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Seve Ballesteros – Eine wahre Legende, schmerzlich vermisst!

07. Mai 2016
Heute jährt sich der Todestag von Seve Ballesteros zum fünften Mal. (Foto: Getty)
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Heute jährt sich zum fünften Mal der Todestag des großen Spaniers: Eine Erinnerung an den besten Golfer des europäischen Festlands.

„Legende“ ist eine ziemlich strapazierte Vokabel. Die inflationäre Verwendung schmälert den Nimbus der wahren Heroen. Eine Legende lebt nicht allein von ihrer sportlichen Bilanz, menschliche Größe gehört unabdingbar dazu. Und zur Legende wird nur jemand, um den sich eben diese ranken. Kurzum: Severiano Ballesteros ist wahrhaft ein Mythos! Vor knapp einem Monat hätte Spaniens größter Golfer seinen 59. Geburtstag gefeiert. Wenn da nicht dieser aggressive Hirntumor gewesen wäre. Und so jährt sich stattdessen heute zum fünften Mal der Todestag von „Seve: The Legend“, wie die BBC ihre eindrucksvolle und einfühlsame Dokumentation über den unvergesslichen Mann aus Nordspanien zurecht betitelt hat.

Fünf Majors zwischen 1979 und 1988

Ballesteros war – ohne Umschweife und bei allem Respekt vor Bernhard Langer – der beste Golfer, den das europäische Festland je hervor gebracht hat. Nicht allein wegen seiner fünf Majorsiege zwischen 1979 und 1988. Grandiose Spielkunst, überwältigendes Charisma, Gentleman-Attitüde und Haltung verbanden sich bei ihm zu einer einzigartigen Melange. Kurz nach Ballesteros‘ Tod am 7. Mai 2011 schrieb das britische Blatt „The Independent“ in seiner Eloge: „Er beherrschte sehr viele Dialekte: Ehre, Würde, Sportsgeist, Bescheidenheit, Fairplay, Loyalität, Integrität und am Schluss auch den von erstaunlicher Courage. Es gab nie einen feineren Botschafter seines Sports und seines Landes.“


Legion wie seine Erfolge sind die Geschichten um Ballesteros. Begonnen bei den Golfanfängen des achtjährigen Schulschwänzers mit einem gekürzten Eisen drei am Strand seines Heimatdorfs Pedreña. Im kantabrischen Sand fand der spätere Zauberer mit den Wedges seine Magie, dort entwickelte das jüngste von fünf Kindern eines Landarbeiters die Mechanismen seines unkonventionellen und kreativen Spiels. Seve schlug kniend, rückwärts über den Kopf, zwischen den Beinen durch, aus Büschen und über Bäume.

Schlagrepertoire eines Trickgolfers

Ein Trickgolfer wäre froh über dieses Repertoire, Ballesteros gewann damit drei Mal die Open Championship (1979, 1984 und 1988), zwei Mal das Masters (1980 als erster Europäer sowie 1983), zudem 86 sonstige Profiturniere. Zwischen 1986 und 1989 war er insgesamt 61 Wochen lang die Nummer eins der Welt , ist bei 50 Titeln auf der European Tour bis heute deren erfolgreichster Akteur und holte sich sechs Mal die Order of Merit.

Seve bestritt acht Ryder Cups und hatte am Ende stets die Hand am „Pott“, mit Landsmann José María Olazábal bildete er ein kongeniales und nahezu unschlagbares Duo. 1997 war es eine Reverenz an den Kapitän Ballesteros, dass der Kontinentalwettkampf erstmals auf dem europäischen Festland ausgetragen wurde, beim Heimspiel in Valderrama triumphierte der Spanier überdies als „Skipper“.

Der „Parkplatz-Champion“ von 1979

Und dann sind da die Anekdoten am Rand der strahlenden Momente. Ballesteros wechselte im März 1974 als Sechzehnjähriger ins Profilager, zwei Jahre später verblüffte er bei der British Open in Royal Birkdale mit einem zweiten Platz. 1979 dann nahm er den Claret Jug zum ersten Mal mit nach Pedreña, in Royal Lytham & St Annes avancierte er indes nicht nur „Champion Golfer of the Year“ und zum ersten Open-Sieger vom europäischen Festland seit 1907, sondern auch zum „Parkplatz-Champion“.

Als notorischer „Streuer“ mit dem Driver verzog Ballesteros seinen Abschlag auf dem drittletzten Loch um 25 Meter nach rechts, der Ball landete auf dem Parkplatz für die TV-Teams. Von dort zirkelte er die Kugel zum Birdie-Putt aufs Grün und sicherte sich so das erste Major. Später sagte er über seine Schwäche vom Tee mal: „Ich wünschte, sie würden die Fairways enger mähen, dann lägen alle andere ebenfalls im Rough, nicht immer bloß ich!“ Mit seinem phänomenalen kurzen Spiel und seiner Kreativität freilich rettet sich Seve häufig aus vermeintlich ausweglosen Lagen.

Der smarte Spanier war heißblütig, emotional, ein Temperamentsbolzen und Hitzkopf. Wenn er die Zähne bleckte und die Augen zusammen kniff, brannte die Luft. Doch Ballesteros konnte ebenso launig sein, selbst im Hochstress. Bei der PGA Championship 1991 stand er vor einem kniffligen langen Eisenschlag, spekulierte, zögerte, hinter ihm wurde es unruhig im Publikum. Mit einem Mal drehte sich Ballesteros um und meinte: „Ich verstehe, dass sie nervös sind. Aber ich bin es auch!“

Erst der Rücken, dann der Tumor

Am 16. Juli 2007 beendete der Ausnahmegolfer seine Turnierkarriere. Der Rücken machte schon seit Ende der 1990er Jahre nicht mehr mit, er spielte mit mörderischen Schmerzen und unter starken Schmerzmitteln, es war eine Qual, den Niedergang des spanischen Granden mit anzusehen. 2004 war darüber bereits seine Ehe zerbrochen, später wurden ihm sogar Selbstmordabsichten nachgesagt.

Knapp 15 Monate später schlug der Tumor zu, am 6. Oktober 2008 brach Ballesteros auf dem Madrider Flughafen ohnmächtig zusammen. Es folgten eine zwölfstündige Operation, weitere drei Eingriffe und insgesamt vier Chemotherapien. Bei der Vorstellung seiner Stiftung zugunsten der Krebshilfe im Juni 2009 erklärte Ballesteros sich für geheilt und sprach von einem Wunder. Doch am 6. Mai 2011 gab seine Familie eine „schwere Verschlechterung“ seines Gesundheitszustands bekannt, wenige Stunden später, um 2.10 Uhr nachts, war Seve tot. Er wird schmerzlich vermisst!

Michael F. Basche

Michael F. Basche - Freier Autor für Golf Post

Als Journalist, Golfbetriebsmanager und notorischer Zu-Kurz-Putter ist Michael F. Basche auf vielfache Weise dem Golf verfallen. Nach Jahren als Tageszeitungs-Sportredakteur und im PR- und Marketinggeschäft berät er heute u. a. Golfclubs in Fragen der Corporate Identity. Und widmet sich schreibend den vielfältigen Facetten des Großartigsten aller Spiele.
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