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Payne Stewart: Knickerbocker und Schiebermütze

13. Jun 2014
Payne Stewart nach seinem finalen Putt bei der US Open 1999 gegen Phil Mickelson, der Zweiter wurde und es noch fünf weitere Male werden sollte. (Foto: Getty)
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Rickie Fowler läuft bei der US Open im Payne-Stewart-Outfit auf. Ein Tribut an einen großen Golfer, der bei einem tragischen Flugzeugunglück starb.

Zum Auftakt der US-Open-Woche hat Rickie Fowler seine ganz eigene Methode, das Major in Pinehurst einzuleiten: In Kniebundhose und türkis-karierten Kniestrümpfen hat der junge US-Amerikaner die Erinnerung an einen großen Golfer zurückgeholt, der eng mit der US-Open-Geschichte in Pinehurst verknüpft ist: Payne Stewart.

Aber auch der amerikanische Golfverband USGA hat sich etwas Hübsches einfallen lassen: Er zeichnete Payne Stewart posthum mit dem Bob Jones Award aus, der seit 1955 ausschließlich an Sportsmänner von hohen Graden verliehen wird. Das ist mehr als eine nette Geste für den Golfer, der vor 15 Jahren mit der US Open in Pinehurst sein drittes Major und das letzte Turnier seines Lebens gewann. „Gentleman Payne“ war ein ganz Großer seines Sports. Das dramatische Flugzeugunglück im Oktober 1999 verwehrte ihm bloß die Zeit, dies auch weiterhin unter Beweis zu stellen.


Rickie Fowler mit Kniebundhose und Strümpfen à la Payne Stewart in der Auftaktrunde der US Open 2014. (Foto: Getty)

Rickie Fowler à la Payne Stewart in der Auftaktrunde der US Open 2014. (Foto: Getty)

Knickerbockers und Schiebermütze

William Payne Stewart, geboren am 30. Januar 1957 in Springfield/Missouri, war ein Exzentriker und Publikumsliebling, tief religiös und ein ausgemachter Witzbold gleichermaßen. Was ja auch kein Gegensatz sein muss. Er pflegte einen ausgefallenen Kleidungsstil als Reminiszenz an die Golftage der Vorzeit: Kniebundhosen in der Länge zwischen Knickerbockers und „Plus-Fours“, dazu stets die flache Schieberkappe auf dem blonden Schopf. Das alles nicht selten in schreienden Farben. Aber die Fans liebten ihn auch dafür. So sehr, dass sich der bescheidene Stewart des öfteren bei seinen Mitspielern für das Buhei entschuldigte, das am Rande der Fairways um ihn gemacht wurde.

Vorbildlicher Golfschwung

Wer so den Schläger handhabt, wie Payne Stewart, darf indes auch ein bisschen exzentrisch sein und als der Spieler mit dem größten Kleiderschrank beschrieben werden: Der weiche und fließende Schwung des 1,85-Meter-Manns gilt bis heute als einer der besten des modernen Golfsports. Damit sicherte sich Stewart insgesamt 24 Turniersiege, davon elf auf der PGA Tour und einen in Europa, die Dutch Open 1991.

Bis 1989 bester Golfer ohne Major

Payne Stewart war auch schon mal als bester Spieler der Welt ohne Major verschrien. Bei der PGA Championship 1989 hatte das ein Ende: Im Kemper Lakes Club/Illinois holte Stewart im Finale einen Sechs-Schläge-Rückstand gegen den allerdings auch schwächelnden Spitzenreiter Mike Reid auf, spielte vier Birdies auf den letzten fünf Löchern und gewann mit einem Schlag Vorsprung.

Erster US-Open-Sieg im Playoff

Auch ein paar US Open versemmelte Stewart nach Strich und Faden: 1986 verspielte er in Shinnecock Hills mit Bogeys auf der 13 und 14 eine knappe Führung, musste den Sieg Raymond Floyd überlassen und wurde nur geteilter Sechster. 1998 ging Stewart gar mit vier Schlägen Vorsprung in die Finalrunde und verlor am Ende mit einem Schlag Rückstand gegen Lee Janzen. Da hatte er die offene amerikanische Meisterschaft aber schon ein Mal gewonnen, als er 1991 im Hazeltine National Golf Club/Minnesota im Montags-Play-off mit einem Schlussspurt Scott Simpson in die Knie zwang.

Ein Putt fürs Geschichtsbuch

15 oder 18 Fuß? Fünf oder sechs Meter? Es gibt unterschiedliche Angaben über den entscheidenden Putt bei der US Open 1999 in Pinehurst. Über den Putt, der Payne Stewart unsterblich machte, wie man so schön sagt, und mit dem Phil Mickelsons Trauma von mittlerweile sechs zweiten Plätzen bei der heimischen Open begann. Wie auch immer: Der siegbringende Putt auf der 18 war grandios. Aber von wirklicher Größe war die Geste danach, als Stewart im Augenblick des zweiten US-Open- und dritten Major-Triumphs an den Verlierer Mickelson dachte, dessen Gesicht in die Hände nahm und dem werdenden Vater „alles Gute für das Baby“ wünschte.

Zu diesem Zeitpunkt war Stewart Zehnter der Weltrangliste, Nummer drei der ewigen Geldrangliste. Drei Monate nach Pinehurst spielte er seinen fünften Ryder Cup-Team und verhalf dem US-Team beim „Battle of Brookline“ in Massachusetts zu einem bis heute heftig umstrittenen Sieg über Europa. Dann kam der 25. Oktober 1999.

Das Geisterflugzeug

Es war ein Montag morgen: Payne Stewart wollte zur Tour Championship. Per Flugzeug. Mit einem Learjet sollte es vom heimischen Orlando nach Houston gehen. Um 9.27 Uhr Ortszeit gab es noch einmal Funkverkehr mit den Piloten, um 9.30 Uhr vollzog der Privatjet einen geplanten Richtungswechsel. Danach begann das Mysterium um das Geisterflugzeug.

Wie später rekonstruiert wurde, muss wohl durch einen technischen Defekt der Druck in der Kabine ausgefallen sein. Es herrschte Sauerstoffmangel, Passagiere und Piloten dürften qualvoll erstickt sein. Jeglicher Versuch, über Funk Kontakt herzustellen, scheiterte. Das Flugzeug raste führerlos und vom Autopiloten gesteuert, später von US-Kampfjets eskortiert, über den Süden und den mittleren Westen der USA. Dann ging der Treibstoff zur Neige: Der Learjet stürzte nahe der Stadt Mina in South Dakota auf einen Acker. Neben Payne Stewart und den Piloten Michael Kling und Stephanie Bellegarrigue starben bei dem Unglück auch Stewarts Manager Robert Fraley und Van Ardan sowie der Golfplatz-Architekt Bruce Borland.

Payne Stewart wurde nur 42 Jahre alt. Er hinterließ Ehefrau Tracy sowie die Kinder Chelsea und William Aaron. Der Traditionalist verehrte Linksgolf und die britische Art des Spiels, spottete gern über das amerikanische Golf-Verständnis: „Alles, was wir hier machen, ist den Ball in der Luft zu halten.“ Nicht nur hinter dem 18. Grün in Pinehurst, sondern auch auf den Waterville Golf Links im irischen County Kerry erinnert eine Statue an einen großen Golfer und wahren Gentleman.


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Michael F. Basche

Michael F. Basche - Freier Autor für Golf Post

Als Journalist, Golfbetriebsmanager und notorischer Zu-Kurz-Putter ist Michael F. Basche auf vielfache Weise dem Golf verfallen. Nach Jahren als Tageszeitungs-Sportredakteur und im PR- und Marketinggeschäft berät er heute u. a. Golfclubs in Fragen der Corporate Identity. Und widmet sich schreibend den vielfältigen Facetten des Großartigsten aller Spiele.
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