Freitag, 28. November 2014

Phil Mickelson ist “King of the Castle” bei Scottish Open

Endlich ist es ihm gelungen: Phil Mickelson triumphiert in Europa! Jetzt heißt es gut anschnallen für die Open. (Foto: Getty)
Endlich ist es ihm gelungen: Phil Mickelson triumphiert in Europa! Jetzt heißt es gut anschnallen für die Open. (Foto: Getty)

Bei typischen Links-Golf-Bedingungen schafft Phil Mickelson den Sieg auf der Zielgerade. Marcel Siem packt noch die Top Ten.

Inverness, Schottland

Anzeige

Als Marcel Siem seinen starken Schlussdurchgang auf dem Castle Stuart Golf Links in Inverness schon beendet hatte, ging es für Henrik Stenson, Phil Mickelson, J.B. Hansen und Branden Grace ums Ganze. In einer extrem spannenden Finalrunde, die unter besten Links-Golf-Bedingungen stattfand, konnte sich am Ende nach einem packenden Stechen Phil Mickelson vor Branden Grace durchsetzen.

Links-Golf à la carte an Tag vier der Scottish Open

Zu dem so faszinierenden Repertoire des Links-Golf lässt sich vieles hinzuzählen, und an diesem Finaltag der Scottish Open 2013 gab es alles, was das Herz begehrt. Hügelige Fairways und tiefe Topfbunker sind die Basis für jeden Links-Golf-Genuss, atemberaubende Aussichten und beeindruckende Landschaften eine gern gesehene Beilage. Im finalen Durchgang der Scottish Open kam auch noch das Sahnehäubchen oben drauf: Wind. Die untypische Windstille der vorigen Tage wurde heute von einer kräftigen Brise schottischen Westwinds abgelöst, der seinen Teil zum extrem spannenden Finale beitrug.

Marcel Siem: Generalprobe gemeistert

Marcel Siem ging nach der Runde vom Vortag mit reichlich Wut im Bauch in den Finaldurchgang. Er haderte nach Tag drei besonders mit seinem Spiel auf den Grüns und machte sich nach der Runde auf Facebook Luft: “Mir platzt bald der Schädel. Wieviele Top Platzierungen ich mir in den letzten zwei Monaten mit dem Putten vermasselt habe, ist echt der Wahnsinn.”

Doch die neue Qualität eines Marcel Siem besteht darin, diese Energie produktiv zu nutzen. Der Mettmanner begann seine Runde mit drei Birdies auf den ersten vier Löchern, konnte es aber nicht verhindern, ein Bogey einzuschieben. Ein weiteres Bogey auf Loch sechs ließ Siem die finale Front Nine mit -1 beenden.

Zwei weitere Bidies auf der Back Nine – die Siem im kompletten Verlauf des Turniers bogeyfrei absolvierte – brachten der deutschen Nummer zwei die 69 (-3) und den geteilten zehnten Platz. Die Top Ten erreicht, konnte Siem mit Blick auf die Open Championship in der kommenden Woche viel Selbstvertrauen tanken und kann sich berechtigte Hoffnungen machen, um den Sieg mitzuspielen.

Die Highlander – Ein Trio im Kampf um Platz eins

Im Kampf um die Spitze hatten derweil andere das Sagen. Henrik Stenson, der mit einem Zwei-Schläge-Vorsprung in den Schlussdurchgang gestartet war, musste schnell einsehen, dass es heute nicht so flüssig lief. Mit gleicher Anzahl an Birdies und Bogeys kam der Schwede nur langsam ins Rollen und konnte sich auf der Front Nine nicht verbessern. Seine Verfolger witterten Morgenluft.

Allen voran marschierte J.B. Hansen. Und das, obwohl er nach zwei Löchern bei +4 lag. Ein Par auf Loch eins und eine 9 auf der Zwei, einem Par 5, ließen den Tag schon vom Start weg als misslungen erscheinen. Aber nicht mit J.B. Hansen. Auf den folgenden acht Löchern konnte der Däne unglaubliche sieben Birdies spielen und setzte sich an die Spitze des Feldes.

Der dritte Große im Bunde war Phil Mickelson. Allerdings startete auch der Amerikaner denkbar schlecht. Ein Doppelbogey auf der ersten Spielbahn konnte “Lefty” per Birdie auf der Zwei korrigieren, ein weiteres Bogey folgte jedoch an Loch drei. Drei Birdies an den drei Folgelöchern konnten den Tagesscore auf -1 schrauben, und erst an Loch sieben spielte Mickelson das erste Par seiner Runde.

Kopf an Kopf geht es durch die Back Nine

Zu Beginn der zweiten Rundenhälfte zeigte Henrik Stenson dann, warum seine schlechteste Platzierung in 2013 ein geteilter 33. Platz war: Mit zwei Birdies auf Loch zehn und elf spielte er sich wieder an die Spitze und nahm das Heft in die Hand. Doch die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Phil Mickelson spielte die Elf und die Zwölf mit Birdie und lag einen Schlag zurück, Schlaggleich mit J.B. Hansen. Um den jungen Dänen war es erstmal ruhiger geworden, doch leistete er sich auch keine Schwäche.

Phil Mickelson dreht auf – und kann sich absetzen

Bevor es in die heiße Phase ging, konnte Phil Mickelson die entscheidenden Akzente setzen. Der 43-Jährige spielte sich auf -18 und lag damit zweitweise zwei Schläge vor seinen Verfolgern, die sich einige Fehler leisteten. Henrik Stenson konnte nur ein Bogey auf Loch 13 und 16 notieren, und bei Hansen hieß es auf den Löchern 15 und 17 jeweils +1 auf den Score. Dafür war da auf einmal der Südafrikaner Branden Grace. Mit -14 in den letzten Durchgang gestartet spielte er auf der Front Nine einzig ein Bogey. Doch auf seiner Back Nine reihte der 25-Jährige mit mathematischer Präzision Birdies und Pars aneinander und lag auf Loch 17 nur noch einen Schlag hinter Mickelson. Das Turnier versprach bis zum letzten Loch spannend zu bleiben.

Phil Mickelson ließ sich schon auf dem Weg zum Grün feiern

Mit einem weiteren Bogey an der 18 verabschiedete sich J.B. Hansen aus dem Rennen um die knapp 580.000 Euro Preisgeld für den Sieger. Auch Henrik Stenson musste abdanken: Das Bogey an Loch 17 verbaute ihm schon vor der letzten Bahn die Chance, noch eingreifen zu können. Es sollte sich zwischen Branden Grace und Phil Mickelson entscheiden.

Grace war früher gestartet und bereits auf dem 18. Grün, als Mickelson seinen Abschlag mit ein bisschen Glück in der Mitte des Fairways platzieren konnte. Doch den Birdie-Putt ließ der Südafrikaner kurz, sodass Mickelson ein Par zum Sieg reichen würde. Clever vorgelegt und mit dem dritten Schlag am Grünrand des abschließenden Par-5-Lochs, blieben ihm zwei Putts für den Sieg. Mickelson machte es spannend und ließ sich einen eineinhalb Meter langen Rückputt, und dann das Unglaubliche: Der vierfache Major-Sieger schiebt den Rückputt rechts am Loch vorbei. Dass sich Mickelson diesen Sieg vielleicht nochmal nehmen lässt, damit hatte keiner gerechnet. Es ging ins Stechen mit Branden Grace.

Mit altbekannter Stärke zum Sieg

Nachdem beide Spieler ihre Abschläge Mitte Fairway platziert hatten, waren die zweiten Schläge beiderseits nicht besonders: Mickelson lag in einer Senke vor dem Grün, Grace im Rough. Was Mickelson dann spielte, war ein Zauberschlag. Bekannt für sein starkes kurzes Spiel, ließ er den Ball auf dem zur Fahne hängenden Teil des Grüns aufkommen, und selbst nachdem er bereits runtergehopelt war, hatte dieser noch genug Spin, um stehen zu bleiben. Und zwar direkt neben dem Loch: Tap-In zum Birdie. Das konnte Grace nicht kontern. Der verdiente Sieger heißt Phil Mickelson.

Hier die Resultate der Scottish Open.

 

IHR KOMMENTAR ZUM THEMA