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Worauf konzentrieren Sie sich beim Schwung, Martin Kaymer?

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22. Dez 2015
Martin Kaymer wählt sein Ziel vor dem Schwung so klein wie möglich. (Foto: Getty)
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„Nehmt nicht das ganze Grün als Ziel“, rät der 30-Jährige im Video und gibt Einblick in seine eigenen Gedanken vor dem Schlag.

Martin Kaymer gibt Trainingsipps

Worauf konzentriert sich ein Spieler wie Martin Kaymer, wenn er über dem Ball steht? Denkt er an das zu überwindende Hindernis? Konzentriert er sich aufs Loch? Nein, er sucht sich einen konkreten Punkt und visiert ihn an. Das ist soweit nicht überraschend. Trotzdem hat der zweifache Majorsieger noch ein paar Tipps parat, die sich auch Amateure zu Herzen nehmen können. Denn: „Wir sehen so viele Gefahren, dass wir das Loch vergessen“, weiß Martin Kaymer.

„Man sollte sehr präzise sein bei der Wahl des Ziels“, rät der 30-Jährige. „Nehmt nicht das ganze Grün als Ziel, wenn ihr übers Wasser oder einen Bunker schlagen müsst. Seid präzise und sucht euch ein kleines Stück auf dem Grün, wo man vielleicht einen hellen Fleck sieht oder ähnliches. Das engt den Fokus ein, dann sind auch die Gedanken so sehr bei diesem kleinen Ziel, dass kaum noch Platz ist für all die Gefahren.“

„Der Ryder-Cup-Putt war der einfachste, den man haben konnte“

Dass Kaymer „einige Schläge unter höchstem Druck“ in seiner Karriere gespielt hat, schätzen seine Fans ganz besonders an seinem Spiel. Bei denen sei er „positiv geblieben“ und habe daran gedacht, „was ich damit erreichen kann“. Die Situation, die einem sofort einfällt, ist wohl der entscheidende Putt beim Ryder Cup 2012 im Medinah Country Club. Doch über den sagt Kaymer trocken: „Der Ryder-Cup-Putt war der einfachste, den man haben konnte.“ Allerdings nur, „wenn man die Umstände ausblendet und es auf den Putt herunterbricht“, ergänzt er.

Jason Day bewundert Martin Kaymer

Wie gut Kaymer darin ist, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, bewundert auch Jason Day. In einem fiktiven Brief an sein zwölfjähriges Ich schreibt er ausführlich über die Finalrunde der PGA Championship 2010, die beide in einem Flight spielten. „Du wirst den ganzen Tag begeistert von ihm sein“, prophezeit Day seinem jüngeren Ich, und verspricht ihm noch mehr vom Deutschen: „Du wirst sehen, wie er nie die Fassung verliert, nie in Panik gerät. Du wirst sehen, dass er ein Ziel hat, von dem er nicht zurückweicht: Das Turnier gewinnen.“

Sich selbst nennt Day in seiner Rückschau zu diesem Zeitpunkt „gut genug, um ein Major zu gewinnen, wenn es läuft.“ Doch Kaymer habe ihm an diesem Tag „das Level demonstriert“, das er erreichen müsse, um ein Turnier auch an einem schlechten Tag zu gewinnen.

Die Anfänge der Karriere als Entspannungsritual

Speziell in diesen Drucksituationen denkt der Mettmanner selbst gern an die Anfänge seiner Karriere zurück: „Ich erinnere mich an einen Schlag in meinem ersten Profijahr, als ich drauf und dran war, meinen ersten Cut auf der European Tour zu schaffen. Dieser Schlag hilft mir heute noch. Ich habe so schnell, so hart geschwungen, mein Griff war so fest, weil ich den Ball unbedingt übers Wasser bringen wollte.“

Und heute? „Heute konzentriere ich mich sehr auf den Rhythmus, den Schläger das tun zu lassen, was er tun soll. Lass den Schläger den Ball treffen“, empfiehlt Kaymer, „nicht die Arme oder die Hände. In Drucksituationen ist der Rhythmus sehr wichtig, weil man in diesen Momenten ohnehin schneller schwingt. Wenn man sich dann etwas zurücknimmt, schwingt man immer noch schnell genug.“

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Jacqueline Sauer

Jacqueline Sauer - Freie Autorin für Golf Post

Jacqueline mischt bei den redaktionsinterenen Tippspielen ganz vorne mit. Kein Wunder: Die großen und kleinen Namen des Golfs hat sie ständig im Auge, damit der nächste Tipp stets ein sicherer Treffer wird.

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