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Wentworth Club: „Im Golf das, was Wimbledon für Tennis ist“

21. Mai 2014
Neben dem Saisonfinale sicher der Höhepunkt der European-Tour-Saison; mit entsprechender Fanbeteiligung. (Foto: Getty)
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Hauptquartier der European Tour, seit 1984 Schauplatz der PGA Championship: Wentworth ist der Schlüsselort der European Tour.

Wentworth ist ein kleines Stück britisches Empire. Das zinnengeschmückte Clubhaus des Londoner Golfclubs hat was von einem Kastell, gotischer Stil. Auf der Terrasse servierte vor nicht allzu langer Zeit noch ein bärtiger Sikh mit Turban den „Afternoon Tea“. Samt Scones mit „clotted cream“, Erdbeermarmelade und Gurken-Sandwiches. Loch 19 heißt Burma Bar, auf der Karte steht auch ein Cocktail namens „Call me Old-Fashioned“ („Nenn mich altmodisch“). Das Commonwealth lässt grüßen. Vielleicht liegt es daran, dass Schloss Windsor quasi um die Ecke liegt, königlich bewohnt seit fast 1.000 Jahren.

Der Wentworth Club, wo jetzt wieder die PGA Championship steigt, ist eine private Enklave im südwestlichen Speckgürtel von London. Man lebt in den Wentworth Estates, im sportlichen Angebot sind neben Golf auf drei 18-Loch-Parcours und einem 9-Loch-Kurzplatz auch Tennis, Schwimmen und Fitness/Spa. Postalisch gehört alles zu Virginia Water mit durchschnittlichen Haus-Preisen von über einer Million Pfund (ca. 1,3 Millionen Euro).


Private Enklave im Londoner Speckgürtel

Von Wentworth aus dirigiert auch George O’Grady als Geschäftsführer und mit Hilfe von 155 Mitarbeitern die Geschicke der European Tour. Es gab mit der Einführung des Race to Dubai immer mal Pläne, im Wüstenstaat ein neues Hauptquartier zu bauen, aber das scheiterte an den Kosten. Und wohl auch an der Verbundenheit mit Wentworth.

1805 „klotzten“ der Höfling Charles Culling Smith und seine Gemahlin Lady Anne Fitzroy, die Schwester des späteren Waterloo-Siegers und Napoleon-Bezwingers Arthur Wellesley, besser bekannt als Herzog von Wellington, das eingangs erwähnte markante Anwesen in die Grafschaft Surrey. 1920 kaufte der Projektentwickler George Tarrant „Wentworth House“ und viel umliegendes Land, ließ die Wentworth Estates entstehen und engagierte den großen englischen Architekten Harry S. Colt für die Anlage der Golfplätze.


Kaymer, Siem und Kieffer bei der BMW PGA Championship

Zum Livescoring –>

Make-up des Colt-Designs durch Ernie Els

Colt baute 1924 den Ostkurs und 1926 den Westkurs, der seit 1984 permanenter Schauplatz des Heimspiels der European Tour ist. Das Turnier wurde 1955 als British PGA Championship gegründet und gastierte schon zwischen 1972 und ‘74 in Wentworth. Im Winter 2005/2006 verpasste Ernie Els, der in den Estates lebte und als „World-wide touring Professional“ offizieller Club-Botschafter war, dem Westkurs ein Make-up. „The Big Easy“ verlängerte den Platz um 280 auf 6.682 Meter und ließ 30 neue Bunker bauen.

Seit 2004 gehört der Wentworth-Club dem englischen Textil-Milliardär Richard Caring, der den Grundstein seines Vermögens in den 1960er-Jahren mit der Produktion von Miniröcken legte. Trotz eines Buchwerts von „nur“ rund 100 Millionen Euro blätterte der Unternehmer mit einem Minderheitspartner knapp 160 Millionen hin. „Wentworth ist im Golf, was Wimbledon für Tennis ist“, schwärmte Caring von seinem neuen Schatz: „Es gibt nur ein Wentworth in der ganzen Welt!“

Schauplatz des „allerersten“ Ryder Cups

Tatsächlich fand in Wentworth sogar der „allererste“ Ryder Cup statt. Vor der British Open 1926 in Royal Lytham & St. Annes (Sieger Bobby Jones) trafen sich  nach Gleneagles 1921 wieder mal britische und amerikanische Profis zu einem Wettspiel. Golffan Samuel Ryder stiftete ursprünglich dafür seine berühmte Trophäe.

Die Briten gewannen haushoch, aber weil das US-Team keine gesamtamerikanische Auswahl war, sondern aus den wegen der Open zufällig anwesenden Spielern bestand, hielt Ryder seinen Pokal zurück. Damit wurde das ganz offiziell organisierte Duell 1927 in Worcester/Massachusetts zum ersten amtlichen Kontinental-Wettkampf. 1953 indes kam auch Wentworth noch in den Genuss eines „regulären“ Ryder Cups.

Kaymer, Siem & Kieffer LIVE–>

 

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Michael F. Basche

Michael F. Basche - Freier Autor für Golf Post

Als Journalist, Golfbetriebsmanager und notorischer Zu-Kurz-Putter ist Michael F. Basche auf vielfache Weise dem Golf verfallen. Nach Jahren als Tageszeitungs-Sportredakteur und im PR- und Marketinggeschäft berät er heute u. a. Golfclubs in Fragen der Corporate Identity. Und widmet sich schreibend den vielfältigen Facetten des Großartigsten aller Spiele.
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