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Tiger Woods: „Yips“ oder nur Unsicherheit im neuen Schwung?

02. Feb 2015
Tiger Woods' 82 gibt Anlass zur Spekulation. Was ist los mit der Golfikone? (Foto: Getty)
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Azinger: „Aus dem Künstler ist ein Ingenieur“ geworden.“ Rocco Mediate hält Coach für „überfordert“. Teilnahme am ersten WGC in Gefahr.

Nicht mal der Sonntag brachte einen versöhnlichen Wochenabschluss: Seattle verlor im Super Bowl gegen die New England Patriots. Eigentlich wollte Tiger Woods den Seahawks noch vor Ort in Phoenix die Daumen drücken, aber der in den Grundfesten seines Golfspiels erschütterte Superstar flog vorzeitig heim nach Florida – trainieren, „jeden Tag, den ganzen Tag!“ 1.109 Runden hat Woods bis heute auf der PGA Tour gedreht. Nur ein Mal, bei seiner 81 am usseligen „Moving Day“ der British Open 2002 in Muirfield, war er (fast) so grottenschlecht wie am vergangenen Freitag mit der 82 im TPC Scottsdale.

„Wie die Handicap-20-Spieler auf der Tribüne“

Eine Driving-Genauigkeit von 46,43 Prozent, 50 Prozent getroffene Grüns, ein Scrambling-Wert von 27,78 Prozent: Die Golfwelt rauft sich die Haare. Besonders über das unsägliche Gemurkse beim kurzen Spiel. „Da steht jemand“, schrieb die „New York Times“, „der auf erschreckende Weise den Handicap-20-Spielern auf der Tribüne ähnelt.“


Woods habe immerhin sein Alter gespielt, attestierte „Golf Digest“ dem 39-Jährigen spöttisch nach Tag eins: „Auf der Front Nine!“ Und Caddie Joe LaCava erhielt per Tweet die Empfehlung, sich für Torrey Pines und die Farmers Insurance Open diese Woche einen mechanischen Schlagzähler anzuschaffen, um bei seinem Chef nicht den Überblick zu verlieren.

Der Tiger spielte seine Bälle kreuz und quer durch die Gegend, traf mal fett, mal mager, mal schief. „Das war das Schlechteste, was ich jemals von einem Tour-Pro rund um die Grüns gesehen habe“, nörgelte der notorische Woods-Kritiker Brandel Chamblee. „Wir alle haben mal solche Tage“, sagte Woods über sein Scottsdale-Desaster. „Unglücklicherweise fand meiner vor Publikum statt.“

„Golf.com“ veranstaltete flugs eine Umfrage unter seinen Top-100-Golflehrern, 54 Prozent diagnostizierten „Yips“, das berüchtigte Muskelzucken. „Wenn du Yips hast, dann hast du wirklich Probleme“, ließ Ex-Coach Hank Haney verlauten. „Das geht nicht einfach weg, indem man einen Schalter rum dreht.“

„Das Gefühl aus dem Spiel genommen“

Andere Trainer vermuten eher ein mentales Problem, entstanden aus noch bestehenden Unsicherheiten beim neuen Schwung. Paul Azinger, letzter siegreicher US-Ryder-Cup-Kapitän (2008), hat eine ureigene Erklärung: Woods habe sich „von einem Künstler zu einem Ingenieur des Schwungs entwickelt und damit das Gefühl aus seinem Spiel genommen“.

In die gleiche Kerbe hieb Rocco Mediate. Tigers unterlegener Playoff-Gegner der US Open 2008 hält den neuen „Berater“ Chris Como für „überfordert“ und bekam beim „Golf Channel“ Schützenhilfe von Ex-Pro Aaron Oberholser: „Woods sollte sehen, dass er Chris Como wieder los wird. Du brauchst keinen Biomechaniker, wenn du der Beste bist, der jemals dieses Spiel in die Praxis umgesetzt hat.“

Woods selbst erklärt seinen Kurzspiel-Schlamassel so: „Mein Schwung ist wieder viel flacher, vor allem im Ab- und Durchschwung. Das beeinflusst die Chips.“ Natürlich schwinge dann unterbewusst die Skepsis mit. „Aber in erster Linie ist es eine physische Sache: Ich muss den Schläger besser an den Ball bringen.“ Das Problem kennen wir alle.

Masters-Quoten deutlich gesunken

Seit heute zählt der einstige Dominator nicht mehr zu den Top-50 der Welt, ist auf den 56. Platz abgerutscht. Damit wäre er nicht für die Cadillac Championship Anfang März qualifiziert und würde zum erst zweiten Mal nach 2011 (HSBC Champions, verletzungsbedingt) ein Turnier der World Golf Championship verpassen. Auch für Augusta stehen die Karten seit Scottsdale schlechter, Woods‘ Masters-Quote fiel von 12:1 auf 20:1.

Rory McIlroy beruhigt unterdessen alle Skeptiker. „Es wäre idiotisch, Tiger abzuschreiben“, sagte der Weltranglistenerste. „Ich habe mit ihm im vergangenen November in Florida eine private Runde absolviert, und er hat fantastisch gespielt. Er braucht bloß wieder ein bisschen mehr Wettbewerbsgolf.“

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Michael F. Basche

Michael F. Basche - Freier Autor für Golf Post

Als Journalist, Golfbetriebsmanager und notorischer Zu-Kurz-Putter ist Michael F. Basche auf vielfache Weise dem Golf verfallen. Nach Jahren als Tageszeitungs-Sportredakteur und im PR- und Marketinggeschäft berät er heute u. a. Golfclubs in Fragen der Corporate Identity. Und widmet sich schreibend den vielfältigen Facetten des Großartigsten aller Spiele.
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