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Tiger Woods – Karriereabend oder zweiter Frühling?

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30. Sep 2014
Wohin wird ihn der Weg führen? Die Karriere von Tiger Woods steht an einer entscheidenden Kreuzung. (Foto: Getty)
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Tiger Woods steigt 2015 wieder mit einem vollen Programm in die PGA Tour ein – klingt seine Karriere aus, oder kann er sie wiederbeleben?

Jetzt, da mit dem Ryder Cup das absolute Highlight des Jahres über die Bühne gegangen ist, steht vor allem auf US-amerikanischer Seite eine Frage offen im Raum: Hat Tiger Woods gefehlt? Spielersich wäre Woods, der bei seinen sieben Teilnahmen eine Bilanz von 13 Siegen, 17 Niederlagen und drei Unentschieden hat, besonders in seiner aktuellen Form wahrscheinlich keine Hilfe gewesen. Allerdings wirkt Tiger immer über seine Präsenz. Während der Saison hörte man vor allem von den Verantwortlichen der PGA Tour und und den TV-Anstalten, dass die Abwesenheit Tiger Woods‘ starke Auswirkungen hätte. Angefangen mit Quoten-Einbußen beim Masters bis hin zum Rekord-Tief bei der US Open. Ob das US-Team mit Tiger besser abgeschnitten hätte ist aber trotzdem mehr als fraglich. Langsam aber sicher füllt sich das Vakuum und auch ein Ryder Cup ohne Tiger Woods war phänomenal. Muss sich der Golffan daran gewöhnen? Oder kehrt Tiger Woods zurück? Und wenn ja, wie?

Die Gleichung Tiger Woods

Um sich der Antwort auf diese Fragen anzunähern, wollen wir uns im Stil des Mathe-Unterrichts Sekundarstufe I zunächst vor Augen führen, was wir haben:


Tiger Woods ist seit 1996 auf der PGA Tour dabei – er hat in dieser Zeit 14 Majors, 18 World Golf Championships und insgesamt 79 PGA-Tour Events gewonnen. In den Jahren 2000 bis 2001 gewann er alle vier Majors hintereinander, angefangen mit der US Open 2000 bis zum Masters 2001, was als „Tiger-Slam“ bekannt wurde. Desweiteren – von vielen Experten als die größte Karriereleistung Woods angesehen – hält Tiger den Rekord für gemachte Cuts in Serie. Unglaubliche 142 Mal kam Woods hintereinander ins Wochenende. Die Serie startete 1998 und endete im Mai 2005.

Tiger Woods' Tiefpunkt kam 2010. (Foto: Getty)

Tiger Woods‘ Tiefpunkt kam 2010. (Foto: Getty)

Doch seit seiner persönlichen Krise 2009 hatte Woods den Killer-Instinkt verloren. Die fast übermenschliche Dominanz von Anfang der 2000er Jahre war verflogen. Zusätzlich kamen viele körperliche Beschwerden hinzu, lange hatte Tiger mit Problemen in seinem Knie zu kämpfen und auch der Rücken zwickte immer mal wieder. Dann die starke Comeback-Saison 2012, in der Tiger fünf PGA-Turniere gewann, teilweise in alter Manier durchs Feld pflügte und wieder die Nummer eins der Welt wurde. Der Rückschlag folgte Anfang 2014: Bandscheibenvorfall, Operation, erfolgloses Comeback, erneute Rückenbeschwerden, nur ein Major-Wochenende, FedExCup-Playoffs verpasst, Ryder Cup verpasst, Trainer gefeuert.

Extrempunkte in der Amplitude

Das Kurvendiagramm von Tigers Karriere könnte man so interpretieren: Nach dem astronomisch-steilen Aufstieg mit etlichen Rekorden und Höhepunkten war die Fallhöhe hoch. Der Skandal um die außerehelichen Verhältnisse Woods‘ finden den absoluten Tiefpunkt in der Scheidung von seiner Frau 2010. Auch sportlich ist Woods in dieser Zeit ganz unten angekommen, er setzt ein Jahr aus.

2011 steigt Woods wieder in das Turniergeschehen ein, strahlt zwar nicht mehr die absolute Dominanz aus, spielt sich 2012 aber wieder eindrucksvoll an die Spitze. Auch privat glätten sich die Wogen, Lindsey Vonn hat einen Anteil daran. Die Kurve steigt wieder, und nach dem verletzungsgeplagten Jahr 2014 eröffnet sich für Tiger die Chance, 2015 neu anzufangen – Alles, wenn man so will, wieder auf Null.


Tiger Woods und seine Rekorde

„Meine Stärke habe ich zurück“

Woods selber äußert sich absolut zuversichtlich mit Blick auf seine sportliche Zukunft. Im Blog auf seiner Website berichtete er kürzlich, wie die Rehabilitation läuft und wie es weitergehen soll. „Ich fühle mich großartig. Ich war viel Zuhause mit meinen Kindern und habe bisher nicht einmal einen Schläger geschwungen, nur ein paar Schatten-Schwünge vor dem Spiegel. Ich hoffe, ich werde am Ende des Monats oder zu Beginn des nächsten wieder Schwünge machen können. Meine Stärke habe ich zurück, bevor es wieder losgeht brauche ich noch meine Explosivität.“

Zu seiner Coaching-Situation meinte Tiger Woods, das habe keine Eile. Er könne sich auch vorstellen, das alleine zu machen. „Ich halte mir alle Optionen sehr, sehr offen.“ Insgesamt habe er sich in der letzten Zeit wenig mit Golf beschäftigt, „hier und da ein paar Schläge gesehen“, freut sich aber auf den Ryder Cup.

Noch immer athletisch - Tiger Woods. (Foto: Getty)

Noch immer athletisch – Tiger Woods. (Foto: Getty)

Wie ein guter Wein? 2015 wird Tiger Woods 40!

Liest man den Blog-Eintrag in Gänze und setzt ihn in den weiteren Kontext von Tigers öffentlichen Auftritten der jüngeren Vergangenheit, so erhält man unweigerlich den Eindruck, Woods sei mit sich im Reinen. Er hat seine persönlichen Verhältnisse geordnet, eine klare Vorstellung davon, was er will, und endlich die Ruhe, wieder einen Prozess in Gang zu setzen. Diese Ausgangslage spricht für ein Wiedererstarken des langjährigen Weltranglistenersten.

Dagegen spricht seine physische Verfassung. Woods wird im nächsten Jahr 40 und sein Körper hat unter der bereits 18-jährigen Profi-Karriere gelitten. Außerdem könnte der gereifte Tiger Woods das vermissen lassen, was ihn früher so stark gemacht hat: Ehrgeiz, der über Leichen geht. Der absolute Wille zu gewinnen. Brutale Dominanz, mentale Stärke, Kompromisslosigkeit. Ist dem Tiger auf den „Back Nine seiner Karriere“ der Biss abhanden gekommen?

Sag niemals nie: Der Midlife-Tiger-Woods

Die Frage, ob Tiger Woods jemals wieder der alte werden wird, lässt sich deutlich verneinen – der Tiger, der er vor zehn Jahren war, war unverwundbar. Er diktierte die Geschichte des globalen Golf, und seinen Gegnern fingen die Knie am ersten Tee allein durch seine Anwesenheit zu zittern an. Diese Tiger-Aura gehört der Vergangenheit an und wird nicht wiederkehren. Doch Woods hat die Chance, sich eine neue zu erbauen.

Der 40-Jahre-Tiger-Woods, körperlich und mental in absoluter Topform, wird über den Dingen stehen. Im Geiste eines Dorfältesten überschaut er das gesamte Bild, während die jungen Wilden nur Nahaufnahmen betrachten. Sollte es Tiger schaffen, seine Erfahrung – in Bernhard-Langer-Manier – in Abgeklärtheit und Coolness umzusetzen, dann ist der Major-Rekord von Jack Nicklaus noch lange nicht außer Gefahr. Mit Tiger Woods ist immer zu rechnen, und bleibt er fit, hat er noch einige gute Jahre auf der PGA Tour vor sich.

Oliver Felden

Oliver Felden - Freier Autor für Golf Post

Während seines Studiums der Sportwissenschaft und Germanistik kam er über das Crossgolfen auf die gemähten Wiesen der Republik. Seine Waffen sind die kurzen Eisen, doch der Putter bringt ihn noch viel zu oft auf den Boden der Tatsachen zurück. Seine Abschlussarbeit hatte den Titel: "Golf in der Schule - Bildungspotenziale und Grenzen".
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