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Ryder Cup 2022 – Die Balz der Seven Nation Army

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28. Nov 2014
Der Ryder Cup 2022 ist heiß begehrt - und Deutschland braucht Argumente. (Foto: Getty)
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Sieben Länder sind um die Austragung des Ryder Cup 2022 angetreten, langsam lichtet sich das Feld – wir bewerten ihre Chancen.

Bis zum Ryder Cup 2022 sind es noch fast acht Jahre – und trotzdem tobt schon jetzt der Kampf um den Zuschlag für das prestigeträchtigste Golf-Turnier der Welt. Die ‚Seven Nation Army‘, die Ende August in die Arena trat, um voraussichtlich im Herbst 2015 einen würdigen Sieger hervorzubringen, ist bereits binnen der ersten Monate geschrumpft. Beworben hatten sich zur ersten Frist, die am 31. August 2014 endete: Deutschland, Spanien, Italien, Portugal, Österreich, die Türkei und Dänemark.

Der erste Mitstreiter wurde bereits ausgemerzt: Dänemark, so teilte das europäische Ryder-Cup-Komitee Anfang November mit, habe seine Bewerbung zurückgezogen – es bleiben sechs Anwärter übrig. Fünf von ihnen muss Deutschland hinter sich lassen, und bei näherer Betrachtung wird klar: Dafür wird es überzeugende Argumente brauchen.


Die Zillertaler Ryder-Cup-Jäger

Unsere Nachbarn aus den Bergen machten zuletzt Schlagzeilen, indem sie die Plätze vorstellten, die sie ins Rennen werfen. Demnach stehen mit dem Golf-Club Zillertal, dem einzigen 5-Sterne-Superior-Platz Österreichs, und dem GC Fontana bei Wien zwei international hoch angesehene Anlagen zur Wahl. Bis Februar 2015 muss sich der Verband auf eine Destination festlegen, die den Ryder-Cup-Verantwortlichen vorgelegt wird – ein interner Kampf steht also noch bevor, auch wenn die jeweils Verantwortlichen in der Tiroler Tageszeitung beteuern, vorerst den Schulterschluss zu suchen.

Ihre Chancen auf den Ryder Cup 2022 schätzen die Österreicher optimistisch ein – müssen sie ja auch. Die Tiroler Tageszeitung schreibt, Spanien hätte den Ryder Cup ja schon gehabt, Deutschland sei zwischen Nord und Süd gespalten und die Türkei noch nicht bereit. Mit dem alpinen Abfahrts-Olympia-Sieger Leonhard Stock steht ein Spitzenathlet hinter dem Bemühen, der meint, wenn mit der Schweiz ein Land ohne Meer den Americas Cup (Segeln, Anm.d.Red.) gewinnen könnte, dann „werden wir auch im Stande sein, den Ryder Cup nach Österreich zu holen.“ Ob der Vergleich nicht hinkt? Wir werden es sehen.

Kaussler soll’s für Deutschland richten

Marco Kaussler leitet die deutsche Bewerbung. (Foto: Getty)

Marco Kaussler leitet die deutsche Bewerbung. (Foto: Getty)

Die deutsche Bewerbung für den Ryder Cup 2022 wurde hierzulande bereits in vielerlei Hinsicht heiß diskutiert, nicht zuletzt wegen des Desasters um den fehlgeschlagenen Versuch für 2018. Die Bewerbung mit dem weltbekannten Neuburg an der Donau als Lokation, Audi als Hauptgeldgeber und keinem Rückhalt in Politik und Gesellschaft war im Grunde von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Ryder Cup 2022 heißt: Zeigen, dass aus Fehlern gelernt wurde.

Der erste Schritt, dies unter Beweis zu stellen, äußerte sich in der Vergabe der Bewerbungsorganisation durch die Ryder Cup Deutschland GmbH an die Golfsportagentur CAA Sports unter der Leitung von Marco Kaussler. Der 43-Jährige ist Turnierdirektor verschiedener European-Tour-Turniere, unter anderem der BMW International Open in Deutschland, sehr gut in der Szene vernetzt und respektiert. Im ZDF-Interview sagte Kaussler während des Ryder Cup 2014, er sei sehr zuversichtlich eine aussichtsreiche Bewerbung abgeben zu können. Die Frage ist nur: Mit welchem Platz?

Solheim Cup 2015: Generalprobe für den Ryder Cup 2022

Aus Fehlern gelernt die Zweite: Im Bewerbungs-Video werden keine Felder und Äcker aus dem idyllischen Neuburg an der Donau irgendwo westlich von Ingolstadt zu sehen sein, die Auswahl beschränkt sich auf Metropolen: Berlin, Hamburg oder München, soviel ist klar – und soviel muss es auch sein, denn je attraktiver das Umfeld und je besser die Infrastruktur für die täglich 50.000 Zuschauer, desto höher die Erfolgsaussichten. Lautstark Interesse bekundet haben der Golf Club Gross Kienitz (Berlin), der Golfclub Valley (München) und der Golfplatz Gut Kaden (Hamburg).

Noch fünf Monate haben die Verantwortlichen um Kaussler Zeit, ein attraktives Portfolio auf die Beine zu stellen, am 30. April endet die Frist für die endgültige Bewerbung. Eine Entscheidung für einen der Austragungsorte wird bald fallen. Da die endgültige Entscheidung über die Vergabe seitens des Ryder-Cup-Komitees erst im Herbst 2015 erwartet wird, könnte ein erfolgreicher Solheim Cup 2015 das Zünglein an der Waage sein.

Türkei als Golf-Markt der Zukunft?

Die Türken machen ernst im Golf, das hat sich in den vergangenen Jahren gezeigt. Die türkische Regierung hat den Golf-Tourismus für sich entdeckt, und durch Auftritte als Gastgeber prestigeträchtiger Turniere im Spitzensport die öffentliche Aufmerksamkeit auf die aufstrebende Golf-Nation Türkei gelenkt – die aufstrebende Golf-Nation Türkei? Im ganzen Land gibt es 25 Golfanlagen mit 5.535 beim Verband registrierten Golfern. Auf der anderen Seite kamen 2012 geschätzt 150.000 Golfer aus Westeuropa, vor allem ins „Golf-Paradies“ Belek, um ihrer Passion zu frönen. Die Frage ist, ob das fehlende nationale Interesse von Bedeutung ist.

Zwei Millionen Dollar war den Veranstaltern 2012 Tigers erster Besuch in der Türkei wert. (Foto: Getty)

Zwei Millionen Dollar war den Veranstaltern 2012 Tigers erster Besuch in der Türkei wert. (Foto: Getty)

Der Rückhalt von Politik und Wirtschaft ist in jedem Fall gesichert. „Außerhalb Großbritanniens gibt es bloß zwei oder drei Länder mit Erfolgsaussichten“, sagte der Präsident des türkischen Golf-Verbands Ahmet Agaoglu jüngst: „Wir werden eine fantastische Bewerbung präsentieren. Denn es ist unser Ziel, den Ryder Cup hierher zu holen!“ Doch es hakte im November.

Einigen Medienberichten zufolge hätte die Türkei ihre Bewerbung zurückgezogen. Im Zentrum dieser Berichte standen Bedenken, der Montgomery Maxx Royal, mit dem sich die Türkei bewirbt, erfülle nicht die Vorraussetzungen, um ein Event der Größenordnung eines Ryder Cups auszutragen. Doch der türkische Minister für Sport und Jugend, Akif Cagatay Kilic, relativierte bezüglich der Kriterien einen Tag später: „Wir haben, soweit ich weiß, keinen Platz, der sie erfüllt, aber es ist nicht schwierig einen zu bauen.“ Insgesamt ist eine Vergabe des Ryder Cups 2022 an die Türkei allerdings eher unwahrscheinlich, getreu dem Motto: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Ryder Cup 2022: Spanien, Italien und Portugal

Der Süd-Europa-Trias aus den bedeutendsten Touristen-Ländern des Kontinents, Spanien, Italien und Portugal, werden geringere Chancen eingeräumt. Spanien noch die größten, denn es ist sowohl in der Breite wie auch in der Spitze ein großes Land im Golf und hätte mit dem PGA Catalunya einen hervorragenden Platz zu bieten. Doch war Valderrama bereits 1997 Austragungsort des Ryder Cup. Im Angesicht der wirtschaftlichen Krise der Golf-Industrie ist zu erwarten, das „Neuland“ erschlossen wird. Auch Portugal werden keine großen Chancen eingeräumt, da das krisengebeutelte Land wohl kaum den finanziellen Rückhalt bieten kann wie einige seiner Konkurrenten. Italien tritt mit dem Marco Simone Club nörlich von Rom an, auf dem 1994 die Italian Open stattfanden. Doch auch Italien gilt in Fachkreisen als eher unwahrscheinlich.

Mr. Ryder Cup sagt: Deutschland – 1up

Tritt man nun also einen Schritt zurück und betrachtet die Situation im Gesamtbild, so stehen die Chancen für Deutschland gar nicht übel. Wirtschaftlich bringt es die besten Voraussetzungen mit, und mit einem hoffentlich erfolgreichen Solheim Cup im Rücken, der vielleicht neue Golfer mobilisiert, einer Golf-Legende (Bernhard Langer), die vielleicht Kapitän im eigenen Land wäre, und einer pulsierenden Metropole als Bühne des Spektakels – was soll da noch schief gehen? Und wenn es dann sogar Mr. Ryder Cup höchstpersönlich mit den Deutschen hält, dann ist das Ding doch eigentlich schon geritzt.

Wie stehen die Chancen für Deutschland beim Ryder Cup 2022, was denken Sie?

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Oliver Felden

Oliver Felden - Freier Autor für Golf Post

Während seines Studiums der Sportwissenschaft und Germanistik kam er über das Crossgolfen auf die gemähten Wiesen der Republik. Seine Waffen sind die kurzen Eisen, doch der Putter bringt ihn noch viel zu oft auf den Boden der Tatsachen zurück. Seine Abschlussarbeit hatte den Titel: "Golf in der Schule - Bildungspotenziale und Grenzen".
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