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Strafschlag oder nicht? Regelkunde mit Carl Pettersson

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20. Mrz 2016
Alle Hände voll zu tun - Die Referees müssen auch in kuriosen Fällen regelfest sein. (Foto: Getty)
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Was machen Sie, wenn Ihr Ball von einem anderen getroffen wird? Carl Pettersson hat´s bei der US Open erlebt, wir klären auf.

Was wäre der Golfsport bloß ohne seine verzwickten Regelfragen? Immer wieder ergeben sich auf einer Runde Golf kuriose Situationen, die einen jeden Golfer zum Nachdenken bringen und ihn in seiner Regelfestigkeit testen. Doch wie regelfest sind wir wirklich? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, haben wir einen besonders bemerkenswerten Fall unter die Lupe genommen, der sich bei der US Open 2013 im Merion Golf Club, Pennsylvania ereignete.

Ball trifft Ball – Was tun Herr Pettersson?

Carl Pettersson bereitet sich gerade darauf vor, mit seinem zweiten Schlag das fünfte Grün anzuspielen. Dann passiert das Unglaubliche: Während Pettersson seinen Ball anspricht und seinen Rückschwung einleitet, kommt ein Ball auf ihn zugerollt. Dieser Ball – Brandon Crick hatte auf der benachbarten zweiten Bahn seinen Abschlag verzogen – trifft den Ball Petterssons, bringt ihn ins Rollen und beraubt ihn somit seiner ursprünglichen Lage.


Pettersson selbst wird von den beiden Bällen nicht getroffen und bricht auch seinen Schwung noch rechtzeitig ab. Doch wie ist dieser kuriose Zwischenfall zu bewerten? Muss der Schwede seinen Ball nun spielen wie er liegt, ihn wieder zurücklegen oder bekommt er gar einen Strafschlag? Betrachtet man die Regel 18-5 in Zusammenhang mit der Regel 18-1 so wird die Antwort schnell deutlich.

Regel 18-5 unter der Lupe

Regel 18-5 besagt zunächst folgendes: „Wird ein in Ruhe befindlicher Ball im Spiel durch einen anderen Ball bewegt, der nach einem Schlag in Bewegung ist, so muss der bewegte Ball zurückgelegt werden.“ Somit gibt uns Regel 18-5 schon einmal eine Aufklärung darüber wie Pettersson im weiteren Verlauf zu verfahren hat. Er hat lediglich die Möglichkeit, seinen bewegten Ball so nah wie möglich an die ursprüngliche Stelle zu legen und von dort weiterzuspielen. Tut er dies nicht und spielt den Ball, wie er liegt, handelt er sich laut Regel 20-7a(ii) zwei Strafschläge, für das Spielen von einem falschen Ort aus, ein.

Das Zurücklegen des Balles ist straflos

Nun ist allerdings noch nicht geklärt, ob er den Ball straflos zurücklegen darf oder sich einen Strafschlag anrechnen muss. Um diese Frage zu beantworten, hilft ein Blick in Regel 18-1, welche besagt: „Wird ein Ball in Ruhe durch etwas bewegt, was nicht zum Spiel gehört, so gibt es keine Strafe, und der Ball muss zurückgelegt werden.“ Der Abschlag von Brandon Crick wird in diesem Fall also als etwas definiert, „was nicht zum Spiel gehört“ und gewährleistet Petterson somit schließlich ein straffreies Zurücklegen. Crick selbst muss seinen Ball, übrigens gemäß Regel 19-1, spielen, wie er liegt.

Was wäre, wenn…?

Doch spinnen wir den Fall Petterson einmal weiter. Was wäre beispielsweise, wenn einer der beiden Bälle den Schweden getroffen oder er seinen Schwung nicht mehr rechtzeitig abgebrochen hätte? Im ersten Fall hätte dies keine Auswirkung auf den Score in Form von Strafschlägen gehabt, da der Ball Pettersson erst getroffen hätte, nachdem er von etwas bewegt worden wäre, „was nicht zum Spiel gehört“ und er seinen Ball zudem ja ohnehin zurücklegen muss.

Im zweiten Fall ist das Regelwerk allerdings nicht ganz so kulant. Hätte Pettersson den Schlag durchgezogen und somit am Ball vorbeigeschlagen, wäre der ausgeführte Schlag auch wie ein Schlag gezählt worden, da er mit der Absicht durchgeführt worden wäre, den Ball zu treffen. Ein Strafschlag auf Grund einer Bewegung des Balles nach dem Ansprechen (Regel 18-2) wäre indes nicht fällig geworden, da es offensichtlich nicht der Schwede selbst war, der seinen Ball in Bewegung gebracht hat.

Auch Tiere gehören nicht zum Spiel

Der Fall Petterson ist mit Sicherheit ein eher seltenes Kuriosum. Tiere dagegen nehmen schon häufiger Einfluss auf die Positionen unserer Golfbälle – und auch Tiere werden gemäß Regel 18-1 als etwas definiert, „was nicht zum Spiel gehört“. Ob Hunde, Katzen, Krokodile oder Vögel immer wieder tauchen sie inmitten der Golfplätze auf und machen Jagd nach der kleinen weißen Kugel.

Das wohl berühmteste Tier unter all diesen ist wahrscheinlich die Seemöve von Sawgrass. Diese stibitzte 1998 bei der Players Championship Steve Lowerys Ball vom 17. Grün und ließ diesen bei ihrer Flucht ins Wasserhindernis fallen. Auch hier durfte Lowery im Anschluss seinen Ball straffrei wieder an der Stelle positionieren, an der die diebische Möwe zugeschlagen hatte.

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Yannick Beyss

Yannick Beyss - Autor bei Golf Post

Den ballsportverrückten Yannick hat schon früh die Liebe zur kleinen weißen Kugel gepackt und seitdem nicht mehr losgelassen. Inzwischen hat der Longhitter mit dem Hang zum Risiko das einstellige Handicap auf Grund seines langen Spiels geknackt. Rund ums Grün wechseln sich  aber in gewisser Regelmässigkeit Weltklasse und Kreisklasse ab.

Alle Artikel von Yannick Beyss

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