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Tiger Woods sucht seine Wurzeln

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04. Dez 2014
Tiger Woods sucht vor seinem Comeback den Schwung seiner Jugend. (Foto: Getty)
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Wenn Tiger Woods an diesem Wochenende auf die Tour zurückkehrt, dann wird es eine Zeitreise in die frühsten Tage seiner Karriere.

Tiger Woods schaut starr runter auf den Tisch vor ihm. Sein Blick klammert sich an das schmächtige schwarze Mikrofon, das bedeutsame Worte in die Welt hinaus tragen soll. Kurz vor seinem Comeback wartet die Golf-Welt auf Antworten. Ein amerikanischer Journalist wagt einen Vorstoß. „Wie geht es Deinem Rücken, Tiger, und wie steht es um deine Gesundheit im Ganzen?“ Tiger Woods schlägt in schockierender Ernsthaftigkeit die Augen hoch und schüttelt unterschwellig den Kopf. „Es ist schrecklich!“ Lange hält er es nicht durch, eine halbe Sekunde später grinst er von einem Ohr zum anderen und der Saal lacht mit. Für jeden Golf-Fan ein Bild, dass lange auf der großen Bühne des schönsten Sportes der Welt gefehlt hat. Tiger Woods scherzt, er sitzt lässig in der PK im Vorfeld der World Hero Challenge und hat einen Lacher nach dem anderen auf seiner Seite.

Tiger Woods – Wird die Verletzung zur Chance?

Drehen wir das Rad der Zeit ein paar Monate zurück. Eigentlich deuteten sich die Rückenprobleme Tiger Woods‘ schon im Sommer 2013 an. Er schob es damals auf eine schlechte Hotel-Matratze, doch zu Beginn des Jahres 2014 gab es keine Zweifel mehr. Der zu diesem Zeitpunkt Weltranglistenerste beendete Anfang März vorzeitig seinen Auftritt bei der Honda Classic, Ende März folgte die Operation am lädierten Rücken. Der Bandscheibenvorfall zwang Woods zu einer längeren Pause, er verpasste die ersten beiden Majors des Jahres.


Im Juni kehrte Woods zur Quicken Loans National zurück, verpasste den Cut, und erreichte eine Woche später bei der Open Championship den geteilten 69. Platz – viele Kritiker warfen ihm vor, zu früh zurückgekehrt zu sein. Nachdem er auch bei der PGA Championship, dem letzten Major des Jahres, den Cut verpasste, sagte er eine mögliche Ryder-Cup-Teilnahme ab, nahm eine mehrmonatige Auszeit und wechselte den Trainer.

Tiger über das Älterwerden

Zurück im Isleworth Golf & Contry Club in Florida, wo Tiger vielleicht vor dem Beginn eines neuen Abschnitts in seiner Karriere steht. „Seit Deinem letzten Major-Sieg gab es viele Ereignisse in deinem Leben, die sich auf die Leistungsfähigkeit eines Sportlers auswirken können, du bist älter geworden, hattest einige Verletzungen, bist Vater geworden, wurdest geschieden. Was davon hatte den größten Effekt?“, will eine Journalistin wissen.

Wieder grinst Tiger. „Eindeutig das erste, ich bin älter!“ Ein zurückhaltendes Schmunzeln erfüllt den Raum. Tiger erklärt. „Als Sportler merkt man das, wir müssen uns alle anpassen und etwas verändern. Als MJ (Michael Jordan, Anm.d.Red.) nicht mehr über die anderen drüber springen konnte, entwickelte er einen neuen Weg, Punkte zu machen. Für mich gilt das Gleiche.“

Auf den Spuren seines „Früh-Schwungs“

Eine Erkenntnis, die Tiger Woods‘ Spiel entscheidend prägen könnte. Tiger war in den vergangenen Jahren in erster Linie für seinen kraftvollen Schwung bekannt. Einher mit diesem Schwung ging seine physische Entwicklung. Der 14-fache Major-Sieger baute Muskeln auf und man konnte den Eindruck bekommen, er will bei den jungen Wilden mitmischen, will den nächsten Major-Triumph, koste es, was es wolle.

Doch Tiger deutet an, dass er sich fortan auf andere Bereiche in seinem Spiel konzentrieren will. „Als ich jünger war, war ein weiter Schlag 290 Yards  (265 Meter, Anm.d.Red.) in der Luft, das war ein großer Schlag. Heute sind es 320, 325 Yards (292, 297 Meter). Jungs wie Bubba (Watson), Woody (Gary Woodland) und Dustin (Johnson) schlagen die Bälle carry über die Bunker. Das kann ich nicht mehr.“ Vielleicht kommt diese Einsicht gerade früh genug – und doch geht es bei seinem „neuen, aber alten“ Schwung um den jungen Tiger Woods.

Chris Como: der Woods-Versteher

Die Trennung von Sean Foley, mit dem Woods seit 2014 zusammen arbeitete, lief sehr harmonisch ab, betont Woods. Experten machen Foley und dessen Schwung-Philosophie dafür verantwortlich, dass Tiger solche Probleme mit dem Rücken bekam, der Schwung belaste Tigers Wirbelsäule viel zu sehr. Auch Tiger lässt durchblicken, dass sei ein Grund für die Trennung gewesen. „Ich war physisch nicht in der Lage, einige Sachen, die wir mit dem Schwung machen wollten, umzusetzen.“ Nach einem Gespräch mit Schwung-Berater Chris Como, wie ihn amerikanische Medien einheitlich nennen, hatte es gleich gepasst. Beide hatten sehr ähnliche Vorstellungen davon, wie Tigers Schwung aussehen sollte.

„Ich brauchte eine andere Richtung“, sagt Woods, und suchte sie mit Chris Como in seinen jungen Tagen. Sie hätten viele Videos aus seiner Zeit als Junior Golfer und Amateur geschaut. Nach dem neuen Schwung gefragt, antwortet Tiger: „Er ist neu, aber er ist alt. Ich sage das so, weil ich ihn seit langem nicht ausgeführt habe. Es ist total interessant zu sehen, wie viel Kraft ich damals generieren konnte, obwohl ich so eine schmale Statur hatte. Wie hab ich das geschafft? Das wollen wir herausfinden.“ Probleme gab es dabei allerdings mit dem Medium. Als Woods und Como die VHS-Kassetten anschauen wollten, bemerkten sie, dass sie sie überhaupt nicht abspielen konnten. In Person von Tigers Mutter kam die Rettung. Mrs. Woods hatte zum Glück noch einen Video-Rekorder auf Lager.

‚Back to the Woods‘ – Alles auf Anfang

Tiger erklärt, dass er die motorischen Abläufe noch kenne, ihm die neue Bewegung nicht wirklich fern sei. Es habe nicht besonders lange gedauert, das zu verinnerlichen. Alles was er noch machen muss, ist, mehr Bälle schlagen und wieder Wettkampf-Golf spielen. Mike Adams, einer der Top-50-Golftrainer der USA, glaubt an ein erfolgreiches Comeback. Der Golfdigest sagte er, wenn Tiger diese Natürlichkeit wieder auf den Platz bringen kann, dann werde er wieder häufiger gewinnen, und auch Hank Haney ist überzeugt: „Ich glaube, er kann es. Er wird rausgehen und siegen.“ Wenn Tiger Woods gesund bleibt, was wir alle hoffen, dann dürfen wir uns in jedem Fall auf ein spannendes Jahr 2015 freuen – mit „neuem, aber altem“ Schwung.


Historie: Die Schwung-Stationen von Tiger Woods

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Oliver Felden

Oliver Felden - Freier Autor für Golf Post

Während seines Studiums der Sportwissenschaft und Germanistik kam er über das Crossgolfen auf die gemähten Wiesen der Republik. Seine Waffen sind die kurzen Eisen, doch der Putter bringt ihn noch viel zu oft auf den Boden der Tatsachen zurück. Seine Abschlussarbeit hatte den Titel: "Golf in der Schule - Bildungspotenziale und Grenzen".
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