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Golfkleidung: Ausstatter zwischen Tradition und Innovation

Golfkleidung von Puma, Galvin Green, Nike, Adidas, Under Armour, Kjus und Oscar Jacobson unter der Lupe. Es zeichnet sich bereits ein Trend ab: Klasse statt Masse.

Golf ist stets im Wandel. Auch die Golfkleidung ändert sich stetig. John Daly etwa mag es sehr bunt. (Foto: Getty)
Golf ist stets im Wandel. Auch die Golfkleidung ändert sich stetig. John Daly etwa mag es sehr bunt. (Foto: Getty)

Der Golfmarkt ist im Wandel begriffen. Große Golfausstatter wie Nike und Adidas, Puma, Galvin Green, Kjus oder Under Armour und Oscar Jacobson schränken ihr Angebot ein und stellen bzw. stoßen die Produktion von Golfschlägern ab, während andere die große Chance wittern. Wir haben uns dies zum Anlass genommen, sieben namhafte Bekleidungshersteller einmal genauer anzusehen.

Golfkleidung - ein Millionengeschäft

Irischer Golfstar Rory McIlroy wirbt mit Golfkleidung von und für Nike (Foto: Getty)

Irischer Golfstar Rory McIlroy wirbt mit Golfkleidung von und für Nike (Foto: Getty)

Der erste Fuß, den Nike in das Golfgeschäft setzte, war denkbar klein - golfballklein, um genau zu sein. Erst 2002 folgte der erste Schlägersatz und das Sortiment wurde größer. Seitdem ging es steil bergauf - das 1971 gegründete Unternehmen stieg ganz groß ein und nahm zahlreiche Spitzensportler aus dem Profigolf unter Vertrag. Eine Spezialität des Unternehmens war, Sportler zu entdecken, bevor sie berühmt wurden.

Der amerikanische Sportartikelhersteller nahm Tiger Woods bereits im Jahre 1984, als er noch als Amateur unterwegs war, für etwa 450.000 Euro unter Vertrag. Natürlich spielte die frühe, mediale Aufmerksamkeit um das junge Wunderkind eine große Rolle, doch war er noch weit entfernt von der Legende, als die er heute bekannt ist.

Die Summe, die Nike an Rory McIlroy als Markenbotschafter für das Tragen der Golfkleidung zahlt, kann sich ebenfalls sehen lassen: 223 Millionen Euro bekommt der irische Golfprofi für die zehn Jahre, in denen er bei Nike unter Vertrag steht.



Laut McIlroy war jedoch nicht das Geld der ausschlaggebende Punkt: "Ich habe mich aus einer ganzen Reihe von Gründen für Nike entschieden", so der Berufsgolfer. "Es ist ein Unternehmen, das wirklich zu mir passt." Der Vertrag sei ein weiterer Schritt, "meinen Traum zu leben".

2016 verzeichnete die Golfsparte bei Nike Verkaufserlöse in Höhe von 625 Millionen Euro. Was nach viel klingt, ist jedoch das Ergebnis eines seit Jahren erfolgenden Abwärtstrends. Nach Ansicht von Nike CEO Mark Parker stagniere der Golfmarkt. Tatsächlich kündigte Nike 2016 an, sich aus großen Teilen des Golfgeschäfts zurück zu ziehen und sich wieder "auf's Kerngeschäft zu konzentrieren", wie Parker bekannt gab. Das Kerngeschäft ist die Golfbekleidung, nicht jedoch die Produktion von Schlägern oder Golfbags, die es künftig also nicht mehr geben wird.

Puma und Adidas - wenn aus Brüdern Konkurrenten werden

Die Brüder Dassler starteten mit einer gemeinsamen Schuhfabrik, der Gebrüder Dassler Schuhfabrik. Aufgrund von Unstimmigkeiten jedoch trennten sich die beiden Brüder. Rudolf Dassler gründete vor 65 Jahren die Puma Schuhfabrik Rudolf Dassler, während sein Bruder Adolf Dassler sich seinerseits mit Adidas selbstständig machte.



Anfangs lag der Schwerpunkt noch bei Fußballbekleidung. 2010 übernimmt Puma dann die Golfmarke Cobra Golf und macht daraus die Marke Cobra Puma Golf. Dadurch konnte das eigene, überschaubare Golfportfolio erheblich aufgebessert und Infrastruktur übernommen werden, die Puma zu einem der wenigen großen Golfausrüstern werden ließ.

Rickie Fowler ist der erste Motocross-Fahrer, der zum Golf-Profi wurde und auch der erste Rookie, der für den prestigeträchtigen Ryder Cup nominiert wurde. Puma verpflichtete neben ihm auch weitere junge und extrovertierte Spieler wie den als "Golf-Physiker" berühmt gewordenen Amerikaner Bryson DeChambeau.


Eine neue Ära bei Adidas

Dustin Johnson wirbt für den deutschen Golfkleidungshersteller Adidas. (Foto: Getty)

Dustin Johnson wirbt für den deutschen Golfkleidungshersteller Adidas. (Foto: Getty)

Die bekannteste Golfmarke von Adidas, TaylorMade wurde 1979 mit drei Mitarbeitern gegründet. Mit einem einzigen Produkt: Einem 12-Grad-Driver aus Edelstahl, sowie dem Motto: „Für jeden Golfer gibt es einen Schläger“. Heute umfasst das Sortiment von Golfbällen bis zu Golfbags quasi alles, was sich ein Golfer wünschen kann.





Doch den Abwärtstrend im Umsatz mit Golfartikeln sieht auch Adidas und verkauft seine Golf-Marken "TaylorMade", "Adams Golf" und "Ashworth" für 380 Millionen Euro. David Abeles, CEO von TaylorMade, sagte zu dem Verkauf an die Investmentfirma "KPS Capital Partners": "Jetzt beginnt für TaylorMade eine faszinierende neue Ära".

Zuletzt waren Golfer wie der Weltklasse-Spieler Dustin Johnson, Sergio Garcia, Justin Rose und die Proette Paula Cramer Markenbotschafter für Adidas.

Galvin Green - Klein aber fein

Das schwedische Unternehmen Galvin Green hat sich auf das High-End Preissegment im europäischen Golfmarkt spezialisiert. Dabei geht das Unternehmen ganz anders vor, als die großen Global Player. Der Vertrieb der Produkte, die sich ausschließlich an Spieler richten, die in dem Sport mehr als ein Hobby sehen, erfolgt entweder direkt durch Pro-Shops oder durch ausgesuchte Online-Händler und kommt dabei ohne millionenschwere Werbeverträge aus.

Markenbotschafter hat das Unternehmen dennoch. Der Markt für Galvin Green ist kleiner und elitärer, was ein Grund dafür sein mag, dem neuerlichen "Verkaufstrend" der großen Hersteller nicht zu folgen. Darüber hinaus schmückt sich Galvin Green damit, der offizielle Ausstatter des europäischen Ryder-Cup-Teams zu sein, was sicherlich einen Marketingeffekt hat, der viele teure Markenbotschafter in den Schatten stellt.


Kjus - Olympischer Namensgeber

Der Skirennfahrer und Olympiasieger Lasse Kjus und ein Schweizer Unternehmer hatten auf dem Golfplatz eine Idee: Golfkleidung sollte elastischer und flexibler sein, um beim Sport nicht zu behindern. Das Unternehmen, das die beiden daraufhin gründeten, wird schlicht Kjus genannt und stellte 2001 ihre ersten Produkte vor. 2012 wird das Unternehmen offizieller Ausstatter des Omega European Masters und erlebte danach einen raschen Aufstieg. 2013 wurde der neue Firmensitz in der Schweiz eingeweiht.

Das Highlight: Ein eigener Golfplatz, auf dem die Entwickler und Tester die neuen Produkte gleich unter realen Bedingungen ausprobieren können. Seitdem gehören zahlreiche Patente ebenso zum Portfolio der Marke Kjus, wie die verschiedensten Erlebnisangebote: Vom "Mitternachtsgolfen" bis zum Abschlag vom Rande des Grand Canyons aus wird fast jeder Wunsch erfüllt. So auch ein Golfmarathon auf Deutschlands schönstem Linkskurs auf Föhr, wo Golf Post mit Kjus und den beiden European-Tour-Profis Bernd Ritthammer und Maximilian Kieffer eine Runde gedreht hat.


Oscar Jacobson: "Wir glauben, dass Stil erobert werden kann"

Der Golfkleidungshersteller Oscar Jacobson besteht seit 1903 und gehört ebenfalls zum höherpreisigen Segment. Das Unternehmen verkaufte in seinen Anfängen wertvolle Textilien, ehe später die Weiterverarbeitung durch den Betrieb erfolgte und eigene Produkte entwickelt werden konnten.

Oscar Jacobson ist ein Unternehmen, das sich nicht ausschließlich auf Sportbekleidung spezialisiert hat. Der Schwerpunkt liegt auf hochwertiger Herrenmode. Die Golfkleidung passt dennoch gut in das Sortiment des sich stilvoll präsentierenden, schwedischen Familienunternehmens Oscar Jacobson. Verkauft wird in ganz Europa durch Partnerschaften mit lokalen Golfclubs, welche die Mode direkt in ihren Stores verkaufen oder über den eigenen Online-Shop. Oscar Jacobson hat keine eigenen Retailer.

Under Armour - Mit Volldampf in den Markt

Open Championship Sieger Jordan Spieth mit Under Armour, Oscar Jacobson, Puma, Kjus Golfkleidung beim Ryder Cup 2016. (Foto: Getty)

Open Championship Sieger Jordan Spieth mit Under Armour Golfkleidung beim Ryder Cup 2016. (Foto: Getty)

Wie viele amerikanische Erfolgsgeschichten beginnt auch diese in der heimischen Garage. 1996 gründete der damals 23-jährige Kevin Plank während seines Studiums in der Garage seiner Großmutter das Unternehmen "Under Armour". Die Idee, die der Erfolgsgeschichte zugrunde liegt, entstammte seiner College-Zeit. Plank hielt die Trikots seiner College-Footballmanschaft für unzureichend. Die Idee sowie das Unternehmen wuchsen schnell und 2005 ging "Under Armour" an die Börse. Seit 2016 gibt es in München auch eine deutsche Niederlassung.

Anfänglich war vor allem Kampfsportbekleidung ein Standbein. Inzwischen gehört auch Golfkleidung zum Portfolio. Under Armour fokussiert sich dabei ausschließlich auf Schuhe und Bekleidung und fördert junge Athleten bevor sie ihren Durchbruch schaffen. Das beste Beispiel dafür ist der inzwischen dreimalige Majorsieger Jordan Spieth, der seit Beginn seiner College-Golfzeit Under Armour als Sponsor hat.

Des einen Freud' ist des anderen Leid

Trotz laufender Verträge stoppen große Namen die Herstellung von Schlägern, Bags und anderem. Das bedeutet vor allem für Profis eine Umstellung, denn sie müssen sich neue Ausstatter suchen und damit auch neue Schlägerhersteller.

Der Rückzug der Marktriesen wie Adidas und Nike könnte zudem größeren Spielraum für die kleinen Unternehmen bedeuten und ihnen die Chance geben, die großen Marktanteile zu erhaschen und werbewirksame Golfstars für wenig Geld unter Vertrag zu nehmen. Es bleibt also spannend auf dem Golfartikel-Markt!

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