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Der Ryder Cup: Ruhm, Ehre, Prestige – und Höhepunkt im Millionenspiel

Für European Tour geht es hinter den Kulissen des Kontinentalduells um viel Geld. Aber darum dreht sich der Golfsport seit jeher.

Hinter den Kulissen des Ryder Cup geht es vor allem um eins: Viel Geld. (Foto: Getty)
Hinter den Kulissen des Ryder Cup geht es vor allem um eins: Viel Geld. (Foto: Getty)

„Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles. Ach, wir Armen!“ So ließ Goethe 1808 im „Faust“ das Gretchen sinnieren: Selten trifft sein geflügelter Satz derart zu wie in diesen anstehenden Golftagen, die gleichermaßen wahre Zahltage sind. Ohnehin wohl die Individualsportart, in der das meiste Geld kursiert, kulminiert das Millionenspiel an den beiden kommenden Wochenenden förmlich zum Füllhorn, aus dem sich der Zaster wasserfallartig ergießt.

Einzige Kuh im Stall, die reichlich Milch gibt

Erst zocken im East Lake GC zu Atlanta 30 Professionals um die (noch) rund 19 Millionen Preisgeld- und Bonus-Dollar im FedEx Cup, dann steigt im Le Golf National nahe Paris DAS Golfereignis schlechthin, der Ryder Cup. Bei der European Tour in Virginia Water reiben sich CEO Keith Pelley und seine Mannen die Hände – in doppeltem Wortsinn, denn wer will schon mit kalten Fingern die einzige Kuh im Stall melken, die nicht nur Heu vertilgt, sondern vor allem reichlich Milch gibt.

Ja, es geht beim Kontinental-Duell zwischen Europa und den USA um Ruhm und Ehre, um Prestige und Fahnenstolz, um die schöne Mär, dass die Spieler sozusagen ehrenamtlich antreten, belohnt durch das Erlebnis, beflügelt durch den Korpsgeist, im Siegfall als Ryder-Cup-Gewinner geadelt. Es hat freilich der Ich-AG eines Profis wirtschaftlich noch nie geschadet, das Etikett einer Ryder-Cup-Teilnahme oder gar eines -Siegs in der persönlichen Bilanz zu haben. Und hinter den sportlichen Kulissen geht es aber mal richtig um Geld. Um richtig viel Geld!

Ryder-Cup-Jahre bringen satten Gewinn statt Verlust

Der Ryder Cup ist für Virginia Water die einzige ernsthafte Einnahmequelle; die European Tour finanziert sich nahezu ausschließlich durch das, was sie alle vier Jahre über ihren 60-prozentigen Anteil an der Ryder Cup Europe LLP – die restlichen jeweils 20 Prozent gehören der PGA of Great Britain und der PGA of Europe – generiert. Ein Beispiel: 2010 schrieb die Tour laut des englischen Fachmagazins „Golfweek“ mit dem Team-Wettbewerb im walisischen Celtic Manor einen Gewinn von 12,4 Millionen Euro, im Jahr drauf machte man 2,5 Millionen Euro Verlust.



Da wundert es kaum, dass bereits bei der Vergabe dieser „Cash Cow“ um jeden Heller gefeilscht wird. In allzu unguter deutscher Erinnerung dürfte das Plazet für den Marco Simone Golf & Country Club nahe Rom als Austragungsort 2022 sein. Die Italiener erhielten den Zuschlag für ihre betagte Wiese, weil sie als einzige Pelleys Nachfrage erhörten und einen finanziellen Nachschlag über das sogenannte „Commercial Rights Fee“ hinaus sowie allerlei Dreingaben zusicherten. Deutschland mit dem A-Rosa-Resort am Scharmützelsee in Bad Saarow, Österreich und Spanien mochten nicht noch tiefer in die Tasche greifen und hatten das Nachsehen.

Es gibt das „Bid Book“, und es gibt Bieter

Auch der Zuschlag für Frankreich heuer kam beileibe nicht wegen des vollständig ausgefüllten „Bid Books“, das hatten die damaligen Mitbewerber um den Wittelsbacher Golfclub in Rohrenfeld-Neuburg ebenfalls. Was zählt, sind die sonstigen Angebot der Bieter. Die Präsentation der Franzosen mag sowieso deutlich charmanter gewesen sein, aber den Ausschlag gab zuvorderst die Unterstützung der Regierung und die ohne große Debatte signalisierte Befreiung von der Mehrwertsteuer.

Den Ryder Cup in Wales beispielsweise hat sich Celtic-Manor-Besitzer Terry Matthews förmlich gekauft. 45 Millionen Euro soll der Milliardär für die Image-Aufwertung seines Resorts auf den Tisch der European Tour geblättert haben. Nicht anders lief es bei Michael Smurfit und seinem K Club in Irland oder 1997, als Valderrama-Patron Jaime Ortiz-Patino den Ryder Cup nach Spanien und damit erstmals aufs europäische Festland holte.




Zaster macht das Geländespiel zum Sportevent

Geld regiert bekanntlich die Welt, die Golfwelt nicht minder. Man mag das bedauern, aber alle Idealisten seien daran erinnert, dass Golf durch den Zaster überhaupt erst vom Geländespiel zum Sport avancierte. Damals, Mitte des 19. Jahrhunderts, als die Herren der feineren Gesellschaft des Zockens auf Pferderennen, Faustkämpfe oder Bogenschützenwettbewerbe überdrüssig waren und sich mit ihrer Wettleidenschaft dem „Gowf“ zuwandten.

Als Greenkeeper, Ballmacher und Schlägertüftler namens Allan Robertson oder Tom Morris zur Verstärkung für den eigentlichen unter Gentlemen ausgetragenen „Foursome“ engagiert wurden, um mit solch schlagfertigen Partnern die eigene Siegchance zu erhöhen, oder man die raubeinigen Gesellen wie Gladiatoren der Links gleich direkt aufeinander los ließ – mit der Aussicht auf einen Anteil an den prall gefüllten Wettbörsen als Anreiz. Heutzutage nennt man das Preisgelder, damals begründete es den Stand der Berufsspieler.

2006 bis 2010 brachten 203 Millionen Euro

Die heutigen Promoter des Golfsports folgen letztlich nur diesem historischen roten Faden. Einer wie der Kanadier Keith Pelley zum Beispiel ist genau deswegen Boss der European Tour. Weil die Tour für ihn eine „Unterhaltungsfirma“ ist; weil er als Experte für „Lizenzvergabe, Sponsoring, Marketing, Markenbildung, Eventmanagement“ (O-Ton Tour) und letztlich als effizienter Makler des Machbaren gilt.





Gemäß einer Auswertung der britischen Boulevardzeitung „Daily Mail“ haben die jüngsten drei Ryder-Cup-Auflagen der European Tour summa summarum 203 Millionen Euro in die Kasse gespült. Für Paris, so wird kolportiert, zahlen allein die rund 25 offiziellen Partner des Ryder Cup Europe jeweils zwei Millionen Euro. In Gleneagles 2014 sollen sich die Einnahmen aus der unmittelbaren Vermarktung des Events auf knapp 60 Millionen Euro addiert haben. Paris dürfte wieder eine Steigerung bringen, da lässt es sich wohlfeil Hände reiben.

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