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Old Tom Morris: Vom gefeuerten Azubi zum Golf-Patriarchen

18. Jul 2013
Eine Old-Tom-Morris-Statue thront über dem 18. Grün des Links Golfplatz Donegal in Irland. (Foto: rosapenna.ie)
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Der ursprüngliche Erbauer des British-Open-Kurses Muirfield hatte Ende des 19. Jahrhunderts bei vielen Plätzen seine Hand im Spiel.

St. Andrews, 1848: Der Student Robert A. Paterson tüftelt den Guttapercha-Ball aus, weil er sich die kurzlebigen und teuren Featheries nicht leisten kann. Nebenan, auf dem Old Course, wird deswegen der „Azubi“ rausgeschmissen: Ohne den „Gutty“ wäre die Karriere von Thomas Mitchell Morris Sr. womöglich weit weniger bedeutsam verlaufen.

British Open Geschichte: Den falschen Ball gespielt

So aber wurde Old Tom Morris zum Patriarchen des modernen Spiels. Weil auch er den günstigen Kautschukball und nicht die Produkte seines Meisters spielte. Und dabei erwischt wurde. Worauf ihn der berühmte Allan Robertson umgehend feuerte. 1851 wird gemeinhin angenommen. Als „Custodian of the Links“ und bester Golfer seiner Zeit verdiente Robertson mit Preisgeld-Wettspielen, Schlägerbau, Greenkeeping und vor allem mit der Featherie-Herstellung gutes Geld. Mitarbeiter Morris war ein Nestbeschmutzer.


In Prestwick freute man sich. Die angehende Golf-Koryphäe, durch die Foursome-Matches mit Robertson als Spieler schon einigermaßen berühmt, war frei. Ein gewisser Colonel Fairlie vermittelte Morris an den neuen Club. 1851 trat der damals 30-Jährige mit Frau Agnes und dem zweitgeborenen Baby Tommy Jr. (der erste Thomas Morris Jr. war 1850 mit vier Jahren verstorben) seinen Dienst an und machte in der Folge aus der Prestwicker Golfwiese einen ordentlichen Platz. Auf dem Zwölf-Loch-Kurs fand 1860 die erste Open Championship statt, um den sportlichen Nachfolger des 1859 verstorbenen Allan Robertson zu ermitteln.

Beachtliches Salär in St. Andrews

Morris wurde bei der Premiere Zweiter und gewann drei Mal, bevor er Ende 1864 nach St. Andrews zurückkehrte, wo man ihm den verwaisten Job des „Links-Hüters“ angedient hatte. 50 Pfund jährlich gab‘s dafür, plus 20 Pfund Büdget für Fremdleistungen. Damals ein beachtliches Salär. Die Einnahmen aus dem Pro-Shop gingen sowieso in Morris‘ Tasche.

1867 holte sich Old Tom in Prestwick die vierte Open und zog fortan mit Schubkarre und Schaufel über seinen geliebten Old Course. Oder per Eselskarren, später per Eisenbahn bzw. Dampfschiff als Golfplatz-Architekt durch die Gegend. Für das Tageshonorar von einem Pfund plus Spesen nahm der große Mann allerorten das Gelände in Augenschein und bestimmte die Positionen von Tees, Greens und Bunkern. Morris soll bei fast der Hälfte der 109 Linksplätze, die 1899 auf den britischen Inseln existierten, die Hand im Spiel gehabt haben.

Den Old Course von St. Andrews, die ultimative Design-Blaupause, hatte „Mutter Natur“ in die Landschaft gelegt. Aber Old Tom Morris polierte das „Home of Golf“ im Lauf seiner 39-jährigen Tätigkeit durch Umbauten und revolutionäre Pflegemaßnahmen zur Krönung aller Plätze auf. Mit Dornoch, Lahinch, County Down etc. schuf er zudem grandiose Kronjuwelen.

Besanden und Locheinsatz erfunden

In Muirfield, jetzt zum 16. Mal Schauplatz einer Open Championship, begründete Morris 1891 auch das Muster der beiden Neun-Loch-Schleifen anstelle des Out-and-in“-Schemas der Linksplätze entlang der Küste. Er machte das strategisch Design zum Standard, führte das Besanden zur Pflege von Fairways und Grüns ein, erfand die Grassoden-Bauweise der Pottbunker („Revetting“), das Dogleg und den Locheinsatz fürs Grün.

Clever war Old Tom Morris auch. In St. Andrews handelte er eine Rente zu vollen Bezügen aus. Und jeder Club, dem er seine Unterstützung angedeihen ließ, musste sich verpflichten, fürderhin Schläger und Bälle nur aus seinem Shop zu beziehen.

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Michael F. Basche

Michael F. Basche - Freier Autor für Golf Post

Als Journalist, Golfbetriebsmanager und notorischer Zu-Kurz-Putter ist Michael F. Basche auf vielfache Weise dem Golf verfallen. Nach Jahren als Tageszeitungs-Sportredakteur und im PR- und Marketinggeschäft berät er heute u. a. Golfclubs in Fragen der Corporate Identity. Und widmet sich schreibend den vielfältigen Facetten des Großartigsten aller Spiele.
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