fähigkeit einen jungen Spieler zu führen und das Beste aus ihm rauszuholen ohne ihn einzuschränken“, lobte McGinley den erfahrenen Nordiren. „Diese Fähigkeiten haben nur wenige Spieler – Lee Westwood ist auch so einer. Und genau für diese Rolle habe ich ihn mit zum Ryder Cup genommen.“

McGinley: „Persönlichkeit spielt eine riesige Rolle“

Persönlichkeit, Golfspiel, Erfahrung – die Hauptaspekte bei der Zusammenstellung der Teams in den Foursomes und Fourballs sind nicht alles, es geht auch um die richtige Gewichtung dieser Aspekte. Am Ende des Tages ist das richtig zu beurteilen die wichtigste, die entscheidende Aufgabe eines Ryder-Cup-Kapitäns. Nur mit gut zusammenspielenden Spielern, die ihre Stärken voll ausspielen können, gewinnt man Matches. „Die Paarungen sind der anstrengendste Part als Kapitän“, bestätigt auch Tom Watson am Samstagabend.

Deshalb hatten beide Kapitäne versucht, sich möglichst früh über ihre Paarungen klar zu werden. Wenige Kapitäne sind tatsächlich so früh dran wie Paul McGinley, der laut eigener Aussage im vergangenen Jahr Einfluss auf die Flights der European Tour genommen hat, um Graeme McDowell und Victor Dubuisson schon vor dem Ryder Cup möglichst oft zusammenspielen zu lassen.

„Nichts darf jemals in Stein gemeißelt sein“

Aber auch für US-Kapitän Tom Watson standen die meisten seiner Paarungen schon Tage vor der ersten Verkündung so gut wie fest. Die beiden Rookies Patrick Reed und Jordan Spieth schilderten, er habe sie schon am Dienstag beiseite genommen und zusammen auf die Runde geschickt, damit sie sich miteinander einspielen könnten.

„Der Rest ist Reagieren“, schließt Paul McGinley ab. „Man muss auf die Entwicklungen reagieren können, sonst hat man ein Problem. Nichts darf jemals in Stein gemeißelt sein. Aber sobald die Spieler draußen sind, kann man nichts mehr tun.“

Juliane Bender

Juliane Bender - Leitende Redakteurin bei Golf Post von Juli 2012 bis Februar 2016

Juliane ist Diplom-Sportwissenschaftlerin. Für sie ist das Faszinierende an Golf: Der Sport ist ein guter Lehrmeister, nicht nur, wenn man gerade den Schläger schwingt. Sie finden Juliane Bender auch unter Google+
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