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Testlauf für Olympia verkommt zur Farce

01. Mrz 2016
Ist Golf bereit für Olympia in Rio? Die finale Generalprobe des neuen Platzes am Zuckerhut steht noch aus. (Foto: Getty)
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Erst Verzögerungen beim Bau, nun Probleme in der Organisation eines Probeturniers. Golf bei Olympia steht weiter unter keinem guten Stern.

Umweltproteste und juristische Streitigkeiten – bei der Fertigstellung des Golfkurses für Olympia 2016 in Rio de Janeiro kam es mehrfach zu Verzögerungen. Nun ist der Platz bespielbar und wartet darauf, unter Wettkampfbedingungen geprüft zu werden. Eine obligatorische Formalie, die sich schwieriger gestaltet, als zunächst anzunehmen wäre. Wie jetzt bekannt wurde, wird der Testlauf nun ohne die Beteiligung jeglicher Top-Spieler stattfinden. Neun brasilianische Golfer und Golferinnen werden die Generalprobe alleine abhalten – ein weiterer Tiefschlag für das olympische Golf-Turnier.

Voller Terminkalender – Olympia-Test steht hinten an

Um einen adäquaten Vergleich zum olympischen Wettbewerb zu haben, bemühte sich die PGA Tour um die besten Spieler der Welt. Der Testlauf ist für den 8. März angesetzt. Problem nur: Für ein Rio-Intermezzo ist kaum Platz im Kalender von Jordan Spieth und Co. PGA-Tour-Chef Tim Finchem stand Ende Januar ein wenig ratlos da: „Es gibt eine Reihe Spieler, die sich interessiert zeigen. Die Liste der festen Zusagen ist allerdings noch nicht sehr lang.“ – und wie sich nun herausstellte: Die Liste ist leer.


Die zurückhaltende Resonanz erklärt Finchem mit dem eng gestrickten Turnierplan: „Die Spieler auf der Tour sind stark eingespannt und haben einen vollgepackten Sommer vor der Brust.“ Zach Johnson, amtierender Sieger der British Open, hat seine Teilnahme bereits abgesagt. Auf Jimmy Walker und Rickie Fowler sei man zugegangen – und handelte sich Körbe ein. Einen Monat vor dem Masters in Augusta haben andere Turniere wie das Arnold Palmer Invitational und die Shell Houston Open Priorität. Auch bei der Nummer eins der Welt steht ein Test für Olympia hinten an: Jordan Spieth verzichtet auf ein Gastspiel in Rio und konzentriert sich lieber auf die Titelverteidigung bei der Valspar Championship.

Viel Aufwand für ein bisschen Golf

Der Test in Rio – für die Profis ein wenig attraktiver Termin. Strapaziöse Anreise, zeitlicher Druck, kein finanzieller Anreiz. Doch die Generalprobe ist für jede olympische Disziplin verpflichtend. Unter Wettkampfbedingungen soll geprüft werden, ob die Golf-Anlage und das Prozedere den Bedürfnissen von 15.000 Zuschauern, Spielern und Offiziellen standhält. Auch wenn unter dem Strich nur an einem Tag gespielt wird – noch Ende Januar wehrte sich Finchem gegen den Vorwurf, den Testlauf nur pro forma durchzuführen. Er betonte, wie wichtig die Teilnahme von Top-Spielern ist: „Wir setzen da einen Golfkurs hin und denken ‚Alles in Ordnung‘. Dann kommen die besten Spieler der Welt und sehen zehn Probleme, die wir gar nicht auf der Rechnung hatten.“

Um doch noch den ein oder anderen renommierten Spieler nach Rio zu locken, legte sich die PGA Tour mächtig ins Zeug und leistete sogar die organisatorische Vorarbeit. Im Anschluss an die WGC-Cadillac Championship am kommenden Wochenende sollte ein ein Charterflug bereit stehen, der mit den Top-Spielern im Gepäck den Olympia-Standort ansteuert. Nach dem Testlauf hätte der Flieger die Spieler umgehend zurück in die USA gebracht. Auf diesem Weg erhoffte sich Finchem, noch ein paar Aktuere überzeugen zu können.

Aquece Rio Golf Challenge – Ein Testchen

Doch all die Bemühungen der Offiziellen blieben erfolglos. Kein einziger Spieler aus der Weltspitze wird der Generalprobe beiwohnen, wie Ty Votaw, Vizepräsident der International Golf Federation, jetzt einräumen musste. Stattdessen werden fünf Brasilianer und vier Brasilianerinnen die Probe durchlaufen. In einem 18-Loch-Zählspiel werden Lucas Lee, Alexandre Rocha, Rafael Becker, Daniel Stapff und Rafael Barcellos, sowie Victoria Lovelady, Candy Hannemann, Luciane Lee und die Deutsch-Brasilianerin Miriam Nagl, zusammen mit Offiziellen und rund 100 Volunteers den Platz auf Herz und Nieren testen.

Bei dieser „Aquece Rio Golf Challenge“ wird bei den Männern Lucas Lee als Nummer 409 der Welt der bestplatzierte Spieler in der Weltrangliste sein. Da klingt es schon fast wie Galgenhumor, wenn Votaw sagt: „Wir werden mit dem Event in dieser Form 99,99 Prozent dessen herausholen, was wir in einer anderen Form gehabt hätten. Und dieser Weg, mit brasilianischen Spielern, wird gut für das brasilianische Golf sein.“


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Bernhard Küchler

Bernhard Küchler - Freier Autor für Golf Post

Zum Studium ins Rheinland gekommen, fühlt sich der gebürtige Münsterländer inzwischen als echter Kölner. Die bisherige journalistische Vita bewegte sich überwiegend im Fußball-Metier. Zuletzt veröffentlichte er einen Dokumentarfilm über den Drittligisten Fortuna Köln. Vielseitig sportbegeistert widmete sich der studierte Germanist den unterschiedlichsten Disziplinen. Klar, dass auch das Spiel um die kleine weiße Kugel dabei nicht fehlen darf!

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1 LESER-KOMMENTAR

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  1. haben die dort überhaupt kein plan………..???
    warum sucht man da keinen sponsor und macht ein turnier und lädt spieler ein die ein gewisses niveau aber nicht in der weltspitze zu finden sind?
    so ab weltrangliste platz 100
    2.liga european tour, asian tour, südamerika tour, grad an wochen wie diese wo nur das WGC ist und sonst eh keine anderen turniere.
    bei einem kleinem preisgeld wären solche spieler ab platz 100 sicherlich sofort dabei.
    denk da z.b. an bernd ritthammer der nur ne begrenzte berechtigung der EPT hat…..

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