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Pures Links-Vergnügen an Hollands Nordseeküste

In den Niederlanden warten wunderschöne Links-Kurse. Jürgen Linnenbürger hat einige davon gespielt und ist begeistert. Ein Reisebericht.

In Holland warten nicht nur fantastische Links-Kurse auf einen, sondern auch Natur und Strand. (Fotos: Jürgen Linnenbürger)
In Holland warten nicht nur fantastische Links-Kurse auf einen, sondern auch Natur und Strand. (Fotos: Jürgen Linnenbürger)

"Willst Du immer weiter schweifen? Sieh das Gute liegt so nah." Schon Goethe war davon überzeugt, dass weiter nicht auch besser bedeuten muss. Dies trifft auch auf die traumhaften Linksplätze unseres Nachbarlandes zu. Sie gehören mit zu den Besten, die das europäische Festland zu bieten hat. In nur 2,5 - 3 Stunden erreicht man sie von vielen Orten NRWs aus.

Idealer Ausgangspunkt zu ihrem Kennenlernen ist der Badeort Noordwijk aan Zee. Er liegt auf halber Strecke zwischen Zandvoort und Den Haag. Das gepflegte, elegante Städtchen zieht mich schon seit meiner Kindheit an. Ich fahre immer wieder gern hierher. Der Fischwagen am Ende des Königin-Wilhelmina Boulevards steht direkt an den Dünen. Die für Holland typischen Milchbrötchen mit frischem Matjes und Zwiebeln sind ein Muss. Genauso wie die Variante mit frischen Krabben und leckerer Cocktailsauce. Auch der gebackene Kibbeling ist ein Dauerbrenner. Doch Vorsicht vor den Möwen. Sie lauern gierig auf ihre Opfer und schnappen im Sturzflug erbarmungslos zu. Ihre Dreistigkeit ist kaum zu überbieten.

An den 13 km langen, sauberen Strand gelangt man über kurze Holzstege durch die geschützten Dünen. Vor einem breitet sich die weite Nordsee aus. Ich liebe die Strandspaziergänge, bei denen mir der frische Wind um die Ohren weht und die seichten Wellen meine Füße umspülen. In den letzten Jahren sind am Rande der Dünen etliche stylische Beach-Restaurants entstanden. Ihre eleganten, windgeschützten Lounge-Bereiche ziehen magnetisch an. Tagsüber kann man hier bei chilliger Musik sonnenbaden und einen Kopje Koffie genießen.

Strandübergang in Noordwijk aan Zee. (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Strandübergang in Noordwijk aan Zee. (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Abends begeistern traumhafte Sonnenuntergänge bei faszinierendem Licht, sanften Beats und ‚lekkerer' Küche. Das Gastronomie-Angebot ist äußerst vielfältig und auf hohem Niveau. Mehr Nordsee-Vergnügen geht nicht. Ein Bummel durch die Hoofdstraat mit ihren einladenden Geschäften, Boutiquen und Cafés sollte man ebenso einplanen wie einen Besuch der naheliegenden Space Expo. 2018 steht Noordwijk aan Zee ganz im Zeichen der Raumfahrt und des Weltalls.



Himmlisch schlafen mit Blick auf die Meerjungfrau

Als Domizil für den Golf-Kurzurlaub empfiehlt sich das Radisson Blu Palace Hotel. Es liegt ruhig in Gehweite zum Meer und ist kürzlich zum 4-Sterne Superior Hotel ernannt worden. Seine geräumigen Superior Zimmer sind mit einem kleinen Balkon ausgestattet. Der Schlafbereich mit dem sehr bequemen King-Size Bett befindet sich in einem separaten, offenen Nischenbereich. Das WC ist vom geräumigen Bad mit Dusche und Badewanne getrennt.

Das umfangreiche, abwechslungsreiche Frühstücksbuffet nimmt man entweder im Restaurant ‚Circle' oder auf dessen großzügiger Terrasse direkt vor dem Hotel ein. Die großartigen Omeletts und Waffeln verdienen eine besondere Erwähnung. Der moderne Barbereich in der neu gestalteten ‚Dunes Lounge & Bar' lädt zu einem Snack und/oder Absacker ein. Das Gym ist mit modernen Geräten ausgestattet und sehr sauber. Der Zugang ist ebenso kostenfrei wie zum Spa-Bereich mit Indoor-Pool. Die Hotel-Mitarbeiter sind äußerst freundlich und aufmerksam.

Das Radisson Blu Palace. (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Das Radisson Blu Palace. (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Ein weiteres Plus ist die geräumige Tiefgarage, die man nutzen sollte. Parkraum ist in Noordwijk aan Zee knapp und kostspielig. Verkehrsverstöße können teuer werden. Die freundlichen Grüße vom Central Justitieel Incassobureau für eine innerörtliche Geschwindigkeitsübertretung von vier km/h kosten mich 36 Euro. Unerlaubtes Parken verschlingt gleich die Kosten für ein gesamtes Abendessen. Wer nicht mit dem Pkw anreist, gelangt vom nahegelegenen Amsterdamer Airport Schiphol bequem mit dem Bus zum Hotel. Die Haltestelle befindet sich direkt daneben.



Drei auf einen Streich

Den ‚Noordwijkse Golfclub' erreicht man in 10 Minuten vom Hotel aus. Aber Achtung, die Zufahrt kann man leicht verfehlen. Lediglich ein kleines Holzschild am Rand der Straße kennzeichnet den Weg. Gegründet wurde der Club bereits 1915. Sein heutiges Layout erhielt der Platz in den frühen 1970er Jahren von dem Architekten Frank Pennink. Hoch über ihm thront das Clubhaus mit seiner großzügigen Terrasse. Von hier hat man einen fantastischen Blick über die weitläufige, offene Anlage.

Fairway der 18. Bahn mit dem Clubhaus im Hintergrund. (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Fairway der 18. Bahn mit dem Clubhaus im Hintergrund. (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Der Par 72 Kurs hat eine Länge von 5.883 m von den gelben und 4.998 m von den roten Abschlägen. Er zählt seit Jahrzehnten zu den Top-Plätzen in den Niederlanden. Einen besonderen Reiz hat er am frühen Morgen. Die Möwen auf dem mit Tau belegten Fairways bilden eine herrliche Kulisse.

Seine welligen, bergauf und bergab gestalteten Bahnen verlaufen größtenteils durch die einzigartige Dünenlandschaft. Sie zählt mit zu den schönsten auf dem europäischen Festland. Auch wenn man das Meer nicht sieht, ist es ein Links-Kurs der Extraklasse. Überraschend ist, dass sich einige der Löcher (4-7 sowie 11 und 12) durch einen Pinienwald schlängeln und man das nahegelegene Meer kurzfristig vergisst. Etliche Fairways erreicht man von höher gelegenen Abschlägen. So auch das der ‚1', die an der angrenzenden Driving Range vorbeiläuft. Deren Lage befindet sich zwischen dem ersten, zweiten und neunten Loch und wird somit kaum genutzt.

Blick von der Terrasse des Clubhauses mit Starterhäuschen und Tee 1. (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Blick von der Terrasse des Clubhauses mit Starterhäuschen und Tee 1. (Foto: Jürgen Linnenbürger)





Der Platz ist äußerst anspruchsvoll und zählt mit zu den schwierigsten in den Niederlanden. Kommt man von den Fairways ab, wird es schwierig. Die meisten Grüns sind schräg und von unten anzuspielen, jedoch nur wenig onduliert. Von den gelben Abschlägen hat er einen Slope von 138, von den roten 128. Zu seinen Herausforderungen zählen auch einige blinde Schläge. Spektakulär ist der an Bahn 15, wo man den Abschlag hoch über die Kuppe einer Düne spielen muss.

In vergangenen Zeiten haben hier neunmal die Dutch Open stattgefunden. Zu seinen Siegern zählten unter anderem Steve Ballesteros und Colin Montgomerie. Bernhard Langer hat 1992 und 2001 hier gewonnen. Der Empfang im Proshop ist freundlich, der Service im Clubhaus-Restaurant aufmerksam.

Das Clubhaus flösst Ehrfurcht und Respekt ein

Auch der ‚Kennemer Golf & Country Club' in Zandvoort ist ein Club mit einer langen Tradition. 1910 wurde er an anderer Stelle gegründet. 1928 erfolgte die Verlegung auf das heutige Terrain und die Erweiterung auf 18 Löcher. 1945 kamen weitere neun Löcher hinzu. Ca. 1,5 km vom Meer entfernt, zählt auch er mit zu den Spitzenplätzen in den Niederlanden. Es ist ein typischer, old-fashioned Links-Kurs, auf dem zehnmal die Dutch Open stattgefunden haben. Fünf internationale Amateurmeisterschaften der Herren sowie drei der Frauen wurden hier ebenfalls ausgetragen.

Je nach Tag und Windrichtung hört man das Dröhnen der Boliden vom nahegelegenen Formel 1-Kurs. Einige wenige Appartementblocks beeinträchtigen die ansonsten freie Sicht. Seine 3 x 9 Löcher tragen die Namen ihrer Architekten Van Hengel, Pennink und Colt. Die B- und C-Schleifen verlaufen durch das hügelige, offene Dünengelände. Der A-Kurs ist enger und länger. Die Distanzen variieren zwischen 2.830m und 2.951m von den gelben und zwischen 2.449m und 2.570m von den roten Abschlägen. Das riesige, mit Reet gedeckte Clubhaus wirkt von außen majestätisch. Im Inneren erinnert vieles an seine lange Historie. Unmittelbar vor seiner Terrasse befindet sich der erste Abschlag des B-Kurses. Zuschauer sind also üblich.

Clubhaus des Kennemer Golf & Country Club. (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Clubhaus des Kennemer Golf & Country Club. (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Das Beste zum Schluss

Das absolute Highlight der drei gespielten Plätze ist der Koninklijkse Haagsche Golf & Country Club (KHGCC). Er liegt in Wassenaar, in der Nähe von Den Haag. ‚top100golfcourses.com' und ‚leadingcourses.com' ratet ihn als besten Platz Hollands. Die schmale Eingangsallee ist von hohen Bäumen flankiert und führt auf den Parkplatz. Von dort geht es zunächst bergauf zum Clubhaus und dann steil weiter zum Starterhäuschen auf den höchstgelegenen Punkt der Anlage.

Dieser Links-Kurs ist einfach nur großartig. Allein schon die Sicht vom ersten Tee ( Par-5) über das weitläufige, hügelige Gelände ist beeindruckend. Es geht ständig bergauf und -ab. Wer denkt, dass Holland nur flach ist, wird hier eines Besseren belehrt. Angrenzende Gebäude sucht man vergeblich. Von einigen Punkten sieht man das in der Ferne liegende Meer. Gegründet wurde er bereits 1893. Deshalb wird er auch ‚Oude Dame' genannt.

Teebox des ersten gelben Abschlages. (Foto:Jürgen Linnenbürger)

Teebox des ersten gelben Abschlages. (Foto:Jürgen Linnenbürger)

Sein heutiges Layout besteht größtenteils seit 1938. Gestaltet hat ihn Charles Hugh Alison. Später wurden einige Anpassungen vorgenommen. In jüngster Zeit wurden die Grüns und Abschläge überarbeitet und einige Grünbunker verlegt. Die meisten Fairways der Front Nine sind breit und offen, die der zweiten Neun zum Teil recht schmal. KHGCC war Gastgeber diverser Dutch Open sowie verschiedener European Championships der Senioren und Amateure, zuletzt im Juni diesen Jahres.

Jedes der 18 Löcher des Par 72-Platzes bietet eine andere Sicht. Seine Herausforderungen sind die Schräglagen, blinde Schläge und die großen, zum Teil stark ondulierten Grüns. Spielt man diese nicht an der richtigen Seite an, rollt der Ball weit in die davor liegenden Senken hinab. Nicht zu vergessen ist das gnadenlose Rough. Von den gelben Abschlägen sind es 5.657 m, von den roten 5.061 m. Auf niedrige Handicapper warten 6.261 m von den hinteren Abschlägen. Dann wird der Platz zum Monster. Insbesondere, wenn der nicht seltene, aber heftige Wind ins Spiel kommt. So auch an Loch 4, ein 203 m langes Par 4.

Blick vom gelben Tee auf das Grün von Bahn 4. (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Blick vom gelben Tee auf das Grün von Bahn 4. (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Mit Fairway-Bunkern hat man auf dem Platz gespart. Den Einzigen findet man an der 13, ein Par 4 mit einem leichten Dogleg nach links. In diesem Jahr feiert man das 125-jährige Bestehen des Clubs. Das Jubiläum nahm man zum Anlass, um auf dem Platz weiße Entfernungstafeln 125 m vor dem Grün in die Fairways einzulassen. Eine ungewöhnliche, aber sehr originelle Idee. Außerdem wurden Fotos von Mitgliedern erstellt, die als Girlanden das Clubhaus schmücken. Es besticht durch seinen gediegenen, sportlich eleganten Charakter mit einer großartigen Bar.

Bahn 13 mit dem einzigen Fairway-Bunker auf dem Platz. (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Bahn 13 mit dem einzigen Fairway-Bunker auf dem Platz. (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Von der quer vor dem Clubhaus verlaufenden Terrasse überblickt man den gesamten Verlauf der 18. Bahn. Das Par-5 ist auf beiden Seiten der Fairways von Rough und/oder hohen Bäumen umgeben. Der erhöhte Abschlag steigert den Adrenalinspiegel zum Schluss noch einmal kräftig.

Zum Kennenlernen des Platzes begleitet mich ein Mitglied des Course Committées auf der Runde. Mein Mitspieler ist nicht nur ein exzellenter Golfer und hilfreicher Ratgeber, sondern auch ein ausgesprochen sympathischer und entspannter Flight-Partner. Dies gilt genauso für den Vorsitzenden des Course Committées und den Präsidenten, die ich ebenfalls treffe.

Das Abschlussloch. Ein Par-5 mit 462 Metern von gelb. (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Das Abschlussloch. Ein Par-5 mit 462 Metern von gelb. (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Ich fühle mich rundum wohl bei Hollands Nr. 1. Es beginnt mit dem netten Empfang im Starterhäuschen und dauert bis zu meinem Verlassen des Clubgeländes an. Dieser Tag gehört zu meinen unvergesslichen Golferlebnissen. Auf den Plätzen gilt eine HCP-Beschränkung von 24. Gäste können ihn montags bis freitags einige wenige Male im Jahr spielen. Mitglieder eines nicht-holländischen Clubs zahlen für die Greenfee 100 Euro im Kennemer, 125 Euro im Noordwijkse und 150 Euro im KHGCC.

Mein viertägiger Kurzurlaub an Hollands Nordseeküste ist schwer zu toppen. Wer traditionelle Links-Plätze mag, ist hier goldrichtig. Viel besser kann ein Golftrip nicht sein, auch wenn er nicht gerade ein Schnäppchen ist.

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1 LESER-KOMMENTAR Geben Sie jetzt Ihre Meinung zu diesem Thema ab
  1. Thomas Lueders

    Lieber Herr Linnenbürger,

    nach dem Lesen Ihres Artikels kann ich überhaupt nicht mehr verstehen, warum es in Deutschland „einige wenige“ Menschen gibt, die Golfspielen elitär finden! Sie steigen als Platz-Tester in Holland im Radison Blu Palace ab und die von Ihnen getesteten Plätze kosten lediglich 100 / 125 / 150 Euro. Also alles ein echtes Sonderangebot!
    Ich bin – verstehen Sie mich nicht falsch – überhaupt kein Schnäppchen-Jäger. Qualität soll auch seinen Preis haben. Nur, die von Ihnen getesteten Plätze kosten im Original, also in England, weniger als die Hälfte. Und dort sind die LINKSKURSE dann auch noch 100 – 150 Jahre alt. Und ein Bed & Breakfast gibt es in gutem Zustand zwischen 40 – 50 Pfund (gleich ein wenig mehr als 40-50 Euro).

    In diesem Sinne
    Viele Grüße,
    Thomas Lüders

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