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Revolution im Golf: Wenn der Mittwoch der neue Sonntag wird!

20. Mai 2015
Noch werden Flutlichtmasten auf Golfplätzen nur für Trainingseinheiten oder Show-Matches angeschaltet. In Zukunft könnten ganze Finals am Abend stattfinden. (Foto: Getty)
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Die LET schickt ihre Spielerinnen erstmals von Sonntag bis Mittwoch raus. Neue Zeiten und Flutlicht sind Schritte zu größeren Reformen.

Beim Blick auf den Turnierkalender hätte tatsächlich der Eindruck entstehen können, bei der Ansetzung der Turkish Airlines Ladies Open auf der Ladies European Tour (LET) handele es sich um einen Fehler. Welches Turnier im internationalen Profigolf beginnt schließlich an einem Sonntag und endet mit dem großen Finale an einem Mittwoch? Der zweite Blick offenbart dann jedoch: kein Fehler, alles richtig und vor allen Dingen genau so gewollt. Das Event in der Türkei war ein Test, die Turnierkalender zu entzerren und auch für kleine Serien größt mögliche Aufmerksamkeit bei Fernsehsendern sowie Sponsoren zu generieren. Ein Schritt, dem weitere folgen könnten.

Golf rund um die Uhr – Eine Win-Win-Situation

„Die Strategie der Ladies European Tour beinhaltet die Sondierung von neuen Wegen, maximalen Kontakt zum Frauengolf zu bieten, die Basis hinter den traditionellen Golffans auszubauen, das veränderte Kundenverhalten zu reflektieren und volle Wochenenden zu vermeiden, die ohnehin durch viele Sportarten überbelegt sind“, erklärt LET-Geschäftsführer Ivan Khodabakhsh die Ansetzung. Diese hat sich für die Turnierorganisatoren direkt bezahlt gemacht. Die Turkish Airlines Ladies Open wurde in 60 Länder und 243 Millionen Haushalte übertragen. Die Preisgeldsumme betrug stolze 500.000 Euro – doppelt so viel wie noch im Vorjahr.

Sky Sports und Golf Channel lassen grüßen. Die verschachtelte Ansetzung der unterschiedlichen Golfturniere ermöglicht quasi eine 24/7-Liveübertragung. Gesteigerte mediale Aufmerksamkeit zieht ein höheres Sponsoreninteresse nach sich, dies steigert, wie sich in der Türkei gezeigt hat, merklich die ausgeschütteten Preisgelder, was in den meisten Fällen namhaftere Spieler anlockt und damit mehr Fans auf die Anlagen bringt. Für alle Beteiligten eine gewinnbringende Situation.

Kleine Touren profitieren von mehr Aufmerksamkeit

Abseits von PGA, European und LPGA Tour ist das erstmals getestete Konzept gerade auf die zweit- oder drittklassigen Touren übertragbar. Sie erlangen damit eine für sie überaus hohe Aufmerksamkeit. An dieser Stelle zeigen sich erkennbare Parallelen zur Entwicklung der Ansetzungen im internationalen Fußball. Wie auch dort ließen sich in Zukunft im Golf noch ganz andere Szenarien verwirklichen, um für Spannung und Unterhaltung zu besten Sendezeiten zu sorgen.

Immer mehr Golfplätze installieren Flutlichtanlagen, bislang in erster Linie für ausgedehnte Trainingsmöglichkeiten bis in die Nachtstunden oder Show-Wettkämpfe. In absehbarer Zeit könnten sie allerdings der Türöffner für komplette Wettkämpfe unter Kunstlicht sein. Was für eine Vorstellung: Der entscheidende Putt auf dem Grün an der 18 fällt unter Flutlicht, während die Zuschauer auf den im Dunkel liegenden Tribünen ebenso jubeln, wie die Fans vor dem Fernseher zur absoluten Prime Time.

Über Flutlicht-Golf zu neuen Wegen

Golf muss mit der Zeit gehen und sich im mit Ellbogen geführten Kampf um die besten Sendeplätze regelmäßig mit renomierten Sportarten duellieren, die häufig schon an die veränderten Anforderungen im Markt angepasst sind. Warum also nicht wie von LET-Geschäftsführer Khodabakhsh beschrieben, sämtliche neue Wege zumindest einmal ausprobieren. Eine kompetente Analyse der Ergebnisse solcher Versuche wird schließlich ohnehin Aufschluss darüber geben, ob es sich um zukunftsweisende Reformen handelt, oder vermeintliche „Eintagsfliegen“.

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Alexandra Caspers

Alexandra Caspers - Freie Autorin bei Golf Post

Als sich ihre Familie und ihr Bekanntenkreis nach und nach mit Golffieber infizierte, gab es für Alexandra auf lange Sicht kein Entkommen. Jetzt taucht sie neben ihrem Germanistik-Studium selbst in die Welt des Golfsports ein.

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