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Tickets für’s Masters: Schwerer als ein Sechser im Lotto

04. Apr 2016
Schildern warnen die Verkäufer von Tickets. (Foto: Golf Post)
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Eine Karte für das ruhmreiche Masters zu bekommen, ist schwer? Das ist eine Untertreibung, wie unser Autor erklärt.


Regulär Karten für das Masters zu bekommen, ist wie ein Sechser im Lotto. Oder eigentlich noch schwerer. Zwar hat der Vorsitzende des Augusta National Golf Clubs, Billy Payne, vor drei Jahren ein Lotterieverfahren eingeführt, bei dem eine kleine Anzahl der begehrten Tickets an den öffentlichen Markt gelangen sollen, doch weiß niemand, wie viele das eigentlich sind.

„Genau die richtige Zahl“

Auf die Frage hin, wie viele Zuschauer denn an den verschiedenen Tagen zugelassen werden, gibt der Club die besonders aussagekräftige Antwort: „Genau die richtige Anzahl“. Das gilt natürlich auch für die Zahl der Karten, die bei der Lotterie verlost werden. Aber trotzdem sind an jedem Tag tausende Zuschauer – unter den Journalisten wird geschätzt, dass es etwa 20.000 sind – auf dem Platz. Und diese glücklichen Fans müssen schließlich im Vorfeld auch auf irgendeine Art und Weise an die begehrten Karten gelangt sein.


Vererbt in der fünften Generation

Die meisten von ihnen sind wahrscheinlich ähnlich zu ihren Tickets gekommen wie der sechsjährige Jack Rhodes. Als er das Clubgelände letztes Jahr betrat, war er die fünfte Generation seiner Familie, die das Masters besuchte. 1932 spielte sein Verwandter Lansing Burrows Lee im ersten Foursome mit Bobby Jones auf dem neuen Platz. Lee war ein Rechtsanwalt, der Jones und seinen Partnern bei der Gründung des Clubs half. Als das Masters ins Leben gerufen wurde, kaufte er 16 sogenannte Badges – einen Viertage-Pass. Die werden seitdem in der Familie weitergereicht. Diese Badges sind anders als die Tickets, die verlost werden. Die Badges geben den Zutritt zu allen vier Turniertagen, die Tickets sind auf einen bestimmten Tag beschränkt.

250 Dollar für vier Tage

Es ist anzunehmen, dass die meisten der Badges an Clubmitglieder und deren Freunde verkauft werden – sie kosten wohl 250 Dollar für alle vier Tage – und wenn man einmal eines hat, ist man immer wieder dabei. Der Club spricht von einer ‚Patrons List‘, an die die Badges eben verkauft werden, und wenn man einmal auf der Liste steht, bleibt man drauf. Eine Warteliste gibt es natürlich nicht.

Suche Tickets oder Badges für’s Masters

Trotzdem sieht man auf den Zufahrtsstraßen zum Augusta National immer wieder Schilder von Leuten, die Karten suchen oder verkaufen. Die meisten von ihnen wollen zwar nicht über ihr Geschäft reden, aber einer von ihnen war dann doch bereit, darüber Auskunft zu geben. Patrick aus Cleveland nimmt sich jedes Jahr eine Woche Urlaub und kommt nach Augusta, um vor Ort gewissermaßen als inoffizieller Ticketagent zu arbeiten. „Wir kaufen die Badges von Leuten, die sie haben und die sie gar nicht oder nur an bestimmten Tagen nutzen können, und verkaufen sie dann wieder. Ohne uns wäre es gar nicht möglich, an Karten zu kommen.“

Patrick aus Cleveland will nicht erkannt werden. (Foto: Golf Post)

Patrick aus Cleveland will nicht erkannt werden. (Foto: Golf Post)

Schwarzmarkt eine kleine Chance

Der Club gibt sich vage, ob das alles erlaubt ist. Sie erteilen zwar einigen der Kartenverkäufer eine Lizenz, aber auf den Badges steht ganz klar, dass sie nicht zum Kauf angeboten werden sollen. „Das steht natürlich nicht nur zum Spaß drauf,“ sagt der Club. Er weist auch drauf hin, dass die Badges sozusagen persönlich sind – sprich die Leute, für die sie ausgestellt sind, haften dafür.

Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis

Die Preise der Badges richten sich ganz nach Angebot und Nachfrage. Patrick erzählt von der Problematik eines Basketballturniers, das vor zwei Jahren in Atlanta zeitgleich mit dem Masters stattfand. „Da hatten viele Unternehmen ein Doppel-Angebot gemacht, sprich Basketball und Golf. Dann merkten sie aber, dass sie keine Golf-Badges bekamen und dadurch stiegen die Preise bis auf 4.500 Dollar pro Tag. In diesem Jahr liegen sie weitaus niedriger, so zwischen 500 und 700 Dollar,“ erklärt er.

Da die Badges für alle vier Tage gelten, werden sie oft von verschiedenen Leuten benutzt. „Wenn man am Nachmittag zum Beispiel eine Besprechung hat, können uns die Leute die Badges geben, wir verkaufen sie und am Abend werden sie wieder abgeholt. Wir lassen uns dann natürlich immer eine Kaution geben, damit wir auch sicher sind, dass die Badges zurückkommen.“

Mark Hargreaves aus Manchester: Glücklicher Ticket-Besitzer. (Foto: Golf Post)

Mark Hargreaves aus Manchester: Glücklicher Ticket-Besitzer. (Foto: Golf Post)

Aus England eingeflogen

Die Legalität des Verkaufs scheint ein klein wenig in der berühmten ‚Grauzone‘ zu liegen. Es gibt zwar Warnschilder vor dem Club, dass man innerhalb von 2.700 Fuß Umkreis des Geländes keine Karten verkaufen darf, aber immer wieder werden Leute dabei erwischt. Manche werden sogar angeklagt. Sheriff Scott Gay sagte der lokalen Presse, dass auch in diesem Jahr wieder einige Leute erwischt worden sind. „Allerdings haben wir niemanden angeklagt, da wir der Meinung sind, dass sie es aus Unwissen getan haben. Sie bekommen eine Verwarnung.“

Mark Hargreaves bildet die Ausnahme

Es gibt allerdings auch Möglichkeiten an Tickets zu gelangen, ohne sich auf den Straßenverkauf zu verlassen. Mark Hargreaves aus England stand schon am Freitag am Clubeingang, obwohl er erst für Samstag und Sonntag Karten hatte. „Ich wollte einfach mal schon sehen, wie es ist.“ Er war erst am Vortag aus Manchester eingetroffen. „Meine Frau hat mir zum 50. Geburtstag ein Paket für zwei Tage Masters geschenkt,“ sagte Hargreaves, der 12 Jahre für die Manchester United Webseite verantwortlich war. „Ich kann jetzt schon sehen, dass es ein einmaliges Erlebnis sein wird.“

Einmalig ist es aber eigentlich nur für wenige. Denn die meisten der Patrons sind immer wieder vor Ort. Sie sind ja die Glücklichen, die Jahr für Jahr das begehrte Badge bekommen.

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Peter Auf der Heyde

Peter Auf der Heyde - Freier Autor für Golf Post

Peter kommt aus dem Land der Major-Sieger: Gary Player, Ernie Els, Retief Goosen usw. Der Journalist kam relativ spät zum Golf, aber als er 2013 am Tag nach dem Masters in Augusta auf dem 16. Loch (von den Pro Tees!) ein Birdie spielte, wähnte er sich im Golf Paradies. Seitdem geht es leider bergab, aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Über Handicap spricht man nicht, das hat man.

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1 LESER-KOMMENTAR

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  1. Ist das ein älterer Artikel? (per se ist das ja nichts schlimmes, aber man könnte es kennzeichnen und überarbeiten, wenn es so ist)

    Der letzte Absatz ergibt nämlich irgendwie wenig Sinn, wenn der gute Herr Hargreaves „erst“ am Donnerstag angekommen ist (übermorgen?) und bereits am Freitag (überübermorgen?) am Tor „stand“, obwohl er erst für Samstag und Sonntag Karten hat 😉

    (zumal interessant gewesen wäre, wie seine Frau denn an die Karten kam… nix für Ungut, just my 2 cents)

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