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Schläger-Fitting: „Kultiviere deinen Mist“

18. Sep 2015
Schlägerfitting: Wenn der Golfer mit seinen Schlägern nicht mehr "im Reinen" ist, bietet sich ein Fitting an. (Foto: Flickr)
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Schläger zu fitten bedeutet, die Schläger den eigenen Fähigkeiten anzupassen. Wie das funktioniert, hat Andreas Cüppers erkundet.

Die Frage, ob das alles noch so seinen Sinn hat, was man gerade auf dem Golfplatz fabriziert, stelle ich mir in letzter Zeit immer öfter. Es fühlt sich an wie eine Melange aus Wut, Frust, Enttäuschung und Verzweiflung, garniert mit einem Hauch von Gleichgültigkeit.

Neues Material – nicht von der Stange, sondern maßgefertigt

Mit einem Handicap von 11,3 bin ich in die Saison gestartet und für mich war es nur eine Frage der Zeit, bis ich „einstellig“ – wie der Golfermund sagt – werde. Trotz relativ großen Trainingseifers und genügend Spielpraxis ging der Schuss aber erst einmal nach hinten los. Sechs Turniere – drei Mal gepuffert, drei Mal verschlechtert – bedeuten Handicap 11,6 und die oben geschilderten Gemütszustände.


Was also tun, wenn nichts mehr läuft außer die Nase und der Glaube an die eigenen Fähigkeiten von Loch zu Loch kleiner wird? Noch mehr Training? Nein. Ich brauche neues Material. Aber nicht einfach von der Stange kaufen, sondern maßgefertigt. Lie-Winkel, Schafthärte, Griffdicke – alles mal gehört und aktuell und bei der aktuellen Ausrüstung offenbar nicht für meinen Schwung optimiert. Über den „Fairway-Funk“ habe ich erfahren, dass ein gewisser Arnd Welling der deutsche Fitting-Papst sein soll und er schon ganz anderen Patienten neues Leben eingehaucht haben soll. Nichts wie hin.

Arnd Welling fittet auch Marcel Siem und Max Kieffer

Auf der Anlage des GC Mülheim an der Ruhr nimmt Welling pro Jahr rund 400 Schwünge unter Lupe. Für Maximilian Kieffer baut Welling schon seit Jahren die Schläger und auch Marcel Siem war schon in der „Fitting Factory“. Welling, studierter Chemiker, bietet die Symbiose aus technischem und golferischem Wissen an. Neben seinem Erfahrungsschatz zeichnet sich Welling durch ein herstellerunabhängiges Fitting aus.

„Wir sind heute aber nicht hier zum Süßholz raspeln“, sagt er und schüttelt mir kräftig die Hand. Ich überlege nochmal, ob ich mir das gut überlegt habe. 40 Minuten dauerte es von diesem Zeitpunkt an, bis er die ersten lobenden Worte zu meinem Schwung äußerte. Aber beim Fitting sind die Tipps eben unterhaltsam formuliert und vor allem gut gemeint.

Welling: „Kultiviere deinen Mist“

Außerdem geht es nicht wie in einer Trainerstunde darum, den Golfschwung umzustellen. Für Welling ist es wichtig, dass Wiederholbarkeiten im Schwung zu erkennen sind, um über das Material für Optimierung sorgen zu können. „Kultiviere deinen Mist“, scherzt Welling, wenn er nach Gleichmäßigkeiten im Schwung sucht.

Von Schlägerkopfgeschwindigkeit über Spinrate bis hin zum Eintreffwinkel des Balls wird alles in einer Tabelle erfasst. (Foto: Andreas Cüppers)

Nachdem ich ein paar Bälle mit dem Eisen 8 und 6 geschlagen hatte, erschien ein Wust an Zahlen auf dem Monitor. Schlägerkopfgeschwindigkeit, Abfluggeschwindigkeit des Balls, Spin, Abflug- und Eintreffwinkel sind nur ein Auszug der erhobenen Daten. „Man kann von den Zahlen nicht direkt auf die zu spielenden Schläger schließen“, sagt Welling und fügt an, dass die Zahlen lediglich „die Kategorie angeben, in der nach dem richtigen Schläger gesucht werden kann.“ Um das objektiv beste Material zu empfehlen, reichen Welling die nackten Zahlen aber nicht aus. „Ich schicke Ihnen meine Launch-Monitor-Daten und Sie sagen mir, welche Schläger ich spielen soll – das funktioniert nicht“, erinnert sich Welling an diverse Anfragen. Sein Auge und seine Erfahrung haben maßgeblichen Anteil am letztlichen Ergebnis.

Ich wurde am Ende natürlich auch nicht ohne einen guten Ratschlag nach Hause geschickt. Um meine Ballabfluggeschwindigkeit zu erhöhen, wurde mir ein etwas leichterer Schaft ans Herz gelegt. Außerdem kam Welling zu der Erkenntnis, den Lie-Winkel um 2°Grad zu verändern, weil ich im Treffmoment zu starken Bodenkontakt mit der Schlägerspitze habe (auch „hohe Hände“ in der Trainersprache genannt). Bei der Wahl des Schlägerkopfes – vier Modelle wurden empfohlen – spielt dann auch die subjektive Wahrnehmung des Golfers eine Rolle. Und die ist bei mir noch nicht final ausgereift.

Lehrstunde über eigene Fähigkeiten und Ist-Soll-Bilanz

Fazit: Ein Fitting ist mehr als nur bloßes Vermessen der Abstände zwischen Handgelenken und Boden. Man lernt nicht nur seine eigenen Fähigkeiten genauer kennen, sondern auch etwas über die physikalischen und biomechanischen Abläufe während eines Golfschwungs. 50 Euro habe ich dafür investieren müssen und auch wenn ich immer noch meine alten Schläger spiele, sind die bösen Geister inzwischen wieder vertrieben. Wie es mit den neuen Schlägern läuft, werde ich an anderer Stelle berichten.


Fitting

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Andreas Cueppers

Andreas Cueppers - Freier Autor für Golf Post

Andreas glaubt an die Liebe auf den ersten Chip und Golf ist für ihn kein Sport, sondern eine Sucht. Inzwischen hat der Diplom-Sportwissenschaftler das einstellige Handicap geknackt. Weil im Wohnzimmer ein Übungsgrün liegt, lässt ihn der Putter nur selten im Stich.
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