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Für mehr Golfer: Weniger Hürden, besseres Marketing

14. Jan 2014
(Foto: clappstar)
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Um Golf zu einer populäreren Sportart zu machen, sind vor allem zwei Themen wichtig: Zugangsbarrieren minimieren, Marketing verbessern. Ein Kommentar.

„Golf muss populärer werden!“, „Wir brauchen mehr Golfer“, „Golf muss endlich sein Image als elitärer Einzelsport verlieren“ – Die Liste an Zitaten ließe sich nahezu beliebig fortsetzen.  Aber warum kommt Golf nicht aus der Nische raus, warum liegt die Mitgliederanzahl der deutschen Golfclubs entgegen früherer Prognosen noch immer deutlich unter der Millionen-Grenze? Gerne wird hier schnell der Ruf nach mehr Fernseh-Präsenz laut – doch zeigen Beispiele in Online-Foren, dass selbst viele Golfer nicht bereit sind, für Golfübertragungen via Sky monatlich Zusatzkosten zu übernehmen.


Golf, die Nischensportart

Aber im Ernst: Liegt es nur daran? Auch diesen Winter können wir wieder viele Fernsehstunden mit den Erfolgen der deutschen Biathleten und Biathletinnen sowie der Rennrodler verbringen. Aber bricht in diesen Sportarten nun der Boom aus? Eher nicht, so die Verbandszahlen. Es scheint also an anderen Aspekten zu liegen.

Immer wieder wird das Klischee vom elitären Golfsport bemüht. Eine Argumentation, welche die Älteren unter uns kennen, und zwar aus den 1970er Jahren mit Tennis. Aber wenn man sich die Zulassungszahlen deutscher Oberklasse- und Sportwagenhersteller anschaut, scheinen wir Deutsche im Zweifelsfall kein Problem mit Statussymbolen zu haben – trotzdem bleibt der Golfboom aus. Und auch bei den Kosten stellt man schnell fest, dass eine solide Golfausrüstung und ein Jahresbeitrag mit den Investitionen in Skiausrüstung und Skiurlaub vergleichbar sind – Golf ist längst nicht mehr so kostenintensiv wie noch vor einigen Jahren.

Aus Sicht des Autors wird die Entwicklung des Golfsports vor allem durch zwei Aspekte gebremst:

  1. Die Zugangsbedingungen sind zu schwierig.
  2. Das Marketing der gesamten Golfbranche – von den Clubs bis zu den Herstellern – orientiert sich zu sehr an Menschen, die bereits golfen und nicht an Menschen, die man für den Sport erst noch gewinnen möchte.

Schwierige Zugangsvoraussetzungen im deutschen Golf

Betrachten wir zunächst den ersten Punkt: Es ist zu kompliziert, überhaupt auf einen Golfplatz gehen zu dürfen. Immer wieder wird in Deutschland der Massensport Fussball als Vergleich bemüht; sowohl bei den Aktiven als auch bei den Zuschauern. Aber warum ist Fussball so erfolgreich und Golf bisher nicht? Weil Fußball jeder spielen darf und außerdem keine grossen Zugangsvoraussetzungen erforderlich sind. Zwei Mannschaften, zwei Tore – zur Not aus Rucksäcken oder Jacken errichtet – und ein Ball. Schiedsrichter? Muss nicht sein, Unstimmigkeiten regelt man unter sich. Und dann das Wichtigste: Wer die meisten Tore schiesst, hat gewonnen! Ausserdem: Man kann Spaß beim Fussballschauen haben, auch ohne die Abseitsregel zu verstehen. Oder, wie es die alte Fußballweisheit ausdrückt: Das Runde muss einfach ins Eckige.

Und Golf? Die Platzreife muss es sein, machmal gar ein Mindesthandicap, um überhaupt auf die Anlage zu dürfen. Das setzt erst einmal Regelkunde sowie eine theoretische und eine praktische Prüfung voraus. Und am besten auch gleich eine Clubmitgliedschaft, damit man ab dann ohne Greenfee spielen kann – und außerdem ist nur so die korrekte Führung des Stammblatts gewährleistet. Zudem: Gutes Leihequipment ist nur selten in den Clubs zu finden, denn der typische Golfer hat eben sein eigenes Equipment. Außerdem, und das ist aufgrund des Ressourcenbedarfs nur zu verständlich, liegen fast alle Golfclubs außerhalb der Städte, eine Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist meist nicht möglich. Da wird bei Kids somit das Mama- oder Papa-Taxi oder ein vom Club organisierter Fahrdienst zum „Must have“.

Ein bisschen erinnert die Situation im Golf an den Versuch der NFL, American Football mit der NFL Europe ab Ende der 1990er in Europa zu etablieren. Trotz enormer Werbebudgets ist der Versuch grandios gescheitert, weil die Regeln doch zu komplex und nicht selbsterklärend waren (Was ist eigentlich dieses „first down and ten“?).

Förderung von Pay- & Play-Konzepten unerlässlich

Wenn Golf in Deutschland aus der Nischenecke heraus möchte, gilt es, die hohen Eintrittshürden abzubauen. Gerne wird von einigen Vertretern der Golfindustrie angeführt, dass durch die sich verschiebende Alterspyramide in Deutschland gerade der Anteil der Ü50 wachse und somit eine gute Basis für das Golfwachstum biete. Aber: Das ist zu spät. Modernes Marketing erfordert eine Lifetime-Betrachtung – Golf sollte also bereits bei der Jugend populär werden. Die in einigen Schulen sehr erfolgreiche Integration von Golf in den Schulunterricht im Rahmen des DGV-Projekts „Abschlag Schule“ ist ein Schritt in die richtige Richtung. Dennoch: Wer Kinder, aber auch Erwachsene, zum Golf bringen möchte, sollte den natürlichen Spieltrieb und die Neugier der Menschen nutzen. Gibt man einem Kind oder einem Erwachsenen einen Golfschläger in die Hand und einen Ball dazu, werden diese automatisch versuchen, diesen möglichst gut zu schlagen.

Andere Länder machen es vor: Pay and Play – ohne Platzreife, oft auch erst mal ohne große Etikette und nur mit den wichtigsten Regeln. Ein solches Konzept sollte natürlich bundesweit einheitlich sein und entsprechend vermarktet werden, dazu braucht es auch einen geeigneten Markennamen. Ist ein Neugolfer erst einmal vom Sport an sich begeistert, kann man Etikette und Regeln nachlegen – aber wie heißt es so schön: Der Appetit kommt beim Essen.

Natürlich ist dies nur begrenzt auf etablierten Golfanlagen mit geregeltem Clubsystem realisierbar. Aber Kurzplätze könnten für solch ein Konzept geöffnet werden. Wichtig ist ein flächendeckendes Netz an Pay- & Play-Plätzen. Diese brauchen auch nicht immer neun oder gar 18 Loch, schon drei bis vier Loch können sehr abwechslungsreich gestaltet werden. Das erfordert jedoch zunächst Investitionen, vor allem in die Infrastruktur. Und um den Zugang weiter zu vereinfachen, sollte im Preis für die Nutzung des Platzes auch Leihequipment enthalten sein. Das alles lässt sich nur durch eine konzertierte Aktion mit starken und investitionswilligen Industriepartnern stemmen. In Deutschland könnte der DGV als koordinierende Stelle solche Projekte fördern, die Unterstützung durch Investoren vorausgesetzt.

Mehr Marketing für Nicht-Golfer

Ein weiterer, wichtiger Baustein ist das Marketing. Aktuell konzentriert sich dieses nahezu ausschließlich auf Menschen, die sich bereits für Golf entschieden haben. Schauen wir uns einmal eine „typische“ Werbung eines Golfclubs an. Da wird für Platzreifekurse geworben (schon der Begriff wird viele Interessierte eher verwirren), Pro-Stunden sind inkludiert, die Teilnahme an Regelabenden wird angeboten und 500 bis 1.000 Rangebälle sind auch eingeschlossen („So viele Bälle“, denken wahrscheinlich viele Interessierte, „brauche ich weder noch kann ich sie lagern“). Kurz zusammengefasst: Lauter Begriffe, mit denen zwar etablierte Golfer etwas anfangen können, aber kaum ein Einsteiger. Beworben werden diese Kurse dann meist entweder in Golfzeitschriften oder direkt im Club – und werden so eher von Menschen wahrgenommen, die bereits ein Grundinteresse für Golf entwickelt haben.

Golf-Zielgruppe: Mehr Kinder und Großeltern

Auch das Thema Zielgruppe wird häufig diskutiert. Aufgrund der geografischen Lage sind die meisten Clubs nur mit dem Auto zu erreichen. Wer also Kinder ansprechen möchte, kommt um das Thema Fahrgelegenheit nicht herum. Viele Eltern organisieren dies in Eigenregie – trotz des Zeitdrucks, der ohnehin besteht. Aber warum bieten so wenige Clubs während des Jugendtrainings Schnupperkurse oder Trainingseinheiten für Erwachsene an? Und vor allem für die Ferienzeiten gilt: Anstatt uns auf Kinder und Eltern als Zielgruppe zu fokussieren (Eltern haben nun einmal über 50 Prozent weniger Urlaub bzw. Ferien als ihre Kinder), ist die Zielgruppe „Kinder und Großeltern“ vielversprechender. Denn erstens haben viele Großeltern mehr Zeit und freuen sich über jede Aktivität mit ihren Enkeln, zweitens sind Großeltern hinsichtlich ihrer Enkel meist sehr investitionsbereit.

Investitionsfaktor Zeit

Ein weiterer Ansatz ist die Heranführung von potenziellen Golfern während des Urlaubs. In der Hektik des Alltags scheuen viele den Einstieg in den Golfsport, denn der wahre Luxus beim Golf ist nicht das erforderliche Geld, sondern das Einbringen der erforderlichen Zeit. Der Urlaub bietet somit eine ideale Voraussetzung, Menschen zum Golfen zu bringen. Wichtig ist es, Golf in nicht-golftypischen Urlauben anzubieten – als simples „Come and Try“-Konzept, ohne Voraussetzungen und große Etiketten-Vorschriften. Die Fokussierung auf Urlaubskurse in den reinen Golfdestinationen wie Fleesensee oder Bad Griesbach reicht nicht aus, da diese primär Menschen ansprechen, die sich bereits für Golf entschieden haben. Hat der Urlauber Gefallen am Golf gefunden, ist es wichtig, dass er quasi aus dem Urlaubsort an einen lokalen Golfclub bzw. lokale Pay- & Play-Möglichkeiten übergeben wird. Dies erfordert im Marketing mehr Kooperationen: zwischen Touristik-Anbietern und der Golfindustrie, aber auch zwischen den verschiedenen Golfanlagen und –schulen.

Noch ist es nicht zu spät…

Ohne Strategieänderung wird sich ein deutliches Wachstum im Golfsport kaum erreichen lassen. Entscheidend ist es, die Vermarktungsstrategien an den heutigen Lifestyle und die heutige Demographie anzupassen. Will man mehr Menschen und vor allem Kinder und Jugendliche für den Golfsport gewinnen, geht dies nach Auffassung des Autors vor allem über deutlich vereinfachte Zugangsvoraussetzungen: Wie bei Minigolfanlagen werden einfache Pay- & Play-Konzepte inklusive Leih-Equipment benötigt. Das erfordert eine zentrale Koordination, beispielsweise durch den DGV, und die umfangreiche finanzielle Unterstützung durch Industrie und Investoren. Wird dann auch noch das Marketing verstärkt auf Einsteiger und nicht nur auf aktive Spieler ausgerichtet, besteht eine gute Chance, dass der Golfsport noch in diesem Jahrzehnt die 1-Mio-Grenze überschreitet.

Michael Althoff

Michael Althoff - Gastautor bei Golf Post

Ihn zieht es auf die Golfplätze dieser Welt – am liebsten gemeinsam mit seinen Hunden. Er betreibt das Portal golf-mit-hunden.de und organisiert die Charity-Turnierserie HuGo-Cup. Seine Erkenntnis aus vielen Jahren Golferfahrung deckt sich mit der von Bob Hope: "Die meisten Golfer stehen zu nahe am Ball – vor allem nach dem Schlag!"

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1 LESER-KOMMENTAR

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  1. moin moin,
    der Beitrag bietet schon einmal recht gute Ideen. Ist aber meines Erachtens zu kurz und falsch gedacht. Falsch deshalb, weil das Konzept und die Ideen immer noch von „Golfer“ stammen, und Die haben schon eine spezielle Sicht auf Die Dinge.
    3 loch Plätze sind falsch, es hat für Einsteiger gleich das Einstiegsgefühl von „mehr sind wir nicht Wert“, „für Anfänger ausrwichend“ und „C Golfer“ damit fängt Ausgrenzung wieder an.
    3 Loch Plätze, wenn auch noch 30 oder 40 Meter lang, sind kein Golf und werden als solches auch nicht wahr genommen. ich kenne in UK nicht einen einzigen dieser Art.
    warum alles neu erfinden, wenn es in anderen Länder ohne solche Krücken geht.

    des weiteren traue ich dem DGV so einen kompletten Struktur und Richtungseechsel nicht zu bzw ab. ein Verband, der Jahrzehnte für Abgrenzung nach „unten“ stand – ist in diese wenig glaubwürdig.

    bis denne
    rebel

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