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Wie Schlitzohr Palmer die PGA Championship zum Major machte

12. Aug 2015
Richtige "Buddies": Tiger Woods und Arnold Palmer (re.) verstehen sich blendend. (Foto: Getty)
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Die PGA Championship war nicht immer ein Major. Arnold Palmer änderte das mit seiner Vision vom „Grand Slam of Golf“.

1960, Ende Juni, irgendwo jenseits von New York: In einem dieser Flugzeuge, die neuerdings über den Atlantik düsen, philosophiert man über den ganz großen Titel im Golf. So wie der von Bobby Jones 1930. Einer ist passend zur Flughöhe auf dem Höhenflug: Arnold Palmer träumt von „The Impregnable Quadrilateral“ – vom „unbezwingbaren Viereck“, wie es Jones‘ Hof-Reporter O. B. Keeler nannte, bevor er das Wort-Ungetüm in Grand Slam umtaufte.

Arnold Palmer: „Ein viertes Major muss her“

Palmer fliegt zur Open Championship in St. Andrews. Er will auch so einen ganz großen Titel, diesen Grand Slam, den Bobby Jones geschafft hat. Doch den von Jones, die offenen britischen und US-Meisterschaften sowie ihre Pendants für Amateure, gibt es praktisch nicht mehr. Schon gar nicht für einen Profi. Die „Amateurs“ fallen aus; die British Open ist ein skurriles Turnier auf den fernen Schlechtwetter-Inseln; das Masters und die US Open bestimmen den Pulsschlag im Welt-Golf. Für Palmer indes ist die Open Championship Ehrensache. Er gilt als Nachfolger des großen Ben Hogan und bester Golfer seiner Zeit. So etwas verpflichtet.


Arnie wittert als aktueller Masters- und US-Open-Champion seine Chance. Nicht nur Hogans Drei-Major-Erfolg winkt. „Ich könnte es noch besser machen“, denkt sich Arnie, nämlich mit der Meisterschaft der Pros, der PGA Championship, als viertem Major! Was für ein Zufall: Der Pittsburgher Journalist Bob Drum sitzt mit Palmer im Flieger und macht die Idee publik. PGA-Präsident Harold Sargent nimmt dankend an. Der moderne Grand Slam für Profis ist geboren.

Der Grand Slam wertete die British Open auf

Über die Bedeutung der US- und der British Open muss man kein Wort verlieren. Außer, dass Palmer mit seiner Grand-Slam-„Reanimation“ in einem Zug auch die British Open wiederbelebte, während das Masters ja quasi schon als Major konzipiert worden war. Arnold Palmer schaffte somit eine Zusammenstellung von vier Turnieren, deren Bedeutung sich durch ihre Funktion als Puzzlestück für den einen großen Titel, den Grand Slam, noch potenzieren sollte – aus heutiger Sicht ein gelungener, werbewirksamer Schachzug.

PGA Championship als Refugium der Golf-Pros

Doch Golf war bis zum Zweiten Weltkrieg eine Angelegenheit der Herren von Stand, der Amateure, obwohl die Professionals sportlich dominierten. Die Pros – zwar seit 1916 in der PGA organisiert – waren zuerst mal Bedienstete der Clubs. Alle haben so angefangen: Sam Snead, Walter Hagen, Gene Sarazen, Byron Nelson, Ben Hogan. Als Caddies und Teilzeit-Pros in den Clubs. Sie tingelten über die Tour, um durch sportliche Meriten bessere Jobs für’s tägliche Brot zu bekommen.

Als Sohn des Pros im Latrobe Country Club, einer edlen Privatgesellschaft, kannte Arnold Palmer das Zweiklassen-System nur zu gut. Und als Idol wusste er den vom Fernsehen befeuerten Golf-Boom zu nutzen. Es hätte nicht die „PGA Championship“ sein müssen: Die Western Open zum Beispiel, heute bekannt als BMW Championship, war mindestens so prestigeträchtig. Aber Palmer wollte den Status der Berufsgolfer stärken, seine Gilde stützen. Das und der Ehrgeiz führten zur Kreation des modernen Grand-Slam.

Moderner Grand Slam – noch ohne Titelträger

Arnold Palmer wurde in St. Andrews übrigens Zweiter. Die PGA Championship beendete er als Siebter. Er kam „seinem“ Grand Slam nie näher als 1960. Selbst Tiger Woods hat es nie geschafft, alle Majortitel in einem Jahr zu gewinnen. Somit wartet der Grand Slam of Golf noch immer auf seinen ersten Titelträger.


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Michael F. Basche

Michael F. Basche - Freier Autor für Golf Post

Als Journalist, Golfbetriebsmanager und notorischer Zu-Kurz-Putter ist Michael F. Basche auf vielfache Weise dem Golf verfallen. Nach Jahren als Tageszeitungs-Sportredakteur und im PR- und Marketinggeschäft berät er heute u. a. Golfclubs in Fragen der Corporate Identity. Und widmet sich schreibend den vielfältigen Facetten des Großartigsten aller Spiele.
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