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St. Andrews stimmt ab: Frauen aufnehmen oder nicht?

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27. Mrz 2014
Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang für Frauen im "Home of Golf"? Der Royal & Ancient Golf Club of St. Andrews entscheidet über die Zukunft des Sports. (Foto: Getty)
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Der Royal & Ancient Golf Club of St. Andrews will Frauen aufnehmen – oder doch nicht? Die Mitglieder sollen entscheiden.

Einmal mehr stellt sich eine Frage, die die Golfwelt spaltet wie kaum eine andere: Fällt der Ausschluss von Frauen in Golf Clubs in die Kategorie „konservativer Traditionalismus“, den es aufgrund der Historie zu respektieren gilt? Oder ist er vielmehr Ausdruck längst überholter Werte, die unserer emanzipierten Welt verachtend gegenüberstehen?

Laut Daily Mail  wird sich noch in dieser Woche der Vorsitzende des Championship-Komitees des royalen Golf Clubs St. Andrews, Wilson Sibbet, an alle 2500 Mitglieder des Clubs wenden, um diese Frage für das Home of Golf final zu beantworten. „Jetzt ist die Zeit, die Mitglieder des Royal & Ancient Golf Club of St. Andrews zu befragen, ob sie Frauen im Club willkommen heißen wollen“, schreibt Sibbet in seinem Brief an die Mitglieder und bringt damit einen Stein ins Rollen, der Augusta National im August 2012 zwei weibliche Mitglieder bescherte.



"The Home of Golf" - Die Geschichte von St. Andrews

Royal & Ancient Golf Club of St. Andrews – Home of Golf

Der Royal & Ancient Golf Club of St. Andrews ist die Institution im internationalen Golfsport. Das liegt an seiner geschichtlichen Bedeutung für den Sport. Als sich die Stadt St. Andrews 1754 großen Schwierigkeiten gegenübersah, stellten laut der Webseite des Clubs „22 Noblemen and Gentlemen of the Kingdom of Five“ einen silbernen Schläger zur Verfügung, der den Preis für einen Wettkampf auf dem Golfgelände von St. Andrews darstellte, um so die Stadt zu unterstützen. Die gleiche Gesellschaft wird als Gründerkreis des erlauchten Clubs geführt.

Seit Ende des 19. Jahrhunderts galt der Club als regelgebende Macht und als „Home of Golf“ auf den britischen Inseln, und auch für den Rest der Welt sollte er diese Eigenschaften verantworten. Bis heute ist eine Mitgliedschaft im altehrwürdigen R&A St. Andrews ausschließlich Männern vorbehalten. Dass dies den damaligen gesellschaftlichen Strukturen entsprach, ist unstrittig und belegt, nicht zuletzt durch die berühmt-berüchtigten Schilder „Women and Dogs not allowed“. Doch ist eine solche Haltung aus heutiger Sicht noch tragbar? Bisher hieß es immer: Der Royal & Ancient Golf Club of St. Andrews hat seine Prinzipien.

Selbst Augusta National ist in der Moderne angekommen

„Es ist natürlich Sache der Mitglieder“, heißt es in dem Brief weiter, „darüber zu entscheiden, ob sie einer Änderung der Regeln, und damit einer Änderung der Clubpolitik, zustimmen“. Dass auch erzkonservative Clubs im neuen Jahrtausend ankommen können, zeigte zuletzt der wohl exclusivste Club der USA, der Augusta National. Auch hier hielten die Traditionalisten lange dagegen, bevor 2012 der Druck zu groß wurde und mit Condoleezza Rice und Darla Moore die ersten Frauen im Heimatclub von Bobby Jones Mitglieder wurden.

Noch im Frühjahr soll dieses Thema bei einer clubinternen Versammlung des Royal & Ancient Golf Club of St. Andrews eingehend diskutiert werden, bevor im Herbst 2014 darüber abgestimmt werden soll. Die Vorsitzenden des „General Committee“ wünschen sich aufrichtig, dass diese Regeländerung enthusiastisch unterstützt würde, schließt der Brief ab. Eine Entscheidung zugunsten der Aufnahme von Frauen würden wohl auch einige der prominentesten Mitglieder begrüßen, zu denen zum Beispiel James-Bond-Star Sir Sean Connery, Jack Nicklaus oder der amerikanische Tycoon und Old-Course-Hotelbesitzer Herbert Kohler zählen.

Ist die Zukunft von Golf die Vergangenheit?

Sollte die Entscheidung allerdings negativ ausfallen, hätte das traurige Konsequenzen für den Club, und im Endeffekt auch für den Golfsport im Allgemeinen. Eine Sportart, die global unter ihrem elitären, verstaubten Image leidet, kann sich nur aus ihren Ketten befreien, indem sie sich endlich des Muffs vergangener Jahrhunderte entledigt.

Altehrwürdig oder antiquiert – wie ist eure Meinung?

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Oliver Felden

Oliver Felden - Freier Autor für Golf Post

Während seines Studiums der Sportwissenschaft und Germanistik kam er über das Crossgolfen auf die gemähten Wiesen der Republik. Seine Waffen sind die kurzen Eisen, doch der Putter bringt ihn noch viel zu oft auf den Boden der Tatsachen zurück. Seine Abschlussarbeit hatte den Titel: "Golf in der Schule - Bildungspotenziale und Grenzen".
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