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Was bleibt vom Solheim Cup 2015?

22. Sep 2015
Buntes Publikum beim Solheim Cup 2015 (Foto: Getty)
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Der Solheim Cup in Deutschland ist vorbei – Zeit, Bilanz zu ziehen. Hat das Event die Erwartungen erfüllt? War es nachhaltig? Das Fazit.

Sandra Gal hat in den Tagen vor dem Start des Solheim Cup ihre Erwartungen an das Event und seine Breitenwirkung klar formuliert: „Ich erhoffe mir vom Solheim Cup, dass er hilft, Golf in Deutschland populärer zu machen und ihm ein besseres Image zu verleihen.“ Viele Golffans versprachen sich ähnliches, wollten, dass der Solheim Cup mit seiner breiten Präsenz auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen etwas am Bild ändert, das Deutschland von Golf-Deutschland hat.

Vorweg: Der Solheim Cup hat im „Golfentwicklungsland Deutschland“ Pionierarbeit geleistet: erstes Golfgroßevent überhaupt in Deutschland, erster Kontinentalwettbewerb in Deutschland, erste Golf-Liveübertragung im Öffentlich-Rechtlichen in diesem Jahrtausend. Das Team in St. Leon-Rot hat hervorragende Arbeit gemacht, um den Grundstein für ein großes Event zu schaffen. Ob’s gelungen ist, wird nach einer Betrachtung der Zahlen klar:

68.500 Zuschauer: Für Deutschland ist das spitze!

Im Januar 2015 erklärte Solheim-Cup-Geschäftsführer Eicko Schulz-Hanßen, 100.000 Zuschauer zum Solheim Cup locken zu wollen sei sein Ziel für den Solheim Cup in Deutschland – eine mehr als ehrgeizige Zahl, wenn man bedenkt, was Golf (vor allem Damengolf) in Deutschland für eine Bedeutung genießt. Schulz-Hanßen wollte damit der Tradition des Solheim Cup gerecht werden, stets rund 100.000 Zuschauer anzulocken; in den USA sind es eher mehr (Colorado 2013: 120.000), in Europa i.d.R. etwas weniger (Irland 2011: 95.000). Der deutsche Solheim Cup hat laut den offiziellen Zahlen nun 68.500 Zuschauer angelockt – das ist zwar auf den ersten Blick viel weniger als das erklärte Ziel, aber für ein Damengolfsport-Event in Deutschland, das mit heftigen Regenfällen zu kämpfen hatte, ein großer Erfolg.
Bedingt vergleichbar und doch bemerkenswert: Beim wohl etabliertesten Golfturnier Deutschlands, der BMW International Open 2015, gab es dieses Jahr einen Zuschauerrekord, der mit 65.300 trotzdem niedriger liegt als die Zahl des Solheim Cup 2015, der hierzulande noch völlig unbekannt war.

Wohl keine Golf-Zukunft im öffentlich-rechtlichen TV

Während sich St. Leon-Rot mit den Besucherzahlen zufrieden sein kann, ist man beim SWR weniger euphorisch. Wie aus dem Sender zu erfahren war, sei es ein toll anzusehendes Event gewesen, inhaltlich wertvoll und bildhaft ansprechend, aber von der Einschaltquote ist man beim Südwestdeutschen Rundfunk enttäuscht: Die 55 Minuten Solheim-Cup-Sendezeit der ARD-„Sportschau“ liefen deutschlandweit auf rund 600.000 Geräten, was nur einem Marktanteil von 3,6 Prozent entspricht. Zum Vergleich: Bei Leichtathletik-Events – ganz zu schweigen von Fußball – ist man üblicherweise bei einem zweistelligen Marktanteil. Beim SWR selbst seien die Ergebnisse nicht einmal messbar gewesen. Entsprechend bewertet der SWR es im Verglich zum Aufwand eher ernüchternd – eine Einschätzung, die es künftigen Golfübertragungen im Free TV schwer machen wird.

#GimmeGate: Kontroverse an Loch 17

Ein großer Boost für die Aufmerksamkeit hingegen war die Putt-Kontroverse an Loch 17: Alison Lees Birdieputt lippt aus, Charley Hull macht sich auf zum nächsten Tee, Lee versteht es als geschenkten Putt und nimmt den Ball auf, Pettersen protestiert. Und plötzlich ist aus einem vermeintlichen Missverständnis DIE Geschichte geworden, für die sich sogar ein eigener Hashtag etabliert hat: #gimmegate. Auch Suzann Pettersen hat plötzlich mehr Follower auf Twitter. Gut oder schlecht? Das muss und kann nur jeder für sich entscheiden, aber der Solheim Cup in Deutschland wird vielen Leuten aufgrund dieser Geschichte in Erinnerung bleiben – vor allem dem Rookie Alison Lee und dem Veteran Suzann Pettersen.

Verjüngungskur für’s Auge

Selten ein so diverses Publikum bei einem Golfevent gesehen! Während bei Ryder Cups gefühlt 80 Prozent Männer herumlaufen, war das Publikum des Solheim Cup tatsächlich durchgemixt: Familien, kleine Kinder, ‚mittlere‘ Kinder, Jugendliche, Frauen (viele Frauen), sogar reine Frauengruppen, die sich beim Solheim Cup einen gemeinsamen Tag gemacht haben – in der Konstellation selten beim Ryder Cup. Nur im Pressezelt sah’s aus wie immer: overly manly.

Fiebern für Europa, das kann kein anderes Sportevent

Sogar die Briten sind plötzlich dabei, wenn es heißt: „Europe! Europe! Europe!“ Der Ryder Cup und der Solheim Cup haben ein Format, das in der Sportwelt einmalig ist. Nirgendwo sonst steht Europa so eng zusammen. Und die Spielerinnen und Spieler sind meist – trotz Sprachbarriere und kulturellen Unterschieden – ein besseres Team als ihre US-amerikanischen Gegner und Gegnerinnen. Deshalb sind es nicht allein die Zahlen, die zählen, wenn es um die Bewertung eines Ryder Cup oder Solheim Cup geht; die Idee, die dahinter steht, wiegt schwerer. Und vielleicht ist es das, was den Ryder Cup ins geschichtsträchtige Berlin holt, in die Mitte Europas. Helfen wird auf jeden Fall die letzte Erkenntnis…:

Deutschland kann Golfgroßevents

Am wenigsten überraschend: Deutschland kann Großevents. Mit dem Solheim Cup 2015 hat St. Leon-Rot gezeigt, dass Deutschland auch einen Ryder Cup ausrichten kann. Den Anspruch im Vorfeld in die Höhe zu schrauben und die Messlatte hoch zu legen, war von Solheim-Cup-Geschäftsführer Eicko Schulz-Hanßen die richtige Herangehensweise, denn es hat das Event zu dem gemacht, was es war: ein tadellos organisiertes, trotz schlechtem Wetter gut besuchtes Event, das dem Ryder Cup in nicht viel mehr als der Zuschauerzahl nachsteht.

Hinweis: In einer früheren Version des Artikels hieß es, die Liveübertragung des Solheim Cup 2015 in der ARD und im SWR sei die erste Golf-Liveübertragung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gewesen. Tatsächlich war es nur die erste in diesem Jahrtausend. Wir bitten um Entschuldigung.

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Jacqueline Sauer

Jacqueline Sauer - Freie Autorin für Golf Post

Jacqueline mischt bei den redaktionsinterenen Tippspielen ganz vorne mit. Kein Wunder: Die großen und kleinen Namen des Golfs hat sie ständig im Auge, damit der nächste Tipp stets ein sicherer Treffer wird.

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