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Paul McGinley: Viel zu verlieren und kaum etwas zu gewinnen

25. Sep 2014
Paul McGinley ist der Mann mit dem schwersten Job beim Ryder Cup in Shottland. (Foto: Getty)
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Gratwanderung für den Kapitän des Ryder-Cup-Favoriten: Den Sieg holt das starke Team, bei einer Niederlage wäre er der Sündenbock.

Alle Vorzeichen stehen auf Triumph: Team Blau ist bei sämtlichen Buchmachern haushoher Favorit, ein Wettgewinn würde meistens nicht mal den Einsatz decken, Europas golferische Crème de la Crème muss das angeschlagene US-Kontingent gleichsam bloß noch abarbeiten, der Heimsieg scheint Formsache. Weit gefehlt! Dieser 40. Ryder Cup wird einer der schwierigsten in der Geschichte des Kontinentalwettbewerbs, Kapitän Paul McGinley und seine Mannen balancieren in Gleneagles auf einem ganz schmalen Grat.

Ryder Cup gleicht Marsch am Rand der Klippe

Zu gern möchte man sich all den verführerischen Indizien hingeben, die seit Tagen und Wochen dekliniert werden. Sie erzeugen eine gefährliche Erwartungshaltung. Und trüben sogar das Kurzzeitgedächtnis. Es ist gerade mal zwei Jahre her, dass sich die Amerikaner wie sichere Sieger fühlten und stattdessen eine Kernschmelze, „The Meltdown of Medinah“, erlebten, während José María Olazábals Truppe „The Miracle of Medinah“, das Wunder, feierte. Lediglich zwei Einzel gaben den Ausschlag. Europa sollte gewarnt sein.


Paul McGinley ist es: „Ich verspreche, dass wir den Gegner nicht unterschätzen.“ Der Ire ist um seine Aufgabe gegen das vermeintlich dürftige Dutzend von Tom Watson ohnehin nicht zu beneiden. Mehr noch: Sein Kapitänsamt ist ein Marsch am Rand der Klippe. McGinley hat in Schottland sehr viel zu verlieren und kann kaum etwas gewinnen. Bislang hat er diese Bürde mit Natürlichkeit, Charme, Offenheit, entwaffnendem Lächeln und Bravour bewältigt.

Der richtige Gegner für das Idol Watson?

Jetzt kommen die Tage der Wahrheit: Erstmals seit zig Jahren geht Europas Auswahl nicht als Underdog, als Außenseiter, in einen Ryder Cup. Mit der Nummer eins der Welt an der Spitze und weiteren drei Spielern aus den globalen Top-Sechs soll McGinley das Heimspiel in trockene Tücher bringen.

Obsiegen Rory McIlroy und Co., dann wird das jedermann an der mannschaftlichen Stärke und an den Hochkarätern im Team festmachen, im Zweifel sowieso an Ian „Mr. Ryder Cup“ Poulter. Nicht zuletzt daran, dass McGinley bei Spielern solchen Kalibers kaum etwas falsch machen kann, zur allgemeinen Erleichterung auch nichts falsch gemacht hat. Er hat halt geliefert. Eine Selbstverständlichkeit.


Ryder Cup im MoMA-Stil: Golf trifft Kunst

Weniger als ein klarer Sieg des designierten Dominators, erst recht der schier undenkbare Fall einer Niederlage, indes zöge umgehend und ausschließlich ein Thema nach sich: War der so bodenständige, fast biedere McGinley wirklich der richtige Gegner für Tom Watson, das Idol aus der Golf-Ruhmeshalle; warum statt seiner nicht doch ein „Typ“ wie Colin Montgomerie oder Darren Clarke?

„Wer ist eigentlich dieser Paul McGinley“

Die Spieler wären vermutlich fein raus, ihnen hielte man die lange strapaziöse Saison und den Stress der vergangenen FedExCup-Wochen zugute. Auch ein Schulterschluss mit dem Kapitän, von dem McIlroy sagte, „er ist der Beste, unter dem ich je gespielt habe“, würde nichts ändern: McGinley wäre der Sündenbock, der das Heimspiel in der Wiege des Golf vergeigt hat. So wie Davis Love III mit seinen Entscheidungen 2012 zum Buhmann wurde, so wie seit 2008 der damals seltsam agierende Nick Faldo den Makel des Verlierers von Valhalla trägt.

In den US-Medien, namentlich beim Portal Golf.com, tauchte dieser Tage die Frage auf: „… ihm fehlt das Temperament von ,Monty‘, der Schneid von Seve [Ballesteros] oder der sportliche Lebenslauf eines [Bernhard] Langer. Wer in Samuel Ryders Namen ist eigentlich dieser Paul McGinley?“

Einer, der in seinen drei Einsätzen als Spieler nie ein Einzel und auch keinen Ryder Cup verloren hat, der als Vizekapitän 2010 mit Montgomerie und 2012 mit Olazábal ebenfalls erfolgreich war. Einer, der „ein halbes Dutzend Notizbücher mit Erkenntnissen aus diesen Jahren gefüllt“ hat, wie McGinley in einem Interview erzählte. Einer, „der die richtigen Dinge tun und die richtigen Knöpfe drücken wird“, wie Graeme McDowell dem Kapitän bescheinigte.

Und einer, der anschließend nur zu gerne wieder aus dem Rampenlicht tritt: In der Gewissheit, seinen Job gemacht zu haben. Ihm ist das Gewinn genug. Good Luck, Paul McGinley!

Michael F. Basche

Michael F. Basche - Freier Autor für Golf Post

Als Journalist, Golfbetriebsmanager und notorischer Zu-Kurz-Putter ist Michael F. Basche auf vielfache Weise dem Golf verfallen. Nach Jahren als Tageszeitungs-Sportredakteur und im PR- und Marketinggeschäft berät er heute u. a. Golfclubs in Fragen der Corporate Identity. Und widmet sich schreibend den vielfältigen Facetten des Großartigsten aller Spiele.
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