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Test: iTrainer Mini – Der Trackman des kleinen Mannes

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23. Aug 2014
Schöne Optik, tolle Fähigkeiten - Der iTrainer Mini gibt ambitionierten Amateuren die Möglichkeit, Daten über ihren Schwung zu erfassen wie die Profis. (Foto: Golf Post)
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Der iTrainer Mini verspricht viel, aber was kann er halten? Wir finden es heraus im Golf-Post-Equipment-Check.

Wenn der Postmann zweimal klingelt, dann warten manche Menschen an ganz bestimmten Tagen schon in Hundertmeterlauf-Start-Position hinter der Tür. Mir ging es genauso, und hätte ich eine Tartanbahn vor mir gehabt, ich bin mir sicher, es wären unter zehn Sekunden geworden. Das Paket endlich in Händen wird mit Engelsfingern das Klebeband seziert, bevor er zum Vorschein kommt: Der iTrainer Mini, eingepackt in einer geschmackvoll gestalteten Box, und ich soll ihn testen. Ein Blick auf den beigefügten Flyer schürt die Vorfreude auf die lang ersehnte Decodierung meines Schwungs, zumal auch groß und breit das Siegel „Empfohlenes Produkt der PGA of Germany“ das Cover ziert. Taugt der iTrainer Mini was? Ich habe ihn auf Herz und Nieren geprüft.

iTrainer Mini – die Hardware

Der iTrainer Mini ist ein frisches „Golf-Spielzeug“, das, wie viele andere auf dem Markt, die Verbesserung des Spiels verspricht. Dabei liegt die Qualität des kleinen Unterstützers im Erheben von Daten über den Schwung, und deren Auswertung. Mittels einer Klemmvorrichtung wird der iTrainer Mini am Schaft des Schlägers befestigt und befindet sich auch während der Schwungausführung immer am Schläger.


Das schon einmal vorab: Egal ob bei Graphitschäften oder bei Stahl, bei relativ hohen Schwunggeschwindigkeiten (HCP 12,5) oder weniger ausgeprägten Fähigkeiten (HCP 34), die Befestigung hielt bei allen Tests bombenfest und musste nicht einmal nachjustiert werden.

Der iTrainer Mini ist etwa halb so groß wie ein Feuerzeug, gerade einmal 12 Gramm schwer und wird direkt unter dem Griff am Schläger angebracht. Im Vergleich zu früheren Geräten dieser Art kann man guten Gewissens behaupten: Der Einfluss der Einheit, wenn es überhaupt einen gibt, ist für den Spieler nicht spürbar. Ein guter Schlag fühlt sich an wie ein guter Schlag, ein schlechter wie ein schlechter, und man kommt nicht einmal auf die Idee, die Schuld auf das Gerät zu schieben.

iTrainer Mini – Die Software

Die Hardware überzeugt also auf den ersten Blick, aber was steckt in der kleinen „Black Box“? Laut Hersteller kann der iTrainer Mini meine Schwungdaten „erfassen, analysieren und darstellen“. Einige der Eckdaten, die der Spieler ausgelesen bekommt: Schlägerkopfgeschwindigkeit, Spin, Winkel der Schlagfläche (offen/geschlossen), Schwungebene im Impact (außen -> innen, innen -> außen), Winkel des Schaftes, Rhythmus und Geschwindigkeit des Schwungs, Distanz und Streuung, und das ganze nochmal als 3D-Animation.

Dazu kommt die Möglichkeit, den Schlag synchron zu filmen und sich die Bilder parallel zur 3D-Darstellung der Schwungebene anzuschauen. Wichtig für die Benutzerfreundlichkeit und Genauigkeit: Der iTrainer Mini kommt zwar „in english“ an, kann aber mühelos auf „Deutsch“ umgestellt werden. Außerdem können die Parameter der gespielten Schläger detailreich eingegeben (Loft, Flex, Länge, Lie, Gewicht etc.) und verschiedene Schläger-Sätze gespeichert werden, sodass die Einheit auch von mehreren Personen genutzt werden kann. Klingt vielversprechend, also ran an den Speck.

Wie war das nochmal mit den Komplementärfarben?

Die ersten kleinen Zipperlein gibt es allerdings schon vor Inbetriebnahme des iTrainer Mini. Laut Beschreibung leuchtet eine der drei LED-Leuchten beim Laden der Einheit rot – bei mir war es eine discoreife Kombination aus rot und grün in einer wahnwitzigen Blink-Frequenz. Nicht geeignet, um ihn auf dem Nachttisch neben dem Kopfkissen zu laden, aber praktisch gesehen halb so wild.

Mit den LED-Farben scheint es der Hersteller insgesamt nicht so zu haben, die „grüne“ LED nach Anschalten des Gerätes war bei mir blau, „rot“ hat nach dem Ausschalten gar nichts geleuchtet, die Einheit war halt einfach aus. In Rücksprache mit dem Hersteller kam ich dem Problem auf die Spur. Die Lichtorgel entsteht, wenn der iTrainer im eingeschalteten Zustand geladen wird, ausgeschaltet leuchtet wie beschrieben die rote LED. Mein Tipp: Ein kleiner Hinweis darauf, dass sie auf jeden Fall im ausgeschalteten Modus geladen werden sollte, könnte in der Betriebsanleitung nicht schaden.

Fotogalerie: Der iTrainer Mini


Der iTrainer Mini - kleine Schale, großer Kern

Kalibrierung kurz, Daten lang

Nach reibungslosem Verbinden des iTrainer Mini via Bluetooth mit dem benötigten Ausgabegerät – in meinem Fall ein iPad Mini, die Software ist aber laut Hersteller auch kompatibel mit Android-Geräten ab Version 2.3.3 – und dem Starten der eigens entwickelten, benötigten und kostenlosen App, wird es ernst. Der erste Schwung. Zu Beginn muss der iTrainer Mini kalibriert werden. Einmal den Schläger horizontal vor die Brust halten und auf die grünen LEDs warten (und diesmal stimmts!), dann in die Ansprechposition, nochmal kurz warten, grünes Licht – und ab dafür! Ein satter Schlag mit dem Pitch, spannungsgeladen warte ich auf die Ergebnisse, die der iTrainer Mini in etwa 10-20 Sekunden berechnet.

Die Werte erfreuen. Gute Geschwindigkeit, gute Länge, leicht von innen nach außen, das Schlägerblatt vielleicht etwas zu offen. 9530 Umdrehungen pro Minute Backspin, 402 rpm Sidespin, okay. Grafiken zum Schaftwinkel in der Ansprechposition und im Treffpunkt, Schaft-Lie ebenfalls, Rhythmus in Sekunden, dazu noch Abflugwinkel des Balles, vertikal und horizontal. Kurz auf „3D Mode“ gedrückt, wo zusätzlich die Animation des Schwunges, parallel dazu das Video und mit einem Klick die Flugbahn dargestellt wird. Also gut, das Gleiche nochmal. Und nochmal.

Analyse der Analyse des iTrainer Mini

Nach einer ausgiebigen Trainingseinheit auf der Range mit dem iTrainer Mini stelle ich fest: Die Werte, die mir der Analysator ausgibt, erscheinen in sich schlüssig. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Schlägern werden deutlich, auch die Variablen und Ausreißer im Schwung sind differenziert dargestellt. Lediglich die Berechnung des Ballflugs ist nicht immer ganz sauber. Da der iTrainer Mini eben nur die Daten des Schlägers erfasst, berechnet er daraus die Flugbahn. Die Qualität im Treffmoment kann entsprechend nicht eingerechnet werden, totale Misshits sehen dann in der Grafik manchmal ähnlich gut aus wie ein guter Schlag, oder der Ball flog 30 Meter weit und 30 Meter nach rechts, anstatt 70 weit und 20 nach links, wie angezeigt.

Was bleibt nach dem Training? Erstmal ein Haufen Informationen. Im „Schwung Verlauf“ besteht die Möglichkeit, sich Schläge auch später wiederholt anzusehen oder als „Besten Schwung“ zu speichern. Daraus ergibt sich, die Entwicklung des Schwungs über einen Zeitraum, nicht nur als Momentaufnahme, begutachten zu können. Ich erfahre also viel über die Anatomie meines Schwungs, nur fällt es mir als Laie schwer, daraus Schlussfolgerungen zu ziehen. Was ich aus Informationen wie Schaftwinkel in der Ansprechposition und im Treffpunkt schließen soll, oder Dauer meines Rückschwungs (1,01s), oder ob 9530 Umdrehungen pro Minute Backspin gut sind, weiß ich nicht. Ist weniger da manchmal mehr?

Das Urteil

Das überzeugt: Der iTrainer Mini kann einen Großteil seiner Versprechen halten. Die benutzerfreundliche Oberfläche zu bedienen ist ein Kinderspiel, sich im Programm zurechtzufinden bedarf es nur wenig Zeit. Die Einheit am Schläger beeinträchtigt weder Schwung noch Gefühl und bereitete im Test keine Probleme, egal an welchem Schläger. Die Daten, die das Gerät liefert, sind nützlich und scheinen zuverlässig zu sein. Nicht getestet wurde die Performance des iTrainer Mini beim Putten, aber auch das ist laut Hersteller problemlos möglich. Ein weiterer Vorteil also, nicht zig verschiedene Analysegeräte besitzen zu müssen, das Gerät vereint alles.

Inwieweit die Daten mit denen von High-End-Geräten wie einem Trackman vergleichbar sind, darüber traue ich mir kein Urteil zu. Als Amateur auf solch komfortable, und vergleichsweise kostengünstige Art an diese Daten zu kommen, das ist auf jeden Fall neu. Fraglich ist, ob man zwei so unterschiedlich arbeitende und konstruierte Geräte überhaupt vergleichen kann. Der „Schwung Verlauf“ erlaubt Längsschnittstudien des eigenen Schwungs, außerdem kann man im „Challenge-Modus“ PGA-Professionals „herausfordern“ und seinen Schwung mit deren vergleichen.

Das überzeugt nicht: Die sehr kompakt gehaltene Betriebsanleitung könnte ruhig etwas ausführlicher gestaltet sein, um das erste Eis zu brechen, und nicht nur auf weitere Informationen im Netz verweisen. Bei der Gelegenheit könnte gleich die Sache mit den LEDs überarbeitet werden. Auch wenn sie nicht weiter dramatisch ist, zu Beginn sorgt sie für unnötige Verwirrung. Außerdem ist die Flugbahnberechnung, wie bereits erwähnt, nicht immer präzise. Ein weiterer Kritikpunkt: Es kommt schonmal vor, dass der iTrainer Mini einen Schlag nicht berechnen kann. Nach einer Fehlermeldung wird man zum erneuten Schlagen aufgefordert, was nach einem mittig getroffenen Ball „straight down the middle“ schon etwas ärgerlich sein kann.

Der iTrainer Mini und die Frage aller Fragen

Die große Frage, die vor der Anschaffung des Gerätes aber auf jeden Fall geklärt sein muss, ist: Was bringen mir die Daten und was mache ich damit? Der Golfanfänger, der sich vornimmt mithilfe des iTrainer Mini schnell und auf eigene Faust unter HCP 20 zu kommen, wird schnell frustriert sein. Nur weil ich die Daten kenne, heißt das nicht, dass ich besser werde. Für Anfänger würde das Gerät vor allem Sinn machen, um sich in Rücksprache mit dem Pro selbst kontrollieren zu können. Der ausgebildete Golf-Lehrer wird ihnen auch weiterhelfen können, wie „außen nach innen“ oder eine offene Schlagfläche zu korrigieren ist. Fortgeschrittene Golfer oder Single-Handicapper sind da sicherlich selbstständiger, aber auch hier ist fachlicher Rat willkommen. Entweder man arbeitet sich tief in die Trainingslehre des Golfs ein, um die Daten in Handlungsziele und Korrekturmaßnahmen übersetzen zu können, oder man fragt den Pro.

Fazit: Für 250 Euro – mit Golf-Post-Rabatt zehn Prozent günstiger – erhält der Golfer ein Gerät, dass das Potenzial hat, sein Spiel zu verbessern. Entscheidend ist, wie ernsthaft er dieses Ziel verfolgt. Ohne Zweifel bringen die Daten, wenn man die richtigen Schlüsse daraus zieht, jeden Spieler voran. Was bisher nur Pros und Fittern vorbehalten war, ist nun für einen fairen Preis auch für den „Otto-Normal-Golfer“ zu haben. Für jeden Golfer, der sein Spiel ernsthaft verbessern will: Absolut empfehlenswert. Für Liebhaber von Zahlen, Fakten, Analysen und Technikdiskursen: Ein Muss.

Golf-Post Leser Rabatt:

Zu bestellen ist der iTrainerMini über www.itrainergolf.de. Dort geben Sie nach Klicken des „Warenkorb-Buttons“ links den Rabattcode „golfpost“ ein und erhalten, nachdem Sie schließlich „zur Kasse gehen“ geklickt haben, 10% Rabatt auf den regulären Kaufpreis. Dieser beträgt € 249,–. Sie sparen somit rund € 25,– und die Versandkosten entfallen ebenfalls.

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Oliver Felden

Oliver Felden - Freier Autor für Golf Post

Während seines Studiums der Sportwissenschaft und Germanistik kam er über das Crossgolfen auf die gemähten Wiesen der Republik. Seine Waffen sind die kurzen Eisen, doch der Putter bringt ihn noch viel zu oft auf den Boden der Tatsachen zurück. Seine Abschlussarbeit hatte den Titel: "Golf in der Schule - Bildungspotenziale und Grenzen".
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