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Bryson DeChambeau: Porsche-Grüns in 3D für den Golf-Professor

Das „grüne Monster“ von Green Eagle ist bereit für die zweite Auflage der Porsche European Open. 900 Tonnen neuer Bunkersand.

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Der "Golfprofessor" Bryson DeChambeau tritt in Hamburg bei der Porsche European Open erstmals auf deutschem Boden an. (Foto: Getty)

Irgendwann vergangene Woche machten Mensch und Maschine einfach schlapp: Da kapitulierte Michael Blesch vor der mörderischen Sonne, steuerte seinen überhitzten Rasenmäher unter einen schattenspendenden Baum, schaltete den Motor ab und schloss selbst für eine kurze Siesta die Augen. Rundherum wuchs unterdessen der Porsche Course von Green Eagle weiter seiner zweiten Porsche European Open entgegen.

Fairways und Grüns in perfektem Zustand

Monatelang hatten Blesch, sein Partner Ralf Lühmann und ihr Team aufs neuerliche Gastspiel der European Tour in Winsen/Luhe hingearbeitet und das „Grüne Monster“, wie Rockstar Alice Cooper den 6.969 Meter langen Platz mal bezeichnet hatte, für den Saisonhöhepunkt vorbereitet. Es galt, Lehren aus dem verregneten Debüt 2017 umzusetzen, Details nachzubessern, kleine Fehler auszumerzen, die sich erst in der Praxis eines Turniers solcher Größenordnung bemerkbar machen.

In gewohnter Unermüdlichkeit, eher Rastlosigkeit erweiterten die Green-Eagle-Macher das Parkplatz-Angebot in unmittelbarer Nähe des Kurses auf ein Fassungsvermögen von 12.000 Fahrzeugen, bauten Zufahrten aus, schotterten Wege auf mehr als zwei Kilometern Länge, legten an Loch 13 eine neue Naturtribüne an, erhöhten den Standplatz für die im vergangenen Jahr fast abgesoffene TV-Technik der European Tour und vertieften im Gegenzug die Kapazitäten mehrerer Teiche. „Meinetwegen kann es jetzt regnen so viel es will“, sagte Blesch. „Wir sind gerüstet.“ Heftige Niederschläge sind angesichts der Wettervorhersage freilich diesmal seine geringste Sorge.

„16 ist ein Bär von einem Loch“

Doch trotz der extremen sommerlichen Witterung präsentieren sich Fairways und Grüns in perfektem Zustand, auch weil Blesch mit Wassergaben aus seinen Teichen nicht gegeizt hat. Spröde bleibt das „Grüne Monster“ trotzdem: 7 auf dem Stimpmeter für die Fairways (2,1 Meter) und 11,5 für die Grüns (3,5 Meter) sind beachtliche Werte. „Im Vergleich zum Vorjahr sind einige Bahnen dadurch einfacher“, befand Masters-Champion Patrick Reed und erwähnte besonders die 606 Meter lange 16, „ein Bär von einem Loch, so ein langes Par 5 habe ich noch nie gespielt!“. Andererseits berge der Bounce und der deutlich längere „Roll“ des Balls auf den harten Bahnen gewisse Risiken, das allerdings ist der Texaner ja ganz aktuell von der British Open in Carnoustie gewohnt.

Kritik am „Schotter“ auf den Grüns

Auch am Platz selbst legten Blesch und Co. erneut Hand an, verpassten dem Loch 15 einen Teich und zogen die Grünkante der 18 nah ans Wasser, so dass bei entsprechender Fahnenposition Bälle mit aggressivem Backspin durchaus in Gefahr laufen, baden zu gehen. Zudem hat das Fairway der Schlussbahn jetzt eine Plakette, die an den Albatros von Reed vergangenes Jahr erinnert, „mein erster in einem offiziellen Golfturnier“, wie er gestern verriet.



Schließlich wurde in allen 54 Bunkern des Porsche Course der Sand ausgetauscht. Die grobkörnige Mischung hatte 2017 für Kritik gesorgt, vor allem, weil der durch Schläge aus den Grünbunkern beförderte „Schotter“ das Putten zu einer holprigen Angelegenheit machte. Folglich ließ Blesch feiner gemahlenen Sand anliefern, über 30 Sattelzüge à 30 Tonnen, summa summarum mehr als 90 Tonnen Sand, die eingebracht und verdichtet werden mussten. „Unsere Greenkeeper sagen immer, die Arbeit hier ist wie Urlaub“, grinste der Chef: „Jetzt bekommen sie Strandfeeling gratis oben drauf.“

Clubmitglieder als freiwillige Greenkeeper

In einer konzertierten Aktion stachen zuguterletzt 20 freiwillige Helfer aus dem Club selbst das letzte unliebsame Kraut aus dem grünen Parkett. „Unsere Mitglieder sind großartig“, schwärmte Blesch. „Es gab noch nie Beschwerden, stattdessen ziehen sie voll mit, damit es von unserer Seite ein perfektes Turnier wird.“ Und als dann kurz vor Ultimo alles fertig und gerichtet war, da veröffentlichte Blesch („Es ist Stress, bringt aber eine Menge Spaß“) bei Facebook ein mehr als aussagekräftiges Bild.

Platt, aber glücklich: Michael Blesch nach getaner Arbeit auf einem Grün des Porsche Course. Foto: Michael Blesch/Facebook

Platt, aber glücklich: Michael Blesch nach getaner Arbeit auf dem Porsche Course. Foto: Michael Blesch/Facebook

Einladung an Nachwuchsspieler

Derweil saß Turnierdirektor Dominik Senn, Chef des Promoters 4Sports, im Clubhaus und zurrte letzte Zugänge für die Starterliste fest. Er sei kein Freund von Folklore, hatte der Schweizer schon bei der Ankündigung des „stärksten Teilnehmerfelds in der nunmehr 40-jährigen Geschichte der European Open“ (Senn) betont, und werde Wildcards lieber an Nachwuchsspieler denn an irgendwelche Tour-Veteranen vergeben. So kamen beispielsweise die Jungprofis Max Schmitt und Max Kramer oder Top-Amateur Hurly Long in den Genuss einer Einladung.



Für Zugkraft in der breiten Öffentlichkeit sorgen bei der Porsche European Open 2018 ohnehin vornehmlich die Professionals aus dem 4-Sports-Management-Stall, allen voran „Captain America“ Reed und „Golf-Wissenschaftler“ Bryson DeChambeau („Ich mag es, bei solchen Temperaturen zu spielen“), der mütterlicherseits sogar deutsche Wurzeln hat. Dazu Charles Schwartzel, der 2011 im Augusta National Golf Club den größten Erfolg seiner Karriere landete, die „echte Type“ Pat Perez, der zum Auftakt die Show-Sause „Porsche Urban Challenge“ auf der Hamburger Reeperbahn gewann, sowie Ryder-Cup-Kapitän Thomas Björn und Paul Casey, der als willkommene Verstärkung für den Kontinental-Wettbewerb auf den europäischen Circuit zurückgekehrt ist.

Regen nicht zu erwarten: Abschlag frei

DeChambeau übrigens macht seinem Ruf als golferischer Querdenker auch beim Deutschland Gastspiel alle Ehre. Der studierte Physiker mit der Ben-Hogan-Kappe und den gleich langen Eisen (95,25 Zentimeter), samt und sonders überdies auf Namen wie „Gamma“ (Eisen 3), „Tin Cup“ (Eisen 7) oder als Verbeugung vor Arnold Palmer „King“ (60-Grad-Wedge) getauft, ließ laut Turnierdirektor Senn im Vorfeld der Porsche European Open von den Spezialisten der Firma PuttView alle Grüns des Porsche Course vermessen – in 3D, wenn er schon seinen Winkel-Zirkel nicht mehr benutzen darf

Also, „Professor“ DeChambeau ist auf seine spezielle Weise gerüstet, Platz und Umfeld sind es gleichsam, der Baum für den Sieger steht ebenfalls bereit – einmal mehr kein Junggehölz, sondern ein Trumm von einer Kiefer, wie sie schon für den 2017er Sieger Jordan Smith gepflanzt worden war –, und Regen ist nicht zu erwarten: Abschlag frei für die Porsche European Open 2018!

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